5 bis 10 Jahre Mobilfunkstandard 5G: Der Gamechanger für Blockchain-Anwendungen?

Während Banken und Finanzinstitutionen durch Token-Infrastrukturen auf den Kopf gestellt werden, sieht es in anderen Sektoren bislang eher mau aus. Warum es die Blockchain-Technologie noch nicht geschafft hat, andere Branchen zu erobern und warum der Mobilfunkstandard 5G genau dies ändern könnte.

Sven Wagenknecht
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Wenn man über die Blockchain-Technologie stolpert, dann findet sich in 90 Prozent der Fälle ein Anwendungsfall, der sich um den Finanzsektor dreht. Ganz gleich, ob es um den Bitcoin-Kurs, neue DeFi-Anwendungen oder die Tokenisierung von Wertpapieren geht. Industrie-Blockchain-Anwendungen für beispielsweise den Automobil- oder Logistiksektor sind gegenwärtig vor allem eines: ein großes Pilotprojekt. Schnell kann hier der Eindruck entstehen, dass die Blockchain-Technologie es fernab der Finanzindustrie nicht schafft, einen nennenswerten Nutzen zu stiften.

Der Sprung ins kalte Becken

Der Mehrwert der Blockchain-Technologie für die Industrie besteht primär darin, dass sie den potenziell machbaren Austausch zwischen unterschiedlichen Unternehmen und deren Softwareprogrammen sowie Maschinen erhöht. Blockchain-Anwendungen sind vor allem Anwendungen für den “Außeneinsatz”, wo man das gewohnte Terrain verlässt und die Unsicherheit groß ist.

Es wird eine Infrastruktur geschaffen, auf der man Daten und Werte austauscht, die man sonst nur über zwischengeschaltete Mittelsmänner transferieren und abwickeln lassen würde. Durch die Umgehung dieser zentralen Flaschenhälse lässt sich wiederum der technologische Automatisierungsgrad erhöhen und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Dies hört sich auf den ersten Blick interessant an, verlangt aber auch enorme Voraussetzungen, die aktuell nur schwer abbildbar sind.

Blockchain ist kein Selbstzweck

Selbst wenn man als Unternehmen die Bereitschaft zeigt, Transaktionen über eine dezentrale Smart-Contract-Infrastruktur abzuwickeln, anstatt über gewohnte Dienstleister, hakt es oftmals noch an der Wirtschaftlichkeit und den notwendigen Schnittstellen. Dezentrale Organisationsformen erhöhen das Komplexitätslevel, während Mittelsmänner Komplexität herausnehmen können.

Um mit dieser Komplexität umgehen zu können, bedarf es smarter Software-Programme und internetfähiger Endgeräte. Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge sind dabei Schlüsseltechnologien, um Blockchain-Anwendungen überhaupt in der Industrie sinnvoll einsetzbar zu machen.

Wenn es beispielsweise an internetfähigen Sensoren im Frachtraum fehlt, die die Kühltemperatur tracken und an eine Blockchain senden, die wiederum bei Unterschreitung der Kühlkette eine vertraglich festgelegte Bedingung auslöst, dann bringt eine Blockchain-Lösung nur bedingt einen Vorteil. Auch wenn am Hafen, wo die Waren oder Container umgeschlagen werden, noch mit papierhaften Frachtpapieren und Fax-Geräten gearbeitet wird, wird es schwierig, eine Handelsabwicklung via Blockchain-Technologie zu ermöglichen.

Autos brauchen noch keine Hardware Wallet

Gleiches gilt für den Mobility-Sektor, wo es aktuell noch wenig Sinn ergibt, Car Wallets in Autos zu verbauen, wie es Daimler oder Porsche in ihren Pilottests gemeinsam mit dem Blockchain Start-up Riddle & Code machen. Auch die Daimler-Blockchain-Lösung “Welcome Home” auf Basis der Ontology Blockchain ist noch nicht kommerziell ausgerollt.

Viele Blockchain-Anwendungen sind dem Digitalisierungsgrad unserer Wirtschaft mehrere Jahre voraus. Die Transaktionen, die auf einer Blockchain verarbeitet werden sollen, finden noch nicht in der Praxis statt. Der Einsatz von beispielsweise Drohnen und Robotern sowie das autonome Fahren werden zweifelsfrei in diesem Jahrzehnt vieles auf den Kopf stellen. Gegenwärtig befinden wir uns hier aber immer noch am Anfang: Viel Theorie, viele Pilottests und wenig kommerzielle Anwendungen.

Grüner Strom und Blockchain-Anwendungen

Wenn sich eine Branche dezentral und durch KI-Software bedingt autonom aufstellt, dann bedarf es gleichermaßen auch dezentraler und in Teilen autonomer Infrastrukturen, die als Grundlage für die stattfindenden Transaktionen dienen. Ein konkretes Beispiel liefert der Energiesektor, der durch regenerative Energien eine Dezentralisierung erfährt.

Anstatt dabei nur die Ebene der Erzeugung dezentral zu gestalten, könnte man auch den Handel dezentralisieren. Anstatt sich als Besitzer einer Solaranlage mit der Einspeisevergütung des Stromkonzernes zufriedengeben zu müssen, könnte der Strom via Smart-Contract-Infrastruktur frei – beispielsweise an den Nachbarn nebenan – verkauft werden.

Der Prosumer – Verbraucher und Produzent in einem – wird selbst zum Händler. Was für die Stromproduktion gilt, gilt auch für unsere Daten. Wenn wir mit dem Auto fahren, können wir Daten sammeln, die wir wie den Strom weiterverkaufen.

Gamechanger 5G

Einen entscheidenden Beitrag zur Etablierung dezentraler Strukturen dürfte die 5G-Netzwerktechnologie leisten. Der Datenaustausch soll um den Faktor 20 und mehr schneller sein als beim 4G-Standard. So soll es möglich sein, mehr Daten bei geringerem Energieverbrauch zu transferieren. Davon profitieren vor allem neue Geschäftsmodelle und Technologie-Anwendungen, die auf die Interkonnektivität zwischen Endgeräten aufsetzen.

Neben dem Echtzeit-Streaming von Games oder VR-Anwendungen, stellen autonome Fahrzeuge ein beliebtes Beispiel dar. Mithilfe von 5G kann man gegenwärtig bestehende Hürden nehmen, um den Austausch von autonomen Fahrzeugen untereinander oder mit anderen Endgeräten zu ermöglichen. Letztlich kann so ziemlich alles von 5G profitieren, das dem Internet der Dinge zugeordnet werden kann. 

Mehr Vernetzung, mehr Blockchain

Je höher der Vernetzungsgrad bei Smart Home, Smart Mobility, Smart Energy et cetera, desto eher bedarf es wiederum einer dezentralen Smart-Contract-Infrastruktur, um automatisierte Prozesse sowie Transaktionen abzuwickeln und aufzuzeichnen. Ein einzelner Mittelsmann stößt dabei schnell an seine Grenzen. Zumal die Sicherheitsrisiken mit steigender Komplexität zunehmen – siehe Single-Point-of-Failure.

Nützt die 5G-Technologie der Blockchain-Technologie unmittelbar? Nein. Dennoch trägt sie zum Ausbau von dem Internet der Dinge bei, dessen Transaktionen immer stärker auch die “Werteebenen” umfassen. Ebenjene Smart Contracts können dann wiederum über Blockchain-Infrastrukturen abgewickelt werden. Blockchain ist also nur ein indirekter Profiteur der 5G-Netzwerktechnologie.

Blockchain-Infrastrukturen bald Industriestandard?

Bis es so weit ist, dass Blockchain-Technologie auch außerhalb des Finanzsektors zu signifikanten Veränderungen innerhalb einzelner Branchen führt, werden sicherlich noch fünf bis zehn Jahre vergehen. Diese Einschätzung wird auch vom Gartner Hype Cycle for Blockchain Technologies geteilt, der ein Plateau von IoT-Blockchain-Anwendungen erst in fünf bis zehn Jahren sieht.

Ohne einen höheren Digitalisierungsgrad in Wirtschaft und Verwaltung, wird auch die Blockchain-Technologie nur schwer den Weg in die Praxis finden. Bis unsere Fahrzeuge als Node fungieren und Transaktionen via Car Wallet in einem Blockchain-Netzwerk abwickeln, wird es noch etwas dauern. Bis dahin wird der durch Blockchain ausgelöste Strukturwandel primär den Finanzsektor betreffen. Vorher ist nur vereinzelt mit Blockchain-Industrie-Anwendungen zu rechnen, die auch das kommerzielle Einsatzstadium erreichen.

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