Wer Bitcoin ausgibt, überträgt häufig nicht den vollständigen Betrag eines zuvor erhaltenen Outputs. Der verbleibende Teil fließt als Wechselgeld zurück an den Absender. Je nach Berechnung kann dieser Rückfluss dennoch als weiterer Output in das Transfervolumen eingehen, obwohl kein Geld an eine andere Partei übertragen wurde.
Wie viel Kapital tatsächlich über die Bitcoin Blockchain übertragen wird, hängt deshalb stark von der verwendeten Messmethode ab. Forscher der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) kommen zu dem Ergebnis, dass Schätzungen des Onchain-Transfervolumens um das Sechsfache voneinander abweichen können.
Bitcoin-Bewertung bis zu 4-mal höher
“Kennzahlen wie Transaktionsvolumen, Marktkapitalisierung und Total Value Locked vermitteln häufig einen Grad an Genauigkeit, den die zugrunde liegenden Daten nicht hergeben”, schreiben die Forscher in ihrer Studie.
Auch bei der Marktkapitalisierung von Bitcoin zeigen sich erhebliche Unterschiede. Die konventionelle Berechnung lag laut Studie zeitweise bis zu viermal höher als die sogenannte Realized Capitalization. Bei dieser Methode wird jeder Bitcoin mit dem Kurs bewertet, zu dem er zuletzt bewegt wurde.
Ethereum und Stablecoins erschweren die Messung zusätzlich
Für ihre Untersuchung analysierten die BIS-Forscher 100 Milliarden Blockchain-Datensätze von Bitcoin, Ethereum und Tron. Die Schwierigkeiten beschränken sich demnach nicht nur auf Bitcoin. Bei Ethereum erschwert vor allem die große Zahl unterschiedlicher Smart Contracts die Auswertung. Von rund 67,5 Millionen untersuchten aktiven Smart Contracts konnten etwa 54 Millionen anhand der in der Studie verwendeten Kategorien nicht klassifiziert werden.
Auch Stablecoin-Daten lassen sich nicht ohne Weiteres über verschiedene Blockchains hinweg zusammenfassen. USDT auf Ethereum war in der Untersuchung stärker mit DeFi-Aktivitäten verbunden, auf Tron dagegen eher mit zahlungsähnlichen Anwendungen und der Nutzung als Wertspeicher. Besonders deutlich wird der Unterschied bei Smart Contracts: 2022 lagen mehr als 20 Prozent der USDT auf Ethereum in Smart Contracts, bei Tron waren es rund ein Prozent.
Eine Aggregation über mehrere Blockchains kann deshalb unterschiedliche Formen wirtschaftlicher Aktivität vermischen. Die BIS-Forscher bezeichnen Onchain-Indikatoren entsprechend als “unpräzise Näherungswerte und nicht als direkte Messgrößen wirtschaftlicher Aktivität”.
Obgleich die Daten laut der BIS-Studie neu bewertet werden müssen, hat sich die On-Chain-Analyse als veritables Tool für Investoren etabliert. So nutzt du das Tool für dein Trading.
