Kaum etwas eint die Bitcoin-Community so sehr wie die Annahme, dass es sich bei der Krypto-Leitwährung um einen überlegenen Wertspeicher handelt. Überlegen nicht nur im Vergleich zum US-Dollar, dem Euro oder anderen Fiatwährungen, die Jahr für Jahr an Kaufkraft verlieren, sondern auch im Vergleich zu Gold. Denn das glänzende Edelmetall ist im Gegensatz zu Bitcoin nicht absolut knapp. Jährlich wird das Gold-Angebot um etwa 5.000 Tonnen erhöht, was einer “Inflationsrate” von 1,5 Prozent entspricht. Doch nicht alle stimmen der beliebten These zu.
Der ehemalige IWF-Ökonom Robin Brooks hält wenig von dem weitverbreiteten Narrativ, dass Bitcoin eine Art besseres, digitales Gold sei. In einem neuen X-Post schreibt er: “Bitcoin ist kein sicherer Hafen und kein Wertspeicher, wie es Gold ist. Das ist zwar eine Frage der Wahrnehmung, wird aber durch die Kursentwicklung bestätigt.” Seit Beginn des sogenannten Debasement-Trades habe der BTC-Kurs gegenüber Edelmetallen durchweg schlechter abgeschnitten.
Gold meldet sich zurück, Bitcoin stagniert
Zumindest die kurzfristige Entwicklung seit der vergangenen Fed-Sitzung, bei der Kevin Warsh vergleichsweise dovishe Töne Anschlug, scheint ihm recht zu geben. Seit dem 29. Juli konnte der Goldpreis um fast 10 Prozent zulegen, wohingegen Bitcoin bei etwa 64.000 US-Dollar stagniert und keine Anzeichen einer nachhaltigen Erholung aufweist.
Bitwise-Experte Jeff Park widerspricht der Brook’schen Analyse allerdings direkt. Sein Argument: Bitcoin würde bei beiden Arten von Faktoren, die zu einer steileren Zinskurve führen – sowohl bei Bullen- als auch bei Bärenmärkten –, Kursgewinne verzeichnen und so gleichzeitig von der Geldentwertung und der Abkehr vom US-Dollar profitiert.
Gegenüber BTC-ECHO erklärte Dr. Jonas Groß, Vorsitzender der Digital Euro Association, dass Bitcoin im Jahr 2026 noch kein digitales Gold sei. Aber: “Entsprechende Eigenschaften hat Bitcoin jedenfalls und schneidet bei einigen für einen sicheren Hafen wichtigen Aspekten wie zum Beispiel Transport oder auch Lagerung sogar besser ab als Gold.” Allerdings sei der Wandel ein langfristiger Prozess.

