Cold Cold Storage GitHub vergräbt Bitcoin-Quellcode im norwegischen Eis

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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GitHub (Symbolbild)

Quelle: Shutterstock

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GitHub will das Zeitkapsel-Konzept in den digitalen Raum übertragen. Anstatt von Zeitungsausschnitten, Fotos oder persönlichen Gegenstände, will GitHub Quellcode vergraben – unter anderem den, von Bitcoin Core.

No Single Point of Failure. So lautet das Credo, das dezentralen Kryptowährungen wie Bitcoin zugrunde liegt. Das heißt, das Risiko, dass eine einzelne Instanz das Projekt zum Scheitern bringen kann, soll möglichst minimiert werden.

Dabei spielt auch die Verteilung des Bitcoin-Core-Quellcodes eine entscheidende Rolle. Schließlich ist die meistbenutzte Implementierung des Bitcoin-Protokolls die Grundlage für das Betreiben von Knotenpunkten im Netzwerk. Den Code vor Verlust oder Schaden zu schützen, ist für den Fortbestand des Projekts also essenziell.

Cold Cold Storage

Das GitHub Archive Program könnte einen entscheidenden Beitrag zur sicheren Verwahrung von Software über den Zeitraum von Generationen machen. Denn wie die Software-Development-Plattform ankündigt, will GitHub einen Snapshot vom 2. Februar 2020 aller aktiven Repositories (das sind aktive Projekte auf der Plattform) für mindestens 1.000 Jahre vor Verlust bewahren. Dabei haben GitHub und seine Partner weder Kosten noch Mühen gescheut. Denn wie die Plattform bekannt gibt, will man den Snapshot in einer ausrangierten Kohlemine ablegen. Diese befindet sich 250 Meter unter dem Permafrostboden des arktischen Eises von Spitzbergen.


Dass die Wahl ausgerechnet auf Longyearbyen auf Spitzbergen gefallen ist, ist demnach kein Zufall. Schließlich ist das Norwegische Archipel seit dem Spitzbergenvertrag von 1920 eine demilitarisierte Zone und seit geraumer Zeit auch Heimat des globalen Saatgut-Tresors.

Anstatt Festplatten, die häufig eine Lebenszeit von lediglich 30 Jahren aufweisen, hat man sich für Filmrollen und Quarzplatten als Speichermedium für den Code entschieden. Erstere haben eine Lebensdauer von 500 Jahren und zweitere eine Lebensdauer von über 10.000 Jahren, wie GitHub schreibt.

Wir werden dieses unbezahlbare Wissen [Quellcode, Anm. d. Red] schützen, indem wir laufend mehrere Kopien in verschiedenen Datenformaten und an verschiedenen Orten aufbewahren, einschließlich eines langfristigen Archivs, das auf mindestens 1.000 Jahre ausgelegt ist.

Mit von der Partie sind neben GitHub unter anderem auch die Long Now Foundation, das Internet Archive, die Software Heritage Foundation, Microsoft Research sowie die Universität Stanford.

Anleitung zum Nachbau

Wie die Welt in 1.000 Jahren aussieht, weiß natürlich niemand. Zweifel an der Nutzbarkeit von Quellcode, der in ferner Zukunft vermutlich nichts als Verwirrung stiftet, räumt GitHub sogleich aus. In Zusammenarbeit mit Archäologen, Anthropologen und Historikern will man findigen Entdeckern aus der Zukunft eine Art Gebrauchsanleitung für die Verwendung antiquierten Quellcodes an die Hand geben.

Die Anleitung gibt einen Überblick über das Archiv und seine Nutzung und dient als Schnellstart-Handbuch für die Softwareentwicklung. Es wird beschrieben, wie man sich von den Rohdaten zum Quellcode arbeitet und Projekte, Verzeichnisse, Dateien und Datenformate extrahiert.

Wenn es also mit Bitcoin in diesem Jahrhundert nicht klappen sollte, legt GitHub bereits jetzt den Grundstein für einen neuen Anlauf in ferner Zukunft.


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