Killer-App, Akzeptanz von Kryptowährungen: Brauchen wir (noch) eine Killer-App?

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Akzeptanz von Kryptowährungen: Brauchen wir (noch) eine Killer-App?

Zwischen Killer-App und Skepsis: Was es für eine Krypto-Akzeptanz wirklich braucht.

Eine Kolumne von Philipp Giese

Mit Artikeln ist es manchmal wie mit Fermentierprozessen: etwas muß gären, damit es fertig wird. Ob es dann gut ist sei wie bei Weinen, Cole-Slaw oder Pruno mal dahin gestellt, des Menschen Geschmack ist (s)ein Himmelreich.

Jedenfalls habe ich über diesen Artikel schon länger meditiert. Man hört viel von einer “Killer-Apps”, die es zur Akzeptanz von Kryptowährungen brauchen würde. Der grandiosen App, dem Facebook, Google, Uber und iTunes Music Store, der das Geldwesen disrupten würde.

Und so wird grandioses nicht nur geplant, sondern durchaus realisiert. Viele tolle Dinge sind entstanden; dank Bitwala und anderen Unternehmen können wir an normalen Kassen mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen zahlen, dank verschiedenster Unternehmen können e-commerce-Anbieter leicht Bitcoin und andere Kryptowährungen annehmen, und dank Bitwage kann ich sogar mein Gehalt – oder einen Teil desselben – direkt in Bitcoin konvertieren.


Killer-App, Akzeptanz von Kryptowährungen: Brauchen wir (noch) eine Killer-App?
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Ich kann also Bitcoin als Gehalt empfangen, mit Bitcoin an der Kasse zahlen und als Unternehmen durch geringen Aufwand ohne Lüge ein “Bitcoin accepted here”-Banner auf die Webseite bzw. die Ladentür kleben. Das alles ist super, so dass man Unternehmen wie den oben genannten und vielen weiteren nur danken kann.

Die Frage, die sich mir stellt, ist “was braucht es noch?”. Brauchen wir wirklich (noch) eine Killer-App, die die Lernkurve dramatisch senkt? Ist es das (deutsche) Volk, welches einfach nicht innovativ oder risikofreudig genug für Bitcoin und andere Digitalwährungen ist?

Warum sollte ich Kryptowährungen nutzen?

Hierzu ein kurzer Schwank aus meinem Leben: Ich saß erst neulich in einem Vortrag, der Bitcoin Unternehmern erklären wollte. Mir persönlich – vielleicht keinem Bitcoin-Maximalisten, aber einem Ethusiasten, der einen Großteil seiner Freizeit für die Blockchain opfert – gefiel der Vortrag an sich ganz gut. Es wurde über Finanztransaktionen ohne Mittelsmann, über Transparenz und Pseudonymität, über instantane Transaktionen (wenn wir mal die Bestätigungen ausblenden) gesprochen – alles richtig!

Eine der ersten Fragen kam von einem Berater neben mir, der mittelständischen Unternehmen bei innovativen Vorhaben zur Seite steht. Diese Frage war schlicht und einfach, warum ein mittelständisches Unternehmen Bitcoin-Zahlungen akzeptieren bzw. damit zahlen sollte.

Die Antwort war durchaus nicht falsch: Transaktionen weltweit, auch in Richtung Entwicklungs- und Schwellenländer ist auf jeden Fall was sinnvolles. Derartige Transaktionen, die unabhängig vom Status der jeweiligen Banken realisiert werden können, waren für mittelständische Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Griechenland zur Zeit der dortigen Krise etwas, was ihnen half, Geld aus dem dortigen Chaos zu retten!

Dennoch – reicht das als Argument? Was ist für Otto-Normal-Verbraucher ein Argument für die Nutzung von Bitcoin, DASH und anderen Kryptowährungen, deren Use Case primär der des Geldes ist? Oder noch strenger gefragt: was ist auch für die Trader, Miner, Masternode-Betreiber und HODLer unter uns ein Argument für die Nutzung von Bitcoin als normales Geld?

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in bullishen Zeiten habe ich Schwierigkeiten, meine ersparten Bitcoin für nen Burger oder nen Kaffee auszugeben. Ja, ich bin ein geiziger, Profit orientierter Sack!

Ich denke aber, dass ich damit nicht allein stehe. In der Hinsicht stellt sich sogar für uns Enthusiasten, die teilweise große Summen in Bitcoin investiert haben, die Frage letztlich sogar noch mehr als bei Otto-Normal-Verbrauchern.

Klar, ich kann in Bitcoin und andere Digitalwährungen investieren. Bitcoin ist schließlich das digital Gold und Fälle wie Venezuela zeigen, dass das durchaus seine Bewandnis hat. Doch das ist letztlich keine Nutzung als Geld, sondern als Hedge.

Mit Honig fängt man Fliegen – mit Geld den Zahler

Wie kann man Leute von etwas überzeugen? Eine klassische Markteinführungsstrategie ist, dass man Leuten, die früh kaufen, einen Rabatt gibt. Teilweise gibt man so genannten Feldtestern das Produkt sogar kostenlos, sind die durch diesen Feldtest gewonnen Erkenntnisse doch für den Produktentwickler extrem wichtig. So wäscht eine Hand die andere.

Diesen mutual benefit kann man natürlich auf Bitcoin und Konsorten übertragen: ich gehe mal davon aus, dass der durchschnittliche Händler seine Marge mit einem gewissen Gewinn kalkuliert hat – alles andere wäre eine Katastrophe. Im Rahmen dieser Marge lässt sich ja mal über Rabatte für Zahlungen mit Bitcoin nachdenken.

Die Idee ist natürlich nicht neu – erst vor kurzem haben wir über Amazon-Gutscheine mit 15% Rabatt geschrieben – aber interessanterweise lese ich zwar immer öfter “Bitcoin accepted here”, sehe sogar eine steigende Akzeptanz für andere Kryptowährungen, sehe aber sehr selten derartige Rabattaktionen.

Sollte ein Unternehmen, welches Kryptowährungen akzeptiert, einen kleinen Discount auf Zahlungen mit Altcoins geben und würde man die Leite an dieser Stelle sofort bei der Hand nehmen (“falls Sie ein Wallet erstellen wollen und nicht wissen wie fragen Sie einen unserer Mitarbeiter”) – ich bin mir sicher, dass einen Discount Leute dann doch gerne mitnehmen würden!

Das schöne ist, dass das sowohl für Neulinge als auch “alte Hasen” gelten kann: einen Rabatt von 15% mitnehmen bedeutet letztlich nichts anderes, als 15% Gewinn zu machen!

Schließlich entsteht auch für das Unternehmen selbst ein Benefit: je mehr Leute bereit sind, mit Bitcoin zu zahlen, desto größer wird die Akzeptanz, die Nachfrage nach Bitcoin und damit der Preis. Eine derartige Politik Marke “Altcoin first” könnte also die durch einen Rabatt verlorene Marge wieder auffangen.

Killer App? Es braucht simple Lösungen!

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass man einen Anreiz braucht, den auch der Tante Emma Laden um die Ecke und die Leute des mittelständischen und des handwerklichen Familienbetriebes vom Anhaltiner Land verstehen. Natürlich können wir uns über mangelnden Innovationswillen der Deutschen beklagen, wir hätten durchaus Recht dazu. Wenn es aber dabei stehen bleibt, oder wenn wir dem durch eine zwar tolle, aber für oben genannte Zielgruppen unverständliche Killer-App entgegensteuern wollen, ohne einen einfachen Anreiz, dann wird sich in Deutschland wirklich nichts ändern.

Für das Zurückbringen von Plastikflaschen gibt es gute Argumente. Umweltschutz und Ressourcenschonung sind sicherlich zwei wichtige Argumente. Das jedoch, was die Leute Flaschen wegbringen lässt, sind 25% eines Euros!

BTC-ECHO

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