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Zeit für Plan C?Bitcoin bei 100.000 USD: Stock-to-Flow-Modell gescheitert?

Das wohl meistzitierte Preisprognosemodell für Bitcoin steht auf dem Prüfstand – nur nicht für den Schöpfer der Stock-to-Flow-Ratio.

Moritz Draht
 |  Lesezeit: 3 Minuten
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Papier im Mülleimer

Quelle: Shutterstock

“Ich werde das Stock-to-Flow-Modell für ungültig erklären, wenn wir bis Dezember dieses Jahres nicht 100.000 US-Dollar erreicht haben”. Das im Juni von PlanB, dem Urheber der an Bitcoin angepassten Stock to Flow (S2F) Ratio, auf Twitter gestellte Ultimatum, kommt jetzt wie ein Bumerang zurück. Das Jahr ist gerade zu Ende, und wo genau waren die 100.000 US-Dollar? Und was nützt überhaupt ein Modell, das wiederholt grandios gescheitert ist? Selbst das Rekordhoch bei rund 70.000 US-Dollar im November lag nicht einmal in der Nähe des von PlanB in Aussicht gestellten sechsstelligen Kursniveaus. Von der Dezember-Performance, in der Bitcoin auf 46.000 US-Dollar korrigierte, ganz zu schweigen. Das Stock-to-Flow-Modell ist fehlgeschlagen – könnte man meinen. Doch für PlanB läuft alles nach Plan.

Was ist das Stock-to-Flow-Modell?

Bitcoin ist ein knappes Gut. Nur 21 Millionen Bitcoin werden jemals existieren. Aktuell sind über 18,9 Millionen BTC im Umlauf, knapp über 90 Prozent aller Bitcoin sind bereits geminet. Erst 2140 dürfte aber der letzte Bitcoin “geschürft” sein. Das liegt daran, dass sich die Blockbelohnung für Miner alle 210.000 Blöcke – ungefähr alle vier Jahre – halbiert und den Schürfprozess entsprechend lange hinauszögert. 2009 erhielten Miner noch 50 Bitcoin für die Blockerzeugung, seit dem letzten Halving im Mai 2020 sind es 6,25 Bitcoin. Die Inflationsrate sinkt durch das zyklisch stattfindende Halving also kontinuierlich ab.

Das Stock to Flow Modell oder auch die Stock to Flow Ratio beschreibt die Knappheit eines Assets anhand der bereits erreichten Umlaufmenge – den Stock – zuzüglich zur jährlich neu hinzukommenden Umlaufmenge – den Flow. Je höher das Stock-to-Flow-Verhältnis, desto seltener das Gut. Ursprünglich für die Bewertung von Rohstoffen wie Gold oder Silber angewandt, hat PlanB, der seinen richtigen Namen nie veröffentlicht hat, das Modell auf Bitcoin angepasst. Durch die sukzessive Drosselung der neuen Umlaufmenge durch die Halvings steigt die Stock to Flow Ratio konstant an. Die Kernthese des 2019 eingeführten Bitcoin S2F-Modells, das einen statistischen Zusammenhang zwischen Verknappung und Kursentwicklung herstellt, lautet also: Bitcoin wird seltener und die Drosselung durch Halvings zum wesentlichen Kurstreiber.

Bitcoin ist unberechenbar

Die Beliebtheit des Modells erklärt sich durch seine bullishen Aussichten: Dem Modell nach steigt der Bitcoin-Kurs im Juli 2025 auf eine Million US-Dollar. Musik in den Ohren aller Bitcoin-Hodler – würde die Realität nicht einen Strich durch die Rechnung machen. Schon 2019 griff PlanB ordentlich daneben. Für die Post-Halving-Phase im Mai 2020 attestierte der Trader eine Steigerung auf 55.000 US-Dollar. Knapp daneben: Bitcoin fiel eher in die Post-Halving-Depression und mühte sich monatelang an der 10.000er Marke ab.

Das Modell ist offensichtlich fehlerhaft. Ereignisse wie das Mining-Verbot in China oder Elon Musks Kritik am Energieverbrauch, die den BTC-Kurs dieses Jahr ordentlich in die Mangel genommen haben, kann das S2F-Modell nicht vorhersagen. Zwar lässt es einigen Spielraum offen. Mit der Aussage, dass das Modell ungültig sei, wenn Bitcoin im Dezember nicht auf 100.000 US-Dollar stiege, hat PlanB der Preisprognose höchstselbst aber eigentlich die Gültigkeit abgesprochen.

PlanB: Modell ist intakt

Eigentlich. Denn im Dezember ruderte PlanB zurück. Einem Tweet zufolge sei das Modell nach wie vor intakt. “Entscheidend ist, dass BTC bei 51.000 US-Dollar immer noch innerhalb einer Standardabweichung des S2F-Modells liegt (etwa 50.000-200.000 US-Dollar). Wenn BTC in den nächsten 2,5 Jahren innerhalb des 1sd-Bandes bleibt, dann ist das S2F-Modell immer noch gültig und für mich sogar nützlich”. Wie nützlich allerdings ein Modell ist, dass innerhalb einer Preisspanne von 150.000 US-Dollar intakt bleibt, sei dahingestellt.

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