Interview mit Brickblock-Co-Founder Jakob Drzazga: “Wir wollen die Finanzwelt revolutionieren.”

Interview mit Brickblock-Co-Founder Jakob Drzazga: “Wir wollen die Finanzwelt revolutionieren.”

Das Blockchain-Start-up Brickblock mit Sitz in Berlin und Gibraltar hat vom Wagniskapitalgeber Finch Capital 5 Millionen Euro erhalten, um sich zum führenden Tokenization-Service zu entwickeln. Unter Tokenization (zu deutsch Tokenisierung) versteht man den Prozess, Rechte und physische Gegenstände in Form digitaler Token auf einer Blockchain abzubilden, ergo Eigentumsrechte digital zu verbriefen. Egal, ob es der Besitz einer Immobilie, eines Kunstwerks oder eines Fonds ist – der Token digitalisiert die Eigentumsansprüche. Das Potential ist gewaltig und entsprechend groß die Nachfrage nach Tokenized Assets. Um mehr über den Stand von Brickblock und der Tokenization im Allgemeinen zu erfahren, haben wir uns mit dem Co-Founder Jakob Drzazga zum Interview getroffen.

Wie ist denn der aktuelle Stand von Brickblock, bietet ihr bereits tokenisierte Immobilien an?

Unsere Smart Contracts wurden von ConsenSys Diligence, einem Marktführer im Bereich Blockchain, geprüft und genehmigt. Die Technologie ist also bereit, ebenso wie das Frontend-Produkt. Wir befinden uns jetzt in fortgeschrittenen Verhandlungen mit den Aufsichtsbehörden, um die rechtlichen Rahmenbedingungen fertigzustellen. Diese erleichtern uns die Transaktion des ersten tokenisierten Immobilienvermögens. Wir erwarten, dass dies in den kommenden Wochen geschieht. Sobald wir einen regulierungskonformen Rechtsrahmen haben, sind wir bereit, Vermögenswerte im Wert von über einer Milliarde US-Dollar zu tokenisieren, für die wir Absichtserklärungen unterzeichnet haben.

Wie würde das denn in der Praxis aussehen, wenn ich als Investor Immobilienanteile via Token erwerben möchte?

Es ist ein ziemlich einfacher Prozess. Zuerst benötigt man Ether. (Bis jetzt ist es nur möglich, mit Ether zu investieren). Wir empfehlen, MetaMask zu verwenden, da es auch als Blockchain-Browser fungiert, der für den Zugriff auf Brickblock erforderlich ist. Dann geht man zu unserer Smart-Contract-Plattform. Dort sieht man eine Liste von tokenisierten Assets, in die man investieren kann. Nachdem man eines ausgewählt hat, sieht man alle wichtigen Informationen – Investitionsbroschüre, Finanzierungsziel, geschätzte Rendite, Preis pro Proof-of-Asset-Token (PoA) etc. Dann klickt man auf „Calculate & Invest“, wo man die Menge an Ether eingibt, die man investieren möchte. Wenn man auf „Invest Now“ klickt, werden die Ether an den Smart Contract des Token-Assets gesendet, der den Proof-of-Asset-Token proportional zum investierten Betrag ausgibt. Wenn der Vermögenswert voll finanziert ist, werden die PoA-Token „aktiv“ (erzeugen passives Einkommen, das aus den Gewinnen des zugrunde liegenden Vermögenswerts abgeleitet wird). Und das ist es – jetzt ist man ein Immobilieninvestor.

Werden klassische Immobilienfonds durch Tokenized Real Estate nicht überflüssig?

Klassische Immobilienfonds können Brickblocks Technologie nutzen, um mehr Reichweite zu erzeugen und neue Märkte anzusprechen. Wir sprechen bereits mit mehreren großen Immobilienfonds, die evaluieren, ob sie Brickblocks Technologie nutzen werden.

Welche Realwerte wollt ihr denn noch tokenisieren?

So ziemlich jede Finanzanlageklasse, die von schnelleren Abwicklungszeiten, niedrigeren Gebühren, globalem Zugang, Modellen mit gemeinsamem Eigentum und verbesserter Liquidität profitieren könnte. Bald werden wir den Prozess der Tokenisierung der ersten ETFs (Exchange Traded Funds) beginnen. Die Tokenisierung soll bis hin zu schweren Maschinen und Solarprojekten reichen.

Gibt es da nicht Gegenwehr von den Behörden? Wie schafft ihr es, den regulatorischen Anforderungen zu genügen?

Ich würde es nicht Gegenwehr nennen, da wir von Anfang an in engem Kontakt mit den Aufsichtsbehörden standen. Wir arbeiten mit führenden europäischen Kanzleien im Blockchain-Bereich, DWF und ISOLAS, zusammen, um sicherzustellen, dass wir immer den Vorschriften entsprechen. Das Einreichen eines Prospekts hat mehr als ein halbes Jahr gedauert und die meisten Blockchain-Projekte berücksichtigen nicht einmal die gesetzlichen Anforderungen, um Transaktionen mit Asset-Backed-Token auf der Blockchain durchzuführen. Ich glaube, dass unser Fokus auf die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil ist, wenn wir ein Produkt auf den Markt bringen.

Kannst du dir vorstellen, dass in 10 Jahren ein Großteil aller Realwerte, vor allem Immobilien und Fonds, tokenisiert sein werden?

Absolut! Und wir hoffen, dabei eine führende Rolle zu spielen.

Welchen Einfluss wird die Tokenisierung deiner Meinung nach auf den Kryptomarkt haben?

Wenn mehr institutionelle Investoren die Ethereum-Blockchain als Datenbank nutzen, wird mehr Geld in die Technologie fließen, die Infrastruktur wird sich verbessern und die globale Akzeptanz wird sich erhöhen. Meiner Meinung nach wird Blockchain zu etwas Alltäglichem und eröffnet Fintechs eine neue Welt, um vorhandene Strukturen effizienter zu gestalten.

Was sind eure nächsten Schritte?

Schön, dass ihr fragt! Unsere letzte ICO-Periode beginnt heute (9. Mai). Und wir freuen uns, bekannt geben zu können, dass wir 5 Millionen Euro in der Serie A von Finch Capital gesammelt haben. Damit haben wir das notwendige Kapital, um unsere ehrgeizige Roadmap zu erfüllen.

Nach dem Verkauf des ersten tokenisierten Gebäudes werden wir unser Token-Portfolio an Immobilienvermögen erweitern und die ersten Token-ETFs (Exchange Traded Funds) anbieten. Wir sind auch dabei, eine Börse zu entwickeln, die auf dem 0x-Protokoll aufbaut, das hoffentlich zum Standard für den Handel mit Asset-Backed-Token werden wird. Wir werden auch die Möglichkeit prüfen, US-Investoren die Teilnahme zu ermöglichen, in Schlüsselmärkte mit Fokus auf Asien und Südamerika zu expandieren und ein Tor für die Anlage von Fiatwährungen (Euros, USD, GBP usw.) in tokenisierte Assets bereitzustellen.

Unsere Mission bleibt dieselbe wie am Tag der Gründung von Brickblock: Wir wollen die Finanzwelt revolutionieren.

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