Matthias Henkert von SAP im Interview: „Von Hyperledger halte ich besonders viel“

Quelle: Matthias Henkert

Matthias Henkert von SAP im Interview: „Von Hyperledger halte ich besonders viel“

Matthias Henker arbeitet seit über elf Jahren bei SAP und berät Banken bei der Umsetzung neuer IT-Infrastrukturen. Darüber hinaus ist er als Experte beim Blocktech.Institute tätig. Immer öfter stellt sich dabei die Frage, wie die Blockchain-Technologie sinnvoll eingesetzt werden kann. Welche Blockchain-Projekte aktuell im Fokus bei SAP stehen, ob Facebook bald auch ins Bankengeschäft eindringt und inwiefern er das Thema Skalierung als einen Hemmschuh in der Blockchain-Adaption sieht, hat uns Matthias Henkert im Interview verraten.

BTC-ECHO: Viele der großen Tech-Unternehmen entwickeln eigene Blockchain-Lösungen. Wie sieht es bei SAP aus, wie ist euer Zugang zu diesem Thema?

Matthias Henkert: Grundsätzlich sieht unsere Strategie nicht die Entwicklung einer eigenen Blockchain vor. Aber wir schauen uns um, was es auf dem Markt gibt. Insbesondere Hyperledger Fabric, Multichain und Quorum stehen in unserem Fokus. Von Hyperledger halte ich besonders viel. Da sind wir seit einem frühen Stadium dabei und sogar Premium Member. Im Bereich Enterprise Blockchains ist das wohl das vielversprechendste Projekt. Aus Kundensicht ist das völlig durchmischt. Wir haben uns unter anderem Ripple angeschaut. Im Moment liegt der Schwerpunkt aber auf Hyperledger.

BTC-ECHO: Aus nachvollziehbaren Gründen sind die Blockchain-Lösungen für Unternehmen grundsätzlich nicht öffentlich und genehmigungsfrei. Siehst du dennoch Ansätze, bei der auch öffentliche Blockchain-Lösungen bei Banken zum Einsatz kommen können?

Matthias Henkert: Das kommt ganz auf das konkrete Szenario an. Bei deutschen Banken ist zum Beispiel der Datenschutz ein großes Thema. Mit öffentlichen Blockchains haben diese Unternehmen dementsprechend große Probleme. Der Fokus liegt zudem weniger auf möglichen Zahlungsabwicklungen via Blockchain, als mehr auf der Entwicklung neuer Geschäfts- und Kooperationsmodelle. Die Arbeit in Konsortien ist da aktuell deutlich relevanter, als Blockchains mit eigenen Kryptowährungen zur Zahlungsabwicklung zu entwickeln.

BTC-ECHO: Wie ist deine Einschätzung zum SWIFT-Herausforderer Ripple? Wie hoch ist hier das Interesse der Banken?

Matthias Henkert: Ehrlich gesagt sehe ich Ripple derzeit nicht als eine wirkliche Alternative. Für Banken ist das kaum ein Thema, einfach weil alle im SWIFT-System sind und das aktuell der internationale Standard ist. Momentan fehlt hier noch der Anreiz für das Gros der Banken, weshalb Ripple nur von einigen Wenigen getestet wird.

BTC-ECHO: Nun drängen immer stärker die Schwergewichte aus dem Silicon Valley in den Finanzdienstleistungssektor. Facebook arbeitet aktuell sogar an einer eigenen Kryptowährung. Wird die Blockchain-Technologie deiner Meinung nach ein Werkzeug sein, um den traditionellen Banken Konkurrenz zu machen?

Matthias Henkert: Dafür muss man sich anschauen, wie Banken Geld verdienen. Aufgrund der Niedrigzinssituation lässt sich mit dem klassischen Bankgeschäft kaum noch Geld verdienen. Banken verdienen vor allem im Kreditwesen ihr Geld. An der Zinssituation kann auch die Blockchain-Technologie nichts ändern. Allerdings schaffen es viele Finanzdienstleister der neuen Generation, schlankere und kostengünstigere Strukturen aufzubauen.

Bezüglich eigener Zahlungsmittel in Form von Kryptowährungen könnte ich mir schon vorstellen, dass hier Apple, Facebook und Amazon zukünftig Lösungen anbieten werden. Persönlich finde ich das sehr interessant. Aber Facebook macht so etwas ja nicht aus Altruismus; das ist eher ein Vehikel, um ihre Dienstleistungen weiter vertreiben und ihre Kunden besser bedienen können.

BTC-ECHO: Bei privaten Blockchain-Lösungen wiegen die Skalierungsprobleme nicht so schwer wie beispielsweise bei Bitcoin und Ethereum. Siehst du hier dennoch zu große Defizite gegenüber vollkommen zentralen Rechnerstrukturen?

Matthias Henkert: Skalierung war bisher kein Grund, eine Blockchain-Lösung nicht zu implementieren. Allerdings muss man schon sagen, dass man in Sachen Geschwindigkeit und Kapazität gegenüber klassischen Datenbanken Einbußen hat. Der Benefit, den es an anderer Stelle gibt, wiegt das grundsätzlich aber auf.

Blockchain-Lösungen wie Hyperledger basieren eben nicht auf Mining, sondern auf einer Konsortial-Basis. Da hast du relativ wenige Teilnehmer im Vergleich zu öffentlichen Blockchains. Von daher stellt sich das Thema Skalierung nicht so sehr. Es geht eher darum, Daten sicher auszutauschen, als eine sehr schnelle Transaktionsgeschwindigkeit zu erreichen.

Gerade, wenn es um die Zusammenarbeit von Banken untereinander geht, bieten derartige Blockchain-Lösungen enorme Vorteile. Trotz unterschiedlicher IT-Infrastrukturen, können so Banken einfach Informationen und Assets untereinander austauschen. Dadurch werden neue Geschäftsmodelle und/oder gar Fusionen denkbar, die vorher nicht wirtschaftlich darstellbar gewesen wären. Auch die Möglichkeit, zusätzliche Daten zu generieren, spielt hier positiv mit hinein.

BTC-ECHO: Die Investmentbank J.P. Morgan besitzt mit Quorum eine eigene Blockchain. Neuerdings hat sie auch eine eigene Kryptowährung in Form eines Stable Coins herausgebracht. Ein Modell, dem andere Institute nacheifern werden?

Matthias Henkert: Das habe ich bei meinen Kunden bisher so noch nicht wahrgenommen. Das Thema ist aber trotzdem präsent. Oft fragt man uns bei Ausschreibungen schon, wie SAP mit Kryptowährungen umgehen kann. Bei uns ist das im Prinzip egal, ob wir mit Bitcoin, Ether oder US-Dollar bezahlen. Ich halte es allerdings nicht für sinnvoll, wenn jetzt jede Bank anfängt, ihren eigenen Coin herauszugeben. Bei einer bankenübergreifenden, konsortialen Kryptowährung sehe das hingegen schon anders aus.

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