Multi-Use-Case-Mining Bitcoin ist nur die Spitze des Eisberges

Mining kann viel mehr als Bitcoin. Warum wir ein neues Verständnis für den Proof-of-Work-Mechanismus bei Bitcoin brauchen und wie neue Anwendungsfälle aussehen können.

Sven Wagenknecht
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Bitcoin Mining

Beitragsbild: Shutterstock

| Tether will ins Mining-Geschäft einsteigen

Warum betreiben Unternehmen Bitcoin Mining? Die Antwort dürfte simpel ausfallen: Um mit der Aufrechterhaltung des Bitcoin-Netzwerkes Bitcoin zu verdienen. Genau das könnte sich in Zukunft aber ändern. Immer mehr Stimmen und Thesen deuten darauf hin, dass die Bitcoin-Generierung nur die Spitze des Eisberges vom Mining, gemäß Proof-of-Work, ist. In Zukunft könnte sich das Mining nämlich zu einer Schlüsselindustrie entwickeln, die weit über ihren anfänglichen Use Case – Bitcoin-Netzwerk – hinausgeht.

Künstliche Intelligenz dank Mining

Die KI-Revolution, die wir gerade alle hautnah erleben, verschlingt Unmengen an Rechnerleistung. Entsprechend ist es naheliegend, dass man die Mining Hardware nicht nur für Bitcoin, sondern auch für KI-Hochleistungsrechenoperationen nutzt. So haben die BTC Miner Hut 8 und Hive Blockchain bereits ihre Infrastruktur für Rechenoperationen im Machine-Learning-Bereich genutzt.

Natürlich müssen dazu einige Hardware-Komponenten umgerüstet werden, allerdings ist dieser Aufwand verhältnismäßig leicht umsetzbar. Schließlich ist es viel herausfordernder, das richtige Setup mit günstigem Strom, ausreichender Kühlung und physischer Infrastruktur zu errichten.

PoW für die Unabhängigkeit

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt, als Bitcoin Miner Rechenoperationen für KI-Anwendungen zu betreiben, steht auch der Faktor Sicherheit. Die Dezentralisierung diverser Rechenoperationen kann zu einem neuen und notwendigen Maß an Sicherheit beitragen.

Ein global verteiltes KI-Netzwerk, das sich über Krypto-Mining-Anlagen erstreckt, wäre für Regierungen oder andere Parteien wesentlich schwieriger zentral zu kontrollieren als ein KI-Netzwerk, das sich in Serverfarmen im Besitz von Amazon und Co. befindet, wie es derzeit der Fall ist. Angesichts zunehmender Cyberattacken und elektronischer Kriegsführung kein irrelevanter Faktor für die nationale Sicherheit. Dies gilt nicht nur für KI, sondern für sämtliche Formen von Datenströmen.

Bitcoin Mining gegen Cyberattacken

Zu dieser Einschätzung kommt auch der US-Offizier Major Jason Lowery. Am MIT hat er kürzlich sein Thesenpapier Softwar veröffentlicht, das für öffentliche Diskussion gesorgt hat. In diesem Paper fordert er das Pentagon dazu auf, das Bitcoin-Netzwerk als Grundlagen-Layer für diverse Infrastrukturanwendungen zu nutzen.

Die Kosten für Cyberangriffe würden dadurch in die Höhe getrieben werden. Zumal eine Fokussierung auf das Bitcoin Mining zu einer globalen Überlegenheit hinsichtlich der Energie-Verfügbarkeit führen könnte. Auch wenn seine Thesen sehr gewagt sein mögen und viele Fragen hinterlassen, offenbart sich dadurch ein neues Nutzungsverständnis vom Proof-of-Work-Mechanismus bei Bitcoin.

Turbo für die Energiewende

Eine Herausforderung an den regenerativen Energien ist, dass sie im Gegensatz zum Kohle- oder Atomstrom hochgradig volatil sind. Es gibt diverse Einflussfaktoren, die bestimmen, wie hoch die Energieausbeute ist: Mal weht der Wind kräftiger, mal scheint die Sonne weniger.

Um eine bundesweite Abdeckung mit regenerativen Energien zu ermöglichen, die auch dann den Verbrauch garantiert, wenn die Ausbeute gering ist, muss man so viele Wind- und Solaranlagen verbauen, dass es häufig zu einer Überproduktion von Energie kommt. Um da die Netze nicht zu überlasten, müssen Abnehmer für den Strom gefunden werden.

Genau hier kommt das energieintensive Bitcoin-Mining ins Spiel. Dadurch, dass man Mining-Systeme sehr flexibel an- und ausschalten kann, sind sie in der Lage, als spontane Abnehmer für Überschussproduktionen zu fungieren. Mit ihnen könnte die Auslastung von Energienetzen nicht nur besser gesteuert, sondern könnten die regenerativen Energien durch die Bitcoin-bedingte Querfinanzierung schneller profitabel werden.

Die Möglichkeiten gehen noch weit über diesen Anwendungsfall hinaus. Sei es, um die Mining-Abwärme zu Heizzwecken zu nutzen oder um bei der Verbrennung fossiler Energieträger durch Verarbeitung überschüssiger Gase den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Dies wäre eine große Chance für das Image von BTC: vom dreckigen Schmuddelkind zum grünen Heilsbringer.  

Investmentcase: Höhere Profitabilität durch Anwendungsvielfalt

Die Möglichkeit, ihre Infrastruktur an die Marktgegebenheiten anzupassen, ist für die Bitcoin-Mining-Industrie eine große Chance. Schließlich würden sie damit ihre Abhängigkeit vom BTC-Kurs beziehungsweise der Mining-Difficulty reduzieren.

Der Krypto-Winter hat gezeigt, wie hart es für die Unternehmen sein kann, wenn sie nur vom volatilen Bitcoin-Kursgeschehen abhängig sind. Durch eine Flexibilisierung der Infrastruktur können Miner damit nicht nur ihre Profitabilität erhöhen, indem sie dort ihre Rechenleistung investieren, wo der Ertrag am höchsten ist. Auch würden sie Bitcoin-Durststrecken viel besser überstehen können. Durch eben jene Anwendungsdiversifikation würde auch Bitcoin selbst profitieren, da die Finanzierung der Dezentralität damit auf mehrere Säulen gestellt werden würde.

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