Allein auf weiter Flur Banco Santander: Der treue Partner an Ripples Seite?
Daniel Hoppmann

von Daniel Hoppmann

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Das Logo der Santander Bank auf einer roten Tafel vor einer Gebäudefassade.

Quelle: Shutterstock

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Während sich ein Partner nach dem anderen von Ripple lossagt, bleibt Santander treu an der Seite des FinTechs. Doch wird das so bleiben?

Der Rechtsstreit zwischen der Securities and Exchange Commission (SEC) und dem Krypto-Start-up Ripple ist aktuell wohl die “Neverending Story” des Krypto-Space. Fast täglich dringen neue Details an die Öffentlichkeit. Mal zugunsten Ripples, oftmals jedoch eher zu dessen Ungunsten. Zur Erinnerung: Die SEC erhob im vergangenen Dezember Anklage gegen das Start-up aus San Francisco. Der Vorwurf: Die hauseigene Kryptowährung XRP sei laut der Behörde ein sogenannter Security-Token und hätte damit vor Verkaufsbeginn bei der Börsenaufsicht registriert werden müssen. Da dies nicht geschah, ist die SEC der Auffassung, dass Ripple mit unregistrierten Wertpapieren handelt und fordert eine Strafzahlung in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar. Damit war der Grundstein für das darauffolgende Krypto-Drama gelegt und die damit ausgelöste Kettenreaktion ließ nicht lange auf sich warten. 


Partnerschaftsauflösungen, Investitionsrückforderungen und schließlich auch Entfernungen der XRP-Handelspaare an diversen Krypto-Börsen in den USA waren die Folge. Erst vor Kurzem ging beispielsweise der Finanzdienstleister MoneyGram auf Distanz zum kalifornischen FinTech. Ein Partner bleibt dem Start-up jedoch bislang treu – die Banco Santander. Die spanische Universalbank ist nach Marktkapitalisierung eines der größten europäischen Finanzhäuser. 

Partnerschaft soll Transaktionen beschleunigen

Im Juli verkündete das Unternehmen eine Partnerschaft mit Ripple Labs, um seine eigene Mobile Payment App “One Pay FX”zu launchen. Dafür setzt Santander auf “xCurrent”, ein Zahlungsnachrichtensystem von Ripple für die Abwicklung von Fiat-to-Fiat-Transaktionen in Echtzeit, indem es Nachrichten zur Klärung und Überprüfung von Transaktionsdetails verwendet. Damals sagte Santander CTO Ed Metzger zu der Kooperation:

Als uns unsere Kunden darauf hinwiesen, dass der internationale Zahlungsverkehr besser sein könnte, haben wir uns mit Ripple zusammengeschlossen, zu erforschen, wie Blockchain Transaktionen schneller, billiger und transparenter machen könnte.

Ed Metzger, CTO Santander, Juli 2020

Doch wie sieht die Bank diese Partnerschaft heute? Würde das Unternehmen weiter an einer Kooperation festhalten, auch wenn es zu einer Verurteilung Ripples kommen würde? BTC-ECHO bat um Stellungnahme. Eine Einschätzung des Rechtsstreits als auch zu möglichen Auswirkungen auf die Kooperation gab Santander nicht ab, auch zu einer möglichen Zukunft von Kryptowährungen im Bankensektor hüllte sich die Bank in Schweigen. Und dass, obwohl das spanische Finanzinstitut laut eigener Aussage “an der Spitze der Verschmelzung von Finanzen und Technologie stehenmöchte.


Diese Optionen hat Santander

Es gilt als wahrscheinlich, dass Santander zunächst an der Partnerschaft festhalten wird, da die gesamte Infrastruktur von One Pay FX auf dem Zahlungssystem von Ripple beruht. Demnach müsste die App bei einer Auflösung der Kooperation eine eigene Lösung finden, um internationale Zahlungen schnell und sicher abzuwickeln. Das könnte Monate in Anspruch nehmen. Von diesem Standpunkt aus wäre eine Kündigung also eher kontraproduktiv.

Mittlerweile geht es in dem Rechtsstreit jedoch nicht nur um die Frage, ob XRP tatsächlich unter das Wertpapiergesetz der USA fällt. Die SEC ermittelt auch direkt gegen die Gründer Garlinghouse und Larsen. Der Vorwurf: Eine mögliche Bereicherung an XRP-Verkäufen. Ende März sorgte eine Nachricht für Verwirrung, als bekannt wurde, dass Mitgründer Jed McCaleb, der selber nicht angeklagt ist, Riesenbeträge an XRP liquidiert hatte. Insgesamt verkaufte er 222,7 Millionen XRP. Das erscheint im Zusammenhang der laufenden Untersuchungen gegen die anderen Gründer etwas seltsam. 

Allgemein ist der Ausgang des Rechtsstreits für Santander entscheidend. Erfolgt ein Freispruch, sind die logischen Konsequenzen denkbar. Anders sieht es bei einer Verurteilung aus. Hier dürften für den Fortbestand der Partnerschaft die Anklagepunkte ausschlaggebend sein. Sollte Ripple ein Verstoß gegen das Wertpapiergesetz nachgewiesen werden, dürfte dies kaum Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Santander haben. Anders sähe es aus, wenn einer der Mitgründer wegen Veruntreuung verurteilt werden würde. Der dadurch entstandene Vertrauensbruch mit der bislang treuen XRP-Community könnte einen regelrechten Shitstorm gegen das Unternehmen entfachen. Santander müsste sich dann die Frage stellen, ob eine weitere Kooperation für das eigene Unternehmensimage sinnvoll wäre.

Wenngleich es sich bei diesen Szenarien natürlich nur um reine Spekulationen handelt, dürfte Santander den Rechtsstreit mit Argusaugen verfolgen. Momentan hält sich das Unternehmen mit Kommentaren bedeckt. Die Bank wird wohl den Ausgang des rechtlichen Disputs abwarten müssen, bevor sie sich aktiv mit diesen Fragen beschäftigt.


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