Exklusivinterview: Matthew Schutte von Holochain – Teil 1

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

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Quelle: Holochain logo via holochain.org

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Das Team um Holochain gründete vor gut einem Jahr ein Projekt, das es sich zum Ziel gesetzt hat, den Blockchain-Problemen wie Skalierbarkeit, hohe Transaktionskosten und -dauer mit einer neuen Plattform entgegenzutreten. BTC-ECHO interviewte Matthew Schutte, Director of Communications und Mitbegründer des Projekts.
Holochain – eine Einführung

Holochain – eine Einführung

Vor gut einem Jahr entstand Holochain mit einem damaligen Team von 6 Mitarbeitern. Es entsprang dem MetaCurrency Project und wuchs bis heute auf ein Team von 30 Mitgliedern an. Die Grundidee des Projektes ist es, mit Holochain-Anwendungen dezentralisierte Brücken zum zentralisierten Web zu schlagen. Die Kontrolle über die Daten soll wieder zurück an die Nutzer gehen und man will die heute gewöhnlichen Konsens-Modelle demokratischer gestalten. In Teil 1 des Interviews erfahren wir etwas über die Basics, die Fortsetzung folgt morgen.


Matthew, erzähl uns doch ein bisschen über die Grundlagen von eurem Projekt.

Heutzutage benötigen Anwendungen im Netz unsere Informationen, um sie auf zentralisierte Webserver zu übertragen und um die Macht darüber auf große Unternehmen zu verteilen. Holochain ist ein Netzwerk, um Peer-to-Peer-Anwendungen zu entwickeln. Diese funktionieren, indem sie nur die Geräte der Nutzer selbst verwenden. Damit wird es möglich, ohne Services wie z. B. Facebook oder Uber als Vermittler auszukommen. Das bedeutet, dass im Gegensatz zum heutigen Web mit der Holochain


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1.) Individuen die Kontrolle über ihre Daten haben,

2.) Individuen die Kontrolle darüber behalten, wie ihre Anwendungen verwendet werden und

3.) Individuen die Kontrolle darüber haben, wie sich Anwendungen mit anderen Anwendungen verbinden.

Wir glauben, dass dieser Wechsel hin zu einem menschlichen Internet nicht nur nützlich, sondern auch notwendig ist. Das wird es uns helfen, von hierarchischen Systemen wegzukommen.

In letzter Zeit gab es viele Bemühungen, um Blockchain-Lösungen ohne zentrale Autoritäten zu schaffen. Allerdings ist es so, dass trotz hoher Investitionen nur wenige Fortschritte in tatsächlich funktionierenden Peer-to-Peer-Anwendungen gemacht worden sind.

Holochain = Blockchain ohne Eliten

Momentan benötigen Blockchains „Eliten“, also Miner oder Full Nodes, um Kopien von jedem einzelnen Ereignis im System zu machen. Dabei ensteht zum einen das Problem der Skalierbarkeit. Zum anderen wird die Macht auf jene „Eliten“ verteilt, was die tatsächliche Grundidee einer Verteilung von Macht in der Community untergräbt.

Für uns ist das ein Problem.

Holochain-Anwendungen sollen daher schneller, besser skalierbar und günstiger als Blockchain-Anwendungen werden. Weil wir das Problem auf andere Art und Weise lösen, muss niemand an „allem, was jemals erschaffen worden ist“ festhalten. Das bedeutet, dass mit der Holochain eine größere Anzahl an Nutzern simultan ihre Aktivitäten koordinieren können. Und zwar ohne die Leistung auf bestimmte „Eliten“ zu konzentrieren, die dafür bezahlt werden.

Mit der Holochain bietet jeder einzelne Akteur die Ressourcen, um Anwendungen laufen zu lassen. Gleichzeitig balanciert er die Arbeitsprozesse, die andere leisten, wenn man die Anwendung selbst nutzt. Weil jeder seine eigene Leistung bezahlt, wird es möglich, Rechenleistung und Anteil am Netzwerk gleichmäßig zu verteilen.

In eurem White Paper kündigt ihr an, dass ihr von einem datenzentrierten Ansatz hin zu einem akteurzentrierten Ansatz wollt. Was ist eurer Meinung nach das Problem mit dem datenzentrierten Ansatz?

Ich werde eine Analogie verwenden:
Überall auf der Welt gibt es Thermometer, von denen viele mit dem Internet verbunden sind. Wenn wir nun die Temperatur wissen wollen, wie finden wir das heraus?

Die Blockchain-Technologie kann man sich in diesem Fall wie eine Lotterie vorstellen, um ein bestimmtes Thermometer als den Gewinner zu bestimmen. Folglich behandelt jeder dieses eine Thermometer als das einzig gültige.

Das Problem, dass es z. B. ein Thermometer aus Nairobi sein kann, das 25 Grad anzeigt oder eines aus Moskau, das 3 Grad anzeigt, ist offensichtlich. Daraus dann eine „exakt gültige“ Temperatur zu generieren, würde keinen Sinn machen.

Das Problem mit dem Konsens

Die Anwort auf die Frage nach der Temperatur wäre nicht zuverlässig, weil wir spezifische, lokale Beobachtungen so behandeln, als wären sie allgemeingültige Wahrheit. Nicht nur gibt es für diese Gewinnermittlung hohe Kosten, darüber hinaus ist die ermittelte Information nicht sonderlich nützlich. Wir behandeln Daten also so, als hätten sie eine unabhängige Existenz und einen absoluten Sinn. Allerdings sind sie aus dem Kontext gerissen, woraus sich ein Problem der Perspektive mit ernsthaften Konsequenzen ergibt.

Wie die Holochain dem referierten „Temperatur-Problem“ der Blockchain entgegenkommt und wie uns das bei sozialen Netzwerken helfen kann, erfahrt ihr morgen im zweiten Teil.

Die Antworten wurden aus dem Englischen übertragen.

BTC-ECHO


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