Trading-Experte ordnet ein 

Bitcoin mit Hebel: So arbeitet ein Market Maker

Hebel zwischen fünf und 20 sind bei Bitcoin-Produkten laut CMC Markets besonders gefragt. Benjamin Kämmerer, Trading-Experte bei der Handelsplattform, erklärt, wie Market Maker solche Risiken bepreisen, absichern und warum viele Altcoins durchs Raster fallen.

Sven Wagenknecht
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Man sieht einen Mann mit weißem Hemd rechtsbündig vor einem Hintergrund im Trading-Muster, mit Charts, Geldbündeln und Bitcoin-Münzen.

Beitragsbild: Shutterstock, Benjamin Kämmerer

| Wie handeln Profis Bitcoin? Wir haben mit Benjamin Kämmerer gesprochen, der als Market Maker bei CMC Markets tief in der Materie drin ist

Bei Bitcoin-Produkten greifen Anleger nach Beobachtung von CMC Markets häufig zu Hebeln zwischen fünf und 20. Für Benjamin Kämmerer ist das jedoch nur ein Teil des Geschäfts. Sein Team bepreist die Produkte und sichert die Risiken aus den Kundengeschäften am professionellen Markt ab.

Kämmerer ist Executive Director Trading bei CMC Markets und seit 19 Jahren im Derivategeschäft tätig. Zuvor arbeitete er unter anderem für Citi, Macquarie und Sal. Oppenheim.

Wie ein Market Maker Risiken absichert

CMC Markets stellt Preise für Finanzprodukte, die anschließend von Privatanlegern gehandelt werden. Sobald ein Kunde eine Position eröffnet, kann daraus ein Risiko für den Anbieter entstehen. “Wenn ein Privatanleger sich entscheidet, die Produkte zu handeln, müssen wir Absicherungsgeschäfte tätigen, damit das dadurch entstehende Risiko für CMC Markets abgesichert wird”, erklärt Kämmerer.

Die Kundenpositionen werden nicht einzeln und manuell abgearbeitet. Systeme führen unterschiedliche Risikoparameter zusammen und zeigen, wie sich das gesamte Portfolio bei Marktbewegungen verändert. Der Händler entscheidet anschließend über die Absicherungsgeschäfte am professionellen Markt. Vollständig automatisieren lässt sich der Prozess bislang nicht.

“Der Mensch ist weiterhin stark gefragt. Die Tools müssen überwacht werden, damit sie so funktionieren, wie es erwartet wird”, sagt Kämmerer. Sein Arbeitsalltag besteht damit vor allem aus Preisstellung, Risikoaggregation und der Absicherung von Kundenpositionen.

Krypto-Liquidität begrenzt das Angebot

CMC Markets bietet derzeit Produkte auf 23 Kryptowährungen an. Dass nicht deutlich mehr Coins zur Auswahl stehen, liegt vor allem an der Liquidität. “Es gibt viele Coins, bei denen die Liquidität wirklich sehr dünn ist. Dann muss man überlegen, ob man als Market Maker überhaupt ein verlässliches Pricing anbieten kann”, erklärt Kämmerer.

Der Market Maker muss laufend Kauf- und Verkaufspreise stellen und die daraus entstehenden Risiken absichern können. Bei kleineren Kryptowährungen wächst häufig der Abstand zwischen Geld- und Briefkurs. Gleichzeitig sinkt die handelbare Größe.

“Ein großes Problem ist der Spread. Über die Liquidität wird auch die Größe, die man anbieten kann, kleiner. Dann kann man nur eine relativ kleine Size zu einem relativ großen Spread handeln.” Für Anleger bedeutet das höhere Kosten beim Ein- und Ausstieg. Bei kurzfristigen Trades kann ein breiter Spread einen erheblichen Teil der erwarteten Rendite aufzehren.

Warum Bitcoin leichter handelbar ist

Bei Bitcoin sind die Bedingungen deutlich besser. Zum Zeitpunkt des Gesprächs lag der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufspreis laut Kämmerer bei ungefähr 15 US-Dollar, dies kann sich je nach Marktlage jedoch verändern. “Bitcoin steht bei ungefähr 15 Dollar Spread. Selbst wenn man größere Sizes handelt, wird der Spread nicht unbedingt sehr viel weiter.”

Bei einem Bitcoin-Kurs von rund 60.000 US-Dollar entspricht das etwa 0,025 Prozent. Entscheidend ist jedoch nicht nur die sichtbare Differenz. Auch größere Positionen müssen sich absichern lassen, ohne den Marktpreis massiv zu verschieben.

Was beim Bitcoin-Pricing zählt

Fundamentaldaten werden laut Kämmerer ebenfalls betrachtet. Für die unmittelbare Preisstellung sind jedoch Kundeninteresse, Orderbuch und verfügbare Liquidität wichtiger. “Für uns ist interessant zu schauen, wo der Kunde das meiste Interesse hat. Kunden schauen häufig auf bestimmte Level.”

Bei Bitcoin waren dies zuletzt etwa die Marken von 60.000 oder zuvor 100.000 US-Dollar. Rund um solche Schwellen nehmen das Interesse und die gehandelten Volumina häufig zu. “Um diese großen Marken herum treten ein erhöhtes Interesse und erhöhte Volumina auf. Das sieht man auch im Orderbuch.”

Kämmerer wendet bei Bitcoin grundsätzlich dieselben Kriterien an wie bei Aktien- und Rohstoffderivaten. “Ich kann meine Erfahrungen aus einer anderen Assetklasse in den Kryptomarkt übertragen. Die Strategien und Kriterien, die wir auf das Pricing anwenden, sind auch auf den Kryptomarkt übertragbar.”

Der Unterschied liegt vor allem im Reifegrad. Bitcoin und Ether verfügen bereits über vergleichsweise tiefe Liquidität. Bei vielen kleineren Kryptowährungen sind Spreads und handelbare Größen noch deutlich schlechter.

Bitcoin-Hebel im Seitwärtsmarkt

Bitcoin bewegte sich vor dem Interview längere Zeit in einem engen Bereich um 60.000 US-Dollar. Kämmerer spricht von einem “Tunnel”. “Wir bewegen uns seit Monaten wie in einem Tunnel und kommen von den 60.000 nicht wirklich weg. Das heißt aber nicht, dass es gar keine Volatilität gibt.”

Innerhalb einzelner Handelstage kommt es weiterhin zu deutlichen Bewegungen. Sie können ausreichen, um gehebelte Positionen zu beenden, obwohl Bitcoin wenige Tage später wieder am Ausgangspunkt steht.

“Intraday sehen wir Volatilität und Kurssprünge. Es gibt aber keine Bewegung in dem Sinne, dass wir wirklich auf 70.000, 80.000 oder auf 50.000 gehen.” Ein richtungsloser Markt kann für Hebel-Trader daher teuer werden. Long- und Short-Positionen werden ausgestoppt oder ausgeknockt, ohne dass sich ein nachhaltiger Trend entwickelt.

Bei kurzfristigen Trades können hohe Hebel Teil einer begrenzten Strategie sein. Für Positionen über mehrere Monate sieht Kämmerer das anders. “Wenn man einen Anlagehorizont von drei oder sechs Monaten hat, sollte man eher auf kleinere Hebel setzen.” Wer auf einen Anstieg von 60.000 auf 100.000 US-Dollar setzt, muss Rücksetzer auf dem Weg dorthin überstehen. Bei einem Knock-out-Produkt reicht das Erreichen der Schwelle für einen Totalverlust, selbst wenn das Kursziel später eintritt.

“Gerade bei Hebelprodukten muss man im Hinterkopf behalten, dass sie riskant sind und wertlos verfallen können, wenn die Kursschwelle erreicht wird.” Für längerfristige Positionen können ungehebelte Tracker-Produkte infrage kommen. Beim direkten Investment reicht langfristig die richtige Richtung. Bei einem Knock-out-Produkt muss auch der Weg dorthin stimmen.

Strategy ist kein Bitcoin-Hebel

Einige Anleger versuchen, Bitcoin über Aktien von Strategy oder Mining-Unternehmen zu hebeln. Diese können in steigenden Marktphasen stärker zulegen als Bitcoin. Kämmerer hält diesen Umweg nicht für gleichwertig mit einer direkten Position im Basiswert. “Man investiert in ein Unternehmen. In einem Unternehmen spielen noch viele andere Faktoren eine Rolle.”

Neben dem Bitcoin-Kurs wirken Finanzierung, Kapitalstruktur, operatives Geschäft und Entscheidungen des Managements auf die Aktie. “Wenn man in Unternehmen investiert, die ein Bitcoin-Exposure haben, kann man das machen. Es ist aber nicht das Gleiche, wie in Bitcoin zu investieren.” Eine Strategy- oder Mining-Aktie ist damit kein direkter Bitcoin-Hebel. Der Anleger übernimmt zusätzlich Unternehmens- und Finanzierungsrisiken.

24/7-Handel reduziert das Gap-Risiko

Den deutlichsten Unterschied zum traditionellen Markt sieht Kämmerer beim Handel rund um die Uhr. “Der Trend geht ganz klar in Richtung 24/7. Das haben wir schon in den vergangenen Jahren gesehen, und in den letzten Monaten hat sich diese Entwicklung noch einmal verstärkt.”

Im Aktienhandel können Händler ihre Positionen außerhalb der Börsenzeiten nur eingeschränkt anpassen. Ereignisse am Wochenende werden häufig erst mit der nächsten Börsenöffnung vollständig eingepreist. “Das Problem ist, dass Risiken bei starken Bewegungen über das Wochenende nicht sofort gehandelt werden können. Man ist auf die Börsenzeiten angewiesen und muss schauen, was man am Montag macht.”

Bei Bitcoin besteht dieses Gap-Risiko in dieser Form nicht. “Bei Kryptowährungen sehen wir, dass dieses Risiko so nicht existiert, weil die Werte 24/7 handelbar sind und Marktveränderungen sofort eingepreist werden können. Gaps können jedoch trotzdem bei geringer Liquidität auftreten.” Kämmerer erwartet deshalb längere Handelszeiten auch bei anderen Anlageklassen. Einzelne Werte werden bei CMC Markets bereits rund um die Uhr angeboten.

“Für uns Händler bietet das Vorteile, weil wir Risiken und Risikomanagement anders abbilden können als bei Aktienmärkten mit begrenzten Handelszeiten.” Für Finanzinstitute bedeutet das mehr Automatisierung und global verteilte Handelsstrukturen. Market Maker können Risiken laufend absichern, müssen dafür aber dauerhaft belastbare Systeme bereitstellen.

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