Mit Orange Juice startet in den USA eine neue Beteiligungsgesellschaft, die mittelständische Unternehmen mit einer Bitcoin-Treasury verbinden will. Für den Aufbau der Holding wurden nach eigenen Angaben 40 Millionen US-Dollar eingesammelt. Gegründet wurde die Firma unter anderem von Partnern der Bitcoin-VC-Gesellschaft Ego Death Capital, darunter Jeff Booth, Lyn Alden, Nico Lechuga und Andi Pitt, sowie Adrian Steckel und dem operativen Partner Ruben Zweiban.
Als Ankerinvestor beteiligt sich der mexikanische Unternehmer und Bitcoin-Befürworter Ricardo Salinas. Orange Juice will zunächst US-Unternehmen übernehmen, die jährlich zwischen einer Million und zehn Millionen US-Dollar Cashflow erwirtschaften.
Kein Private-Equity-Fonds
Das Unternehmen übernimmt profitable kleine und mittelgroße Betriebe und unterstützt sie bei operativen Verbesserungen. Dabei sollen unter anderem Prozesse effizienter gestaltet und unnötige Kosten reduziert werden. Marken und Kundenbeziehungen der Unternehmen sollen jedoch weitgehend erhalten bleiben.
Der wichtigste Unterschied zu klassischen Private-Equity-Fonds liegt im Anlagehorizont. Während PE-Fonds ihre Beteiligungen in der Regel nach vier bis sieben Jahren wieder verkaufen, ist Orange Juice als permanente Kapitalgesellschaft konzipiert. Die übernommenen Unternehmen sollen also langfristig im Besitz der Holding bleiben und nicht etwa auf einen schnellen Weiterverkauf vorbereitet werden.
Cashflows sollen Bitcoin-Reserve finanzieren
Die Gewinne der übernommenen Unternehmen fließen zunächst an die Holding Orange Juice. Dort sollen sie für weitere Akquisitionen, betriebliche Investitionen oder den Aufbau des Bitcoin-Bestands verwendet werden. Neues Fremd- oder Eigenkapital soll nicht dauerhaft notwendig sein, sondern nur dann eingesetzt werden, wenn sich attraktive Möglichkeiten ergeben.
Damit unterscheidet sich das Modell von klassischen Bitcoin-Treasury-Unternehmen wie Strategy, die kaum operative Einnahmen erzielen und für weitere Bitcoin-Käufe regelmäßig neue Aktien oder Schulden ausgeben müssen. Orange Juice setzt stattdessen auf eine diversifizierte Basis profitabler Unternehmen, deren Gewinne die Treasury langfristig speisen sollen.
Lyn Alden beschreibt das Konzept als Alternative zu stark fremdfinanzierten Übernahmen: “Unternehmen, die aus Private-Equity-Fonds hervorgehen, weisen überdurchschnittlich hohe Ausfallraten auf, weil sie tendenziell stark verschuldet werden.” Weiter schreibt sie: “Als Alternative wollen wir die Unternehmen, die wir kaufen, tatsächlich besitzen, ihren Charakter bewahren und sie mit einer soliden Bilanz unterstützen.” Auch Ankerinvestor Ricardo Salinas betont den monetären Ansatz: “Cashflow ist König, und man kann sich nicht darauf verlassen, dass Regierungen den Wert des eigenen Geldes schützen.”
Kommt der Gang an die Börse?
Orange Juice richtet sich vor allem an US-Unternehmer, die im Zuge eines Generationswechsels ihre Nachfolge regeln, ihr Vermögen diversifizieren oder sich schrittweise aus dem Tagesgeschäft zurückziehen möchten. Für diese Zielgruppe könnte ein langfristiger Eigentümer attraktiver sein als ein Investor, der bereits beim Kauf einen späteren Weiterverkauf einplant.
Das Modell bringt allerdings auch Risiken mit sich, denn starke Bitcoin-Kursgewinne könnten die Bilanz der Holding stärken, während deutliche Kursverluste den Wert der Treasury belasten würden. Außerdem muss Orange Juice erst beweisen, dass sich mehrere unterschiedliche Unternehmen dauerhaft effizient führen lassen, ohne ihre Eigenständigkeit und Unternehmenskultur zu beschädigen.
Langfristig plant Orange Juice einen Börsengang. Dieser soll den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern und die eigenen Aktien als Übernahmewährung nutzbar machen. Geht die Strategie auf, könnte daraus eine neue Variante des Bitcoin-Treasury-Modells entstehen: eine Holding, deren Bitcoin-Bestand aus den Gewinnen realer und profitabler Unternehmen wächst – und nicht aus der Finanzmarktalchemie eines Michael Saylor.
