Identität 1.0: Geschichte der Identität

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Identität 1.0: Geschichte der Identität

Wir begeben uns auf die Reise zur Persönlichkeit: Wer sind wir? Wer waren wir? Auf dem Weg dorthin werden wir historische Konzepte von Identität durchleuchten, bis wir beim Thema Digitale Identität und Blockchain ankommen – und uns fragen können: Wer und wie werden wir sein? Heute: Identität 1.0.: Geschichte der Identität.
Identität 1.0: Geschichte der Identität
Identität 2.0: Die Dezentralisierung der Identität
Identität 3.0: Das Ich im digitalen Spiegel
Identität 4.0: Der goldene digitale Fußabdruck – Von Daten und Konzernen
Identität 5.0: Digitale Identität und Blockchain
Identität 6.0: Was wir von Mr. Robot lernen können

Identität 1.0: Geschichte der Identität

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Identität 5.0: Digitale Identität und Blockchain

Identität 6.0: Was wir von Mr. Robot lernen können

Wer bin ich? Wer will ich sein? Und warum? Diese Fragen treibt Menschen nicht erst seit dem Zeitalter der Prokrastination, Digitalisierung und dem World Wide Web umher. Ob Sokrates in der Antike, Sigmund Freud im Wien des 20. Jahrhunderts, Friedrich Nietzsche gleich nebenan oder Judith Butler in der Gegenwart – große Denkende aller Zeiten beschäftigten sich auf die ein oder andere Weise mit der Frage nach dem Kern des Ichs. Um diesen auch im Digitalen und später auf der Blockchain finden zu können (oder zumindest den Versuch zu wagen), muss man verstehen: Woher kommt Identität?

Die Geburt der Identität

Bei Fragen nach dem Ursprung, ist es immer nützlich, auf Spurensuche zu gehen: Woher kommt der Begriff Identität? Aus dem Lateinischen: Identidem steht für „immer wieder, zu wiederholten Malen, wiederholt“, identitas für ebendasselbe, Gleichheit, völlige Übereinstimmung. Hier kann man zwei wichtige Bestandteile von Identität erkennen: die Zeit und der Kern. Die Vorstellung also, dass es eine Einheit gibt, die sich immer wieder wiederholt. Doch wer oder was besitzt diesen Kern, der immer wiederholt wird? Das Individuum.

Das Individuum – Unteilbar und doch zersprengt

Auch beim Wort Individuum hilft der Blick auf den Wortstamm. Das lateinische Wort individuum steht für das „Unteilbare“ (in-dividuum). Man spricht hier von einem einzelnen Ding, einer Entität oder auch einem Seienden – etwas also, das existiert. Um es jedoch von Dingen abzugrenzen, wird ihm etwas Menschliches zugeschrieben – die Identität.

Zerbrach sich auch über Identität den Kopf: Immanuel Kant

Wie kommen diese beiden Kategorien nun also zusammen? Einem Individuum wird eine Identität zugeschrieben. Wenn man so will, wird es damit zum Mensch. Etwas Unteilbares also, das etwas immer Gleiches, sich Wiederholendes besitzt: eine feststehende Identität.

Man spricht hier auch vom „Subjekt der Aufklärung“. Zur Zeit der Aufklärung ging man also davon aus, dass der Mensch ein Wesen ist, das einen festsitzenden Kern hat – eine Identität. Mit dieser Identität, angefüllt mit Eigenschaften die die Person näher definieren, war es nach Immanuel Kant dem kategorischen Imperativ unterworfen und zu diesem auch fähig:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Das Zentrum dieser Menschen also, so die damals gängige Vorstellung, ist ein fester, unveränderbarer Kern – die Identität. John Locke, der als Vordenker dieser Epoche gilt, erkannte eine Verbindung zwischen Bewusstsein und Denken und bezeichnete die Identität als eine „Selbigkeit“:

„Weil das Bewusstsein das Denken immer begleitet und jeden zu dem macht, was er sein Selbst nennt und wodurch er sich von allen anderen denkenden Wesen unterscheidet, so besteht hierin allein die persönliche Identität, d. h. die Selbigkeit des vernünftigen Wesens.“

Nicht ganz so differenziert wie Locke oder Kant: Mark Zuckerberg

Ganz ähnliche Vorstellungen vom Konzept Identität hat übrigens Mark Zuckerberg, auch wenn er aus einer anderen Denkrichtung kommt:

„Zwei Identitäten zu haben, ist ein Mangel an Integrität.“

Was hat das Ganze nun mit Blockchain zu tun?

Bisher befinden wir uns noch in der Aufklärungsphase. Bevor man begreifen kann, wie (und ob) Identität auf die Blockchain kommen kann, sollte man zunächst wissen, was diese Begriffe bedeuten.

Fassen wir also zusammen: Zur Zeit der Aufklärung ging man davon aus, dass der Mensch einen unveränderlichen Kern, eine Identität hat und damit zum unverwechselbaren, unteilbaren Individuum wird. Doch die Wahrnehmung dieser zentralen Instanz sollte sich bald ändern. Denn noch lange bevor die Worte Internet, Dezentralität oder auch Blockchain aufkommen sollten, wurde klar, dass Identität keinen festen Kern hat – sie ist dezentral. Mehr dazu in Identität 2.0.: Die Dezentralisierung von Identität.

BTC-ECHO

Disclaimer: Identität ist ein hochkomplexes Thema, das seit Jahrhunderten Thema der Forschung ist. Der Autor versucht dieses bestmöglich und verdaulich zu präsentieren, weswegen er um gewisse Verknappungen nicht umhinkommt. Der eingenommene Blickwinkel ist geprägt vom Studium der Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften, angereichert mit philosophischen, soziologischen und psychologischen Wissensausschnitten. Dennoch kann weder Vollständigkeit garantiert, noch absolute Wahrheit reklamiert werden. Daher soll die vorliegende Artikelreihe als das begriffen werden, was sie ist: eine Möglichkeit, den Horizont zu erweitern. Und darüber hinaus: viel Spaß beim Lesen bereiten.

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