Fintechs und Blockchain-Start-ups: Konkurrenz oder Koexistenz?

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Quelle: Transferring commerce business financial concept via Shutterstock

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Es ist noch gar nicht so lange her, als es hieß, dass die Fintechs den Banken und traditionellen Finanzdienstleistern das Leben schwer machen werden. Die Digitalisierung des Finanzsektors drängt sich auf, herrscht doch ein offensichtlicher Innovationsstau, wenn man sich die Entwicklung der Bankhäuser anschaut. Doch was passiert mit den Nicht-Blockchain-Fintechs, wenn Kryptofinanzdienstleister das Parkett stürmen?

Gefangen in alten Strukturen und einem regulatorischen Korsett, das nicht gerade innovationsfördernd ist, ist es geradezu einladend, bequem und konservativ zu sein und alles beim Alten zu belassen. Bis zur Finanzkrise 2008 war dieses Credo tonangebend und selbst zehn Jahre danach hat sich oft nicht viel getan. Was sich jedoch sehr wohl verändert hat, ist der Margendruck und die Erkenntnis, dass man so wie bisher nicht auf Dauer überleben kann. Einige Fintechs, die vor fünf bis zehn Jahren angefangen haben, erklären den Banken heute, wie der Hase läuft. Die Banker drücken die Schulbank und lassen sich von Digitalbotschaftern unterrichten, wie Finanzlösungen heutzutage aussehen sollten.


Die Disruption durch Fintechs hat bereits stattgefunden. Die unliebsame Regulierung und hohen Lizenzanforderungen sind für die „Alten“ inzwischen zur rettenden Bastion geworden, die Zeit verschafft und die jungen Wilden zurückhält.

Viel Zeit bleibt den „Alten“ allerdings nicht mehr – immer mehr Menschen wechseln zu den hippen Digitalbanken wie N26, Holvi oder Revolut. Gerade junge Menschen hinterfragen immer öfter, warum viele Finanzdienstleistungen so umständlich in der Handhabung sind. Trotz bürokratischer Hürden muss mehr drin sein, denken sich vor allem Vertreter der Generation Y, und wechseln die Bank wie ein paar Sneaker. Vorbei sind die Zeiten, in der eine Bankbeziehung monogam bis ans Lebensende hielt. Genau dieser Sinneswandel ist es, der die Voraussetzung für die Krypto-Ökonomie schafft.

Wird nun die Fintech-Branche von Krypto-Start-ups disruptiert?

Bislang passieren diese Veränderungen größtenteils noch ohne Krypto-Start-ups. Die Krypto-Fintechs befinden sich gerade noch in der Aufbauphase und müssen erst die notwendigen Voraussetzungen schaffen, um in Zukunft am freien Markt bestehen zu können. Doch es dauert nicht mehr lange, bis die ersten Konten von Krypto-Fintechs ausgestellt werden. Wie so etwas aussehen kann, beweist zum Beispiel das Berliner Blockchain-Start-up Bitwala. In Zusammenarbeit mit einer Partnerbank hat man den rechtlichen Rahmen geschaffen, um demnächst vollwertige Konten ausstellen zu können. Konten, die genauso unter die europäische Einlagensicherung fallen wie das Bankkonto bei der Sparkasse oder Commerzbank. Banking goes Krypto wird immer greifbarer, da die Konvergenz von „Alten“, Fintechs und Krypto-Start-ups immer weiter fortschreitet. Ein paar bleiben auf der Strecke, ein paar andere fusionieren und an anderer Stelle entstehen ganz neue Marktführer, teils schon heute, vor allem aber morgen.

Die Fintechs übernehmen dabei eine wichtige Funktion, indem sie genauso wie Krypto-Start-ups die alten Strukturen aufbrechen und gleichzeitig Schnittstellen schaffen, um eine Einbettung der Blockchain-Technologie in eine flexible, moderne IT-Infrastruktur zu ermöglichen. Je höher der Grad an Digitalisierung, desto eher wird es Blockchain Use Cases geben.

Krypto-Start-ups und Fintechs ergänzen sich dabei vielmehr, als dass sie sich gegenseitig kannibalisieren. Es gibt einen Markt für beides: für zentrale und für dezentrale Lösungen. Vielmehr bekommen die Kunden die Möglichkeit zu wählen, ob sie lieber nach dem Motto „Be your own Bank“ leben und selbst die volle Verantwortung für ihre Finanzgeschäfte übernehmen oder sich doch eher für einen Nicht-Krypto-Finanzdienstleister entscheiden. Natürlich wird es an der einen oder anderen Stelle auch Fintechs geben, deren Geschäftsmodell durch Krypto-Start-ups bedroht ist. Das Gros hingegen profitiert eher von Synergien und der größeren Offenheit gegenüber innovativen Finanzdienstleistungen in der Gesellschaft und von Unternehmensseite.

Fintechs und Blockchain-Start-ups an einem Tisch

Anstatt sich in Lager aufzusplitten, führt ein in Teilen immer größer werdender Pragmatismus dazu, dass man sich gemeinsam an einen Tisch setzt. Die Welten verschwimmen zunehmend und das Selbstverständnis bei Krypto-Start-ups, dass Blockchain kein Selbstzweck sein darf, wächst – ohne realen Mehrwert gibt es keine wirtschaftlich erfolgreiche Blockchain-Lösung. So verwundert es nicht, dass inzwischen auch Krypto-Unternehmen wie die Krypto AG oder Bitwala Teil der European Fintech Alliance sind, einem europäischen Interessensverband, der ursprünglich nichts mit der Krypto-Ökonomie zu schaffen hatte. Auch auf klassischen Finanzmessen und Veranstaltungen vermischt sich das Bild traditioneller Finanzdienstleister mit Fintechs und Krypto-Start-ups – die Kontraste weichen den Graustufen. Eine Entwicklung, die nicht durch Selbstgefälligkeit, egal von welchem Finanzakteur, untergraben werden sollte. Gerade Krypto-Enthusiasten sollten sich bewusst sein, dass eine Zusammenarbeit mit Banken bei der gegenwärtigen rechtlichen Lage oft die einzige Möglichkeit ist, kommerzielle Finanzdienstleistungen anzubieten, ohne von den Aufsichtsbehörden die rote Karte gezeigt zu bekommen.

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