Teil 1 Bitcoin Cashflow: So erhöht man die Rendite auf sein digitales Gold

In seinem Gastbeitrag erklärt Pascal Hügli, warum er Bitcoin als produktiven Vermögenswert versteht – und wie man davon profitiert.

Pascal Hügli
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Bitcoin

Beitragsbild: Shutterstock

| Pascal Hügli versteht Bitcoin als produktiven Vermögenswert

2024 schreitet die Bitcoin-Akzeptanz weiter voran. Hinter verschlossener Tür fragen sich verschiedene Exponenten innerhalb der traditionellen Finanzwelt jedoch noch immer: Was genau ist Bitcoin? 

Genau genommen handelt es sich um das erste digitale Basisgeld der Menschheitsgeschichte. Bitcoin ist ein schuldenbefreites, aber digitales Inhaberinstrument wie Gold, dient zum Inflationsschutz und fungiert als Währungseinheit wie der US-Dollar. Zusammen bildet das ein solides Fundament, worauf ein mehrschichtiges Finanzsystem entstehen kann, das eine neue Bitcoin-basierte Wirtschaft unterstützt.

Anders als Fiatwährungen funktioniert Bitcoin nach einem transparenten Algorithmus, der eine nicht-diskretionären Geldpolitik durchsetzt. Das Kryptogeld ist auf 21 Millionen Bitcoin-Einheiten begrenzt. Es besitzt eine fest definierten Emissionslogik, nach der im Durchschnitt alle 10 Minuten neue Bitcoins geschürft werden. Für die allermeisten Bitcoin-Befürworter ist diese 21-Millionen-Grenze nicht verhandelbar, sondern unumstößlich mit Bitcoin verwoben. 

Bitcoin-Skepsis gegenüber Kredit

Folglich wird in der neuen Welt von Bitcoin das Konzept von Kredit und Hebelprodukten mit Skepsis betrachtet. Jede Art von Hebelwirkung, die letztlich mehr Ansprüche auf Bitcoin schafft, wird als Abweichung von Bitcoins sakrosankter Geldmengenbegrenzung angesehen. Das Schaffen von Bitcoin-basierten Kreditprodukten jeglicher Art wird oft mit dem Hinweis abgelehnt, dass es sich dabei doch vor allem um Auswüchse des Fiatsystems handelt.

Einige etwas nuanciertere Bitcoiner missbilligen Hebel nicht vollständig, bleiben jedoch skeptisch. Dabei folgen sie dem großen Geldökonomen Ludwig von Mises, einem bekannten Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie. In seinem Buch “Die Theorie des Geldes und des Kredits” legte er zwei grundlegende Arten von Krediten dar: Warenkredit und Umlaufkredit.

Nach von Mises ist Warenkredit ein Kredit, der auf der Grundlage realer Ersparnisse vergeben wird. Umlaufkredit hingegen ist ein Kredit, der nicht durch irgendwelche zugrunde liegenden Ersparnisse gedeckt ist. Solche Kreditforderungen werden in der Bitcoin-Community oftmals als ungedeckte IOUs (von „I owe you“) bezeichnet. Es sind diese durch Hebelwirkung geschaffenen „Papier-Bitcoins“, die Bitcoiner als wirtschaftlich instabil und somit problematisch betrachten.

Auch prominente Bitcoin-Persönlichkeiten wie Caitlin Long, ehemalige Wall Street-Veteranin und jetzige CEO der Custodia Bank, warnen vor den Gefahren der Hebelwirkung bei Bitcoin. Mit ihren prägnanten Worten “ein Narr und sein gehebelter Bitcoin sind bald getrennt” stellt sie ihren überzeugenden Standpunkt dar und die Ereignisse aus dem Jahr 2022 gaben ihr recht. 

Krypto-Kreditkrise von 2022

In diesem Jahr geriet der Krypto-Markt nämlich in eine Kreditkrise, die zahlreiche Akteure im Krypto-Kreditsektor wie Voyager, Three Arrows Capital, Celsius, BlockFi und schließlich FTX implodieren ließ. Entgegen den damals vorherrschenden Überzeugungen waren die meisten Krypto-Kreditaktivitäten nicht Peer-to-Peer und gingen mit erheblichen Gegenparteirisiken einher. Die Vermögenswerte von Kunden wurden direkt an diese Plattform verliehen und wurden von denselben dann in spekulative Strategien investierten, ohne dabei angemessenes Risikomanagement betrieben zu haben.

Was diese Krise ans Licht brachte, war eine Vielzahl von Problemen rundum zentralisierte Ertragsinstrumente. Seit diesen Ereignissen sieht sich auch die Bitcoin-Branche mit Bedenken hinsichtlich Transparenz und Vertrauen konfrontiert. Zu Recht wird die Frage nach Liquiditäts-, Markt- und Gegenparteirisiken gestellt.

Was uns diese Krise aber eigentlich gelehrt hat, ist, dass sich Blockchain-basierte „Bankdienstleistungen“, die zentralisiert sind und stark auf nicht Blockchain-basierten Risikomanagementprozessen bauen, nicht zwingend von traditionellen Banken unterscheiden müssen. Und das ist ein Problem.

So hat uns die Geschichte unseres traditionellen Banksystems gelernt, dass es in solchen Off-Chain-Systemen ohne angemessenes Risikomanagement immer wieder zu Betrugsfällen kommt. Dies liegt hauptsächlich daran, dass notwendige Kontrollen und Gegenmaßnahmen technisch nicht auf transparente und unabhängig überprüfbare Weise implementiert werden können, was dazu führt, dass ein Übermaß an Regulierung erforderlich ist.

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Bitcoin-basierte Renditeprodukte: Kein Weg führt daran vorbei

Mit all den schlechten Erinnerungen aus 2022 bleibt die unvermeidliche Frage in vielen Köpfen stecken: Sollte das Ökosystem Bitcoin-basierte Renditeprodukte annehmen, oder stellen sie ein zu großes Risiko dar und ähneln Merkmalen des Fiat-Systems? Während die Vorbehalte in der Tat berechtigt sind und die Frage vernünftig erscheint, ist es auch naiv zu glauben, dass Bitcoin-basierte Renditeprodukte aufhören werden zu existieren. 

In jeder gut funktionierenden Gesellschaft entsteht der natürliche Bedarf an Kredit und damit an Rendite. Tatsächlich ist Kredit eine Voraussetzung für eine wohlhabende Gesellschaft. In unterentwickelten Volkswirtschaften, wo ein Netzwerk von Kreditmöglichkeiten fehlt und die Verfügbarkeit langfristiger Kredite stark eingeschränkt ist, stecken die Menschen in den Fesseln einer Subsistenzwirtschaft fest, die hauptsächlich auf Landwirtschaft und direktem Konsum basiert. Erst wenn Kredite möglich sind, kann eine umfassendere, produktive Kapitalstruktur entstehen.

Um die Bitcoin-basierte Wirtschaft aufzubauen, von der viele Bitcoiner gleichwohl träumen, braucht das Bitcoin-Protokoll ein Kredit- und Ertragssystem, das darauf aufbaut. Die Realität bleibt: Ohne eine entsprechende Bitcoin-Wirtschaft, bleibt das volle Potenzial von Bitcoin als Geld unausgeschöpft. Dies unterstreicht die Notwendigkeit für Bitcoin-basierte Ertragsmechanismen, um die Entwicklung einer robusten, auf Bitcoin zentrierten Wirtschaft zu fördern. Ein solches Ökosystem würde sich auf Bitcoin als sein digitales Basisgeld stützen und Bitcoin-basierte Renditeprodukte würden die Adoption und Nutzung vorantreiben.

Im zweiten Teil dieses Artikels werden wir die verschiedenen Vertrauensaspekte präsentieren, die ein Bitcoin-basiertes Renditeprodukt im Kern ausmachen. Die Betrachtungsweise umfasst Konsens (Consensus), Vermögenswert (Asset) und Rendite (Yield). Wir werden zudem die am Markt beobachtbaren Implementierungsansätze systematisch nach diesen Kriterien analysieren und einordnen.

Über den Autoren

Dieser Artikel wurde von Pascal Hügli in Zusammenarbeit mit Brick Towers recherchiert und geschrieben. Hügli ist ein engagierter Bitcoin-Analyst und -Resarcher, der tief in alle Facetten des Bitcoin-Ökosystems eingetaucht ist. Als Analyst für den deutschsprachigen Newsletter Insight DeFi möchte er die breite Masse kompetent und prägnant über die Ereignisse und Chancen der neuen dezentralen Welt von Bitcoin und Co. informieren.

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