Reportage Lisk: Der holprige Weg zum fertigen Produkt

Dana Hajek

von Dana Hajek

Am · Lesezeit: 9 Minuten

Dana Hajek

Dana absolviert ihr Masterstudium in Journalismus, Medien und Globalisierung an der City University in London. Sie ist überzeugt, dass Blockchains ein gewaltiges Nutzungs- und Transformationspotenzial aufweisen und in nur wenigen Jahren die Welt auf den Kopf stellen werden.

Lisk

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Vor einigen Jahren war Lisk noch ein Star in der Branche. Doch heute hört man wenig von dem einst so gefeierten Blockchain-Unternehmen. Die Community misstraute den Gründern und ihren großen Plänen. Nun entdeckt sich die Plattform neu. BTC-ECHO war zu Besuch im Lisk-Büro in Berlin.

Diese Reportage erschien zuerst in der Juli-Ausgabe des Kryptokompass. Für weitere exklusive Einblicke in das deutsche und internationale Blokchain-Ökosystem geht es hier entlang.

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Es ist still geworden im Großraumbüro von Lisk am Potsdamer Platz. Ausgestorbene Arbeitsräume, leergefegte Schreibtische. Ein einziger Mitarbeiter sitzt mit ausgezogenen Schuhen an seinem Platz. „Corona hat den Arbeitsalltag auf den Kopf gestellt“, sagt Firmengründer Max Kordek bei einer kleinen Führung durch die WeWork-Räumlichkeiten. Er verlagerte seinen Mitarbeiterstab in ihre heimischen vier Wände. Doch die Befürchtung, dass im Homeoffice weniger gearbeitet würde als im Büro, habe sich entgegen seiner Vermutung als falsch erwiesen. „Die Entwickler rasten gerade richtig aus“, sagt Kordek. „Sie machen verdammt gute Arbeit.“

Sie müssen jedoch auch einiges leisten. Für die nächsten Monate sind einige Software-Entwicklungen anvisiert. Das Ziel für dieses Jahr ist es, „auf die Tube zu drücken“, scherzt der 28-jährige Firmengründer.

Lisk war 2016 eines der fulminantesten Initial Coin Offering (ICO) der deutschen Krypto-Industrie. Kordek war damals gerade einmal 24 Jahre alt.

Das von Max Kordek und Oliver Beddows gegründete Unternehmen Lisk war 2016 eines der fulminantesten Initial Coin Offering (ICO) der deutschen Krypto-Industrie. Kordek war damals gerade einmal 24 Jahre alt – er hatte sein Elektrotechnik-Studium nach sechs Semestern abgebrochen, seinen Job beim Start-up Crypti gekündigt, um danach mit Lisk über Nacht zum Star der deutschen Krypto-Szene zu werden.

Eine App „for the people”

Mit „Lisk is for the people!“ zelebrierte Kordek damals seine Open Source–Plattform mit Milliardenbewertung. Sein Vorhaben, eine aktive Community zu bilden, und mit JavaScript und sogenannten Sidechains möglichst viele Entwickler zur Blockchain–Technologie zu bringen, prophezeiten viele Investoren als marktverändernd.

„Alle hatten Millionen in Krypto. Jeder war Millionär. Jeder hatte Geld“

Es folgten überschwängliche Veranstaltungen, schillernde Auftritte, Preise, sensationelle Berichterstattung, Interviews, Werbung und Exchange Listings. „Alle hatten Millionen in Krypto. Jeder war Millionär. Jeder hatte Geld,“ blickt Kordek zurück. „Das war alles total abgehoben.“  Im Januar 2017 stellten Kordek und Beddows ihren ersten Mitarbeiter ein, skalierten das Team auf insgesamt 60 Mitarbeiter hoch. Vielversprechende Ergebnisse blieben allerdings aus. Die steile Erfolgsgeschichte von Lisk bekam die ersten Risse.

Wie alles begann

Dabei fing alles doch so gut an. Während seines Elektrotechnik-Studiums an der RWTH Aachen beschäftigte sich Kordek bereits viel mit Bitcoin und Kryptowährungen – und bahnte sich letztendlich seinen Weg in die Blockchain-Welt. „Ich wollte schon immer etwas in den Bereichen Elektrotechnik, Informatik oder Investment machen,” sagt er. Bei der Blockchain–Technologie überschneiden sich genau diese drei Themenbereiche.

Nach einiger Zeit wurde er auf das Projekt namens Crypti aufmerksam. „Die Kernidee war, dass man ein Blockchain-Ökosystem entwirft, in dem dApps auf Sidechains laufen”, sagt er. Bei einem Sidechain-Ökosystem bekommt jede dApp ihre eigene Chain. Die Sidechains sollen dann über Interblockchain Communication mit der Mainchain und untereinander verbunden werden. „Die Idee fand ich grandios – leider brachte das ICO zu wenig ein, um diese große Vision zu erreichen,“ erklärt er. Das Projekt wurde deshalb nach zwei Jahren auf Eis gelegt. Doch gleichzeitig wurde der Grundstein für Lisk gelegt.

Mit Social Media zum Siegeszug ausholen

„Die Idee, dezentrale Applikationen auf Sidechains laufen zu lassen, ließ mich nicht mehr los,” erklärt Kordek. 2016 pausiert er sein Studium und forkte gemeinsam mit Oliver Beddows, dem Co-Founder von Lisk, den Code von Crypti und schuf daraus Lisk. Zu diesem Zeitpunkt hatten Kordek und Beddows sich nur virtuell kennengelernt. Der eine saß in Aachen, der andere im britischen Birmingham.

Sie überarbeiteten und aktualisierten die Software und verpassten dem Ganzen ein neues Design. In Verbindung mit cleverem Marketing auf allen Kanälen begann damit der Siegeszug von Lisk. So waren es wohl vor allem der professionelle Auftritt und die Vision, die das Projekt pushten.

ICO: Lisk sammelt 14.000 BTC

Die Neuerfindung von Crypti war ein voller Erfolg. Kordek und Beddows erhielten für ihr ICO 14.000 Bitcoin mit einem damaligen Gegenwert von etwa fünf Millionen Euro. 2018 verfügte Lisk nach eigenen Angaben dann über ein Vermögen von umgerechnet mehr als 200 Millionen Euro. Der Lisk Token hatte zu diesem Zeitpunkt eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde US–Dollar.

Kordek und Beddows erhielten für ihr ICO 14.000 Bitcoin mit einem damaligen Gegenwert von etwa fünf Millionen Euro.

Doch das große Ziel, eine Blockchain–Plattform zu bauen, auf der dezentrale Apps auf Sidechains laufen, wartete seit geraumer Zeit auf die Fertigstellung. Während die Community auf die Sidechains hoffte, flaute der große Hype allmählich ab. Von den anfänglichen Projekten der Community hörte man nicht mehr viel. Viel Werbung und dann nicht geliefert, könnte man meinen.

Lisk lernt die Lektionen des Lebens

Mittlerweile erkennt der 28-jährige Aachener rückblickend Dinge, die er hätte anders machen können. „Wir sind damals in den Hype reingeraten. Das war wirklich crazy,“ erklärt Kordek. Nachdem die Welle allerdings nachgelassen hatte, erkannte er, dass wenig Reales hinter dem Hype steckte. Mit neuem Elan und einer gesunden Portion Erfahrung, entschloss sich das Team hinter der Blockchain–Plattform, sich auf seine eigentliche Mission zu konzentrieren. „Wir wollen uns normalisieren und professionalisieren,“ erklärt der Gründer. ‚Mehr abliefern, weniger reden‘ sei die neue Devise des Teams.

„Wir wollen uns normalisieren und professionalisieren,“ erklärt der Gründer. ‚Mehr abliefern, weniger reden‘ sei die neue Devise des Teams

Diese Erkenntnis kam vor zwei Jahren. Seitdem arbeitet das Team aus Entwicklern, Programmierern, Designern und Marketing-Experten an ihrer Software und unterschiedlichen Produkten. Im Dezember 2019 verkleinerte sich Lisk von 60 auf 30 Mitarbeiter. „Tight Knit“ bezeichnet Kordek die internen Umstrukturierungen. Sie seien notwendig gewesen, um eine effizientere Planung und Kommunikation zu ermöglichen. So sei das Team seit dem deutlich besser eingespielt und könne auch die Vision die „Blockchain für den Mainstream zu simplifizieren“, schneller umsetzen.

Eine Software-Lösung als finale Lösung?

Laut Kordek, Business Developer Jan Breker und Eventplanerin Monica Tartau sei ein Software Development Kit (SDK) die finale Software-Lösung. Dieses SDK steht bildlich für eine Werkzeugkiste aus verschiedenen Blockchain-Komponenten. Darunter fallen Tools wie zum Beispiel Lisk Commander oder Lisk Elements. Sie alle sind nun ein Bestandteil des Kits, an dem sich zukünftig Entwickler bedienen können, um ihre eigene Blockchain zu entwickeln. Das Lisk SDK wurde 2019 umgesetzt und sei Kordek zufolge ein bedeutender Meilenstein für Lisk gewesen.

Interoperabilität sei der nächste große Meilenstein, den das Unternehmen in die Realität umsetzen möchte. „Wir möchten eine Plattform entwickeln, die alles verbindet, alles miteinander verwebt. Dann bildet sich eine Art Netzwerk aus Netzwerken – eine Blockchain–Plattform mit ganz vielen verschiedenen Blockchain Applikationen“, erklärt Kordek.

Vom Relaunch zum Reset

Produktionsfertige Apps und Partnerschaften mit Firmen gebe es für dieses Projekt bisher nicht. Lisk wolle die Fehler aus der Vergangenheit nicht noch einmal wiederholen. „Wir wollen sicher gehen, dass diesmal alles reibungslos läuft,“ versichert Kordek. Lisk habe nun „ein Produkt geschaffen, das auf etwas solidem basiert und sehr präzise gestaltet ist,“ sagt der Gründer. Er weiß wovon er spricht. Regelrechte Hypestorms aus der Community hätte das Unternehmen erlebt. „Kleine News wurden dargestellt wie die größte Sache überhaupt“, sagt der 28-jährige.

So wurde das Relaunch-Event 2018 mit 500 Teilnehmern nachträglich sehr skeptisch beäugt. „Nur weil wir so ein Event machten, erwarteten die Leute das absolute Riesending“. Das blieb allerdings vorerst aus. Stattdessen veröffentlichte das Unternehmen eine weniger akkurate Roadmap, die, so Kordek, für ordentlichen Zündstoff sorgte. „Die Community hat uns regelrecht zerpflückt,“ erklärt er.

Diese Lektion habe das Unternehmen zwangsläufig verinnerlicht. Dass alles transparent ist, ist Lisk besonders wichtig. Sie veröffentlichen jeden Monat einen aktuellen Report über den Stand der Dinge, als auch über die Finanzen. Laut Lisks Business Developer Jan Breker, halte das Unternehmen die Community pro Monat, ja, gar pro Woche über Aktuelles auf dem Laufenden. Das Lisk-Team wolle der Community zeigen, was es schon erreicht hat und wie viel Zeit es noch benötigen wird. „Ich habe häufig das Gefühl, dass viele Blockchain Unternehmen ihre Fortschritte immer noch sehr aufbauschen und so auftreten als hätten sie bereits produktionsreife Lösungen entwickelt. Am Ende sind viele dann aber doch noch nicht so weit.“, erklärt Breker.

„Ich habe häufig das Gefühl, dass viele Blockchain Unternehmen ihre Fortschritte immer noch sehr aufbauschen und so auftreten, als hätten sie bereits produktionsreife Lösungen entwickelt. Am Ende sind viele dann aber doch noch nicht so weit“, erklärt Breker.

Die Generalprobe

Die folgenden Monate bleiben eine Probe, und werden zeigen, ob es Lisk in absehbarer Zeit schafft, das Kapital in ein Produkt umzusetzen. „Wir bewegen uns jetzt von der Alpha-Phase in die Beta-Phase,“ erklärt Kordek. Bis Ende 2020 wolle Lisk auch mit größeren Unternehmen und Innovation Labs zusammenarbeiten. Darüber hinaus sei ein Community Center von Lisk in Planung. Ein Gemeinschaftszentrum in Berlin also, das Programmierer und Blockchain-Enthusiasten dazu einlädt, an gemeinsamen Projekten zu arbeiten. Ähnliche Center hat das Unternehmen bereits in Utrecht und in Tokio.

Mögliche Kursverluste produzieren Stress

Auf die Frage der Finanzierung bestätigte Kordek, dass das Geld von dem ICO aktuell für noch vier Jahre reiche. Er wolle keine VC-Förderung und möchte mit Lisk unabhängig bleiben. „Wir wollen unser Produkt schließlich so bauen, wie wir es wollen“, betont Kordek. Obwohl die Blockchain-Plattform in keinster Weise von Investoren abhängig ist, spielt das Listing des Lisk Token trotzdem eine große Rolle. Nach dem All-Time-High der Anfangszeit, erlitt der Lisk Token drastische Kursverluste.

Obwohl die Blockchain-Plattform in keinster Weise von Investoren abhängig ist, spielt das Listing des Lisk Token trotzdem eine große Rolle.

 „Das produziert viel Stress,“ erklärt Kordek. „Wir wollen einfach ein cooles Produkt bauen und nicht in erster Linie an unser Listing auf Coinmarketcap denken.“ Kordek gucke zwar jeden Tag auf den Kurs, tägliche Kursschwankungen interessieren ihn im Grunde jedoch nicht. Lisk sei in der Bauphase, und er sei sich sicher: „Sobald wir unsere Plattform offiziell launchen, wird es auch mit dem Kurs besser“, sagt er. LSK sei schließlich auch kein Investitionsobjekt, sondern ein Utility Token.

„Bald geht’s dann wieder richtig zur Sache.“

In der Tat unterzog sich das Unternehmen in den letzten Jahren unter der Führung von Kordek und Beddows einer regelrechten Achterbahnfahrt oder, in Kordeks Worten, einer „Tour de Force“. Mit dem finalen Launch des Lisk SDK‘s und der Plattform, stehen dem Team von Lisk spannende Zeiten voraus.

Kordek fasst abschließend zusammen: „Die erfolgreichsten Projekte sind meistens langweilige Projekte, die sich einfach hinsetzen und die Technologie abliefern. Am Anfang waren wir gehypt und waren nicht langweilig. Mittlerweile sind wir langweiliger, liefern aber auch gute Sachen.“

„Wir sind erwachsen geworden,“ sagt Kordek und lächelt, „und bald gehts dann wieder richtig zur Sache.“

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