Eine Minderheit der Bitcoin Nodes hat sich am gestrigen Samstag infolge von BIP-110 vom übrigen Netzwerk abgespalten. Die neue Chain verfügt bislang jedoch nur über einen Bruchteil der Rechenleistung. Bereits wenige Blöcke nach der Abspaltung lag sie deutlich hinter der etablierten Bitcoin Blockchain.
Auslöser war Block 961.632. Seit diesem Zeitpunkt akzeptieren Nodes mit BIP-110 nur noch Blöcke, die über Versionbit 4 Unterstützung für den Vorschlag signalisieren. AntPool fand den ersten Block ohne dieses Signal. Das Bitcoin-Netzwerk akzeptierte ihn, BIP-110-Nodes hingegen nicht. Sie folgten stattdessen einem alternativen Block des Miners Roughnecks über den Mining Pool Ocean.
BIP-110-Chain fällt viele Blöcke zurück
Zum Zeitpunkt des Schreibens hat die Hauptchain bereits Block 961.690 erreicht. Die BIP-110-Chain steht laut Daten von fork.observer erst bei Block 961.633 und liegt deutlich zurück. Beide konkurrierenden Blöcke auf Höhe 961.632 bauen auf demselben Vorgänger auf, enthalten jedoch unterschiedliche Transaktionen.
Damit zeichnet sich zunächst das Szenario ab, das sich aufgrund der geringen Unterstützung unter Minern bereits vor der Abspaltung angedeutet hatte. Im letzten zweiwöchigen Signalisierungszeitraum unterstützten lediglich 51 von 2.016 Blöcken BIP-110. Das entspricht 2,53 Prozent. Für eine Aktivierung ohne Abspaltung wären 55 Prozent beziehungsweise 1.109 Blöcke erforderlich gewesen.
Der Bitcoin-Kurs reagiert bislang nicht erkennbar auf das Ereignis und notiert aktuell bei rund 65.000 US-Dollar.
Streit um Bitcoin Blockspace führte zum Fork
BIP-110 soll für rund ein Jahr die Speicherung nichtfinanzieller Daten auf Bitcoin beschränken, darunter Ordinals Inscriptions. Unter anderem begrenzt der Vorschlag bestimmte Datenfelder auf 256 Byte und OP_RETURN-Ausgaben auf 83 Byte. Auch einige Taproot-Funktionen werden eingeschränkt.
Hinter dem Vorschlag steht ein grundsätzlicher Streit über die Nutzung des knappen Blockspace. Befürworter wollen verhindern, dass dauerhaft gespeicherte Daten Nodes zusätzlich belasten und mit monetären Transaktionen konkurrieren. Kritiker fordern dagegen Neutralität gegenüber gültigen Transaktionen, sofern Nutzer die erforderlichen Gebühren zahlen.
Zu den Gegnern von BIP-110 gehört Strategy-Chairman Michael Saylor. Für ihn steht fest: “Bei Block 961.632 lehnen BIP-110-Nodes nicht signalisierende Blöcke ab. Wenn die großen Miner nicht umschwenken, läuft Bitcoin normal weiter, während BIP-110 ins Stocken gerät oder in die Bedeutungslosigkeit abzweigt”, schreibt er. Bislang eine zutreffende Prognose.
Auch Blockstream-CEO Adam Back sieht keinen ausreichenden Konsens. BIP-110 habe diesen nicht, weil die Idee technisch nicht funktioniere, erklärte er. Der Vorschlag hätte seiner Meinung nach keinesfalls die Zustimmung des Bitcoin-Erfinders bekommen, denn “Satoshi war nicht geistig zurückgeblieben“.
Neue Bitcoin Chain: Das bedeutet sie für Bitcoin-Halter
Ob die abgespaltene Chain bestehen bleibt, hängt davon ab, ob Miner weiterhin BIP-110 unterstützen. Der Vorschlag selbst erzeugt zudem keinen eigenständig gehandelten Vermögenswert. Die neuen Regeln können erst festgeschrieben werden, wenn die BIP-110-Chain Block 963.648 erreicht und damit die vorgesehene Signalisierungsphase abschließt.
Sollte die BIP-110-Chain tatsächlich so weit kommen, verfügen Inhaber mit eigenen privaten Schlüsseln zunächst auf beiden Blockchains über dieselbe Anzahl an Coins. Beide Chains teilen sich bis zur Abspaltung dieselbe Transaktionshistorie. Einen vergleichbaren Effekt gab es 2017 bei der Abspaltung von Bitcoin Cash. Ob die Coins auf einer möglichen BIP-110-Kette einen nennenswerten Wert hätten, ist allerdings fragwürdig.
