Kommt die Hyperinflation? Eurokrise 2020: Das kostet uns die kommende Rettung der Eurozone

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Eurokrise 2020, Inflation

Quelle: Shutterstock

Die Kosten der Corona-Krise werden gigantisch sein und Staaten wie Notenbanken vor neue Finanzierungfragen stellen. Um eine Eurokrise 2020 zu vermeiden, werden Notenbanken ihre Bilanzen aufblähen müssen. Um welche Summen es dabei geht, warum die Einlagensicherung in der Eurozone von 100.000 Euro pro Bürger auf wackeligen Beinen steht und wie sich die drohende Hyperinflation auf Riesterrente & Co. auswirkt. Ein Kommentar.

Die Situation ist nicht nur menschlich dramatisch, sondern auch aus ökonomischer Sichtweise. Vollkommen zu Recht hat in Italien, Spanien und anderen schwer betroffenen Ländern die Rettung von Menschenleben oberste Priorität. Was dabei vergessen wird: Wir stehen kurz vor einem Bankencrash. Zwar werden die finalen Auswirkungen erst in den nächsten Wochen zu spüren sein. Der Stein ist aber bereits ins Rollen gekommen und macht eine Eurokrise 2020 immer wahrscheinlicher.

Man muss hier zwar zwischen dem italienischen Bankensektor und dem deutschen unterscheiden, letztlich sind die wechselseitigen Abhängigkeiten der Finanzinstitute in der Eurozone aber so hoch, dass ein Dominoeffekt unvermeidlich ist. Die Forderungsausfälle und das Austrocknen des Kreditsektors, der sich bereits in einer Teilverstaatlichung befindet, betreffen alle Kreditinstitute der Eurozone.

Die Mechanik – Warum wir auf eine Hyperinflation zulaufen

Da den Notenbanken das Zinsinstrumentarium fehlt, können diese nur noch als Geldgeber beziehungsweise Forderungsnehmer für die Staaten herhalten. Die Staaten wiederum müssen Soforthilfen für Unternehmer und Bevölkerung bereitstellen sowie Konjunkturprogramme verabschieden, damit es nicht zu einer Eurokrise kommt. Gleichzeitig brechen dem Staat die Einnahmen weg und das bei erhöhten Kosten. Die Konsequenz ist ein erhöhter Fremdkapitalbedarf, da man mit dem Eigenkapital nicht mehr auskommt.


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Nun haben viele Staaten aber nicht mehr ausreichend Kapital, um die Kapitalkosten für das Fremdkapital (Staatsanleihen) aufzubringen. Folglich darf das Fremdkapital keine Kosten verursachen, sodass die EZB praktisch keine Zinszahlungen von den Staaten verlangen kann, sofern sie die Krise nicht verschlimmern möchte. Wenn Geld nichts mehr kostet – wenn nichts mehr einen Zins hat, hat Geld auch kein Preisschild mehr – und der Inflation wird Tür und Tor geöffnet.

Um eine drohende Deflationsspirale zu vermeiden, die von einer Rezession in eine Depression führt, ist man gezwungen, Geld zu drucken. Ohne signifikante Geldmengenausweitung wird es kaum möglich werden, das politische System und damit unsere Gesellschaft stabil zu halten.

Finanzsystem first, Realwirtschaft second

Geld zu drucken heißt aber vor allem eines: die Einlagen bei den Banken zu gewährleisten. Die 750 Milliarden Euro der EZB sollen vor allem den Finanzsektor und damit das Bankensystem vor der Implosion retten. Ohne ebenjene Kreditversicherungen der EZB würden Staatsanleihen und damit die Lebensversicherungen der Menschen zusammenfallen – Goodbye Riesterrente. Nicht nur wären die Löcher in den Pensionskassen riesig, auch würde damit der weitere Zustrom an frischem Kapital versiegen. Die Bevölkerung würde als Kreditgeber ausfallen, was einen Zusammensturz des Kartenhauses zur Folge hätte. Eine Eurokrise 2020 wäre die Folge.

Entsprechend wichtig und notwendig ist das Notfallpaket der EZB. Nun geht es aber nicht nur um Staatsanleihen, sondern auch um Unternehmensanleihen und Privatkredite, die ins Straucheln kommen. Fälschlicherweise hat man nach der Finanzkrise 2007 die Eigenkapitalanforderungen der Banken nur leicht erhöht. Auch hat man versäumt, ein dringend notwendiges Trennbankensystem einzuführen. Die nun drohende Ausfallwelle an Forderungen respektive faulen Krediten kann kaum eine Bank aus eigenen Kräften bei den systemischen Interdependenzen auffangen. Erst recht die südeuropäischen Banken werden ohne externe Hilfe kaum überleben können.

Einlagensicherung von 100.000 Euro wirklich garantiert?

Die versprochene Einlagensicherung von 100.000 Euro Kontoguthaben für jeden Bürger in der Eurozone ist dabei alles andere als sicher. Der Sicherungsmechanismus ist so konzipiert, dass wenn eine Bank in Schieflage gerät, die Einlagensicherung greift. Dies setzt aber voraus, dass es den anderen Banken gut geht und diese sich nicht ebenfalls in einer Schieflage befinden. Bei einem Crash wie dem aktuellen befinden sich die meisten Banken allerdings schnell in einer Schieflage.

Da die 100.000 Euro nicht als Eigenkapital hinterlegt sind, sondern auf der Zahlungsfähigkeit der Gemeinschaft beruhen, können also auch keine Einlagen von 100.000 Euro garantiert werden. Wenn die Eurozone ihr Versprechen einhalten möchte, dass die Kontoguthaben sicher sind, dann wird kein Weg an der Notenpresse vorbeigehen.

Weder Staaten noch Banken besitzen das notwendige Eigenkapital oder können sich dieses langfristig finanzierbar über den freien Markt beschaffen. In der Krise bleiben auch demokratische Notenbanken nur formal unabhängig. Letztlich haben sie keine andere Wahl, als den Anweisungen der Staaten und Banken zu folgen.

Die Salamischeibchen-Taktik der Notenbanken

Man muss sich fragen, was die Corona-Krise für gesamtvolkswirtschaftliche Kosten verursacht: Beim Staat durch den Wegfall der Steuereinnahmen bei gleichzeitig höheren Ausgaben, bei den Banken durch Kreditausfällen, bei den Privathaushalten durch krisenbedingten Konsumverzicht und so weiter.

Streng genommen handeln Staat und Notenbank auf eigene Rechnung. Letztlich kaufen die Notenbanken die Schulden der Staaten und teils auch der Unternehmen aber wieder auf. Dies wird umso deutlicher, je schwächer die Volkswirtschaft ist. Während Deutschland international vergleichsweise zahlungskräftig dasteht und sich im Zweifel auch noch über den freien Finanzmarkt refinanzieren kann, wird es bei Ländern, die bereits am Limit sind, siehe Griechenland, deutlich schwieriger.

Durch den Corona-Crash werden aber auch Italien, Spanien und Frankreich zum neuen Griechenland. Selbst wenn sich Deutschland aus eigenen Kräften retten kann, verfügt es nicht über die Finanzpower, um für die gesamte Eurozone einzuspringen.

Die einzige Lösung, um den Euro und die Bankguthaben der Bürger zu sichern, ist viel neues Notenbankgeld. Werden die veranschlagten 750 Milliarden Euro der EZB reichen können, wenn allein schon das deutsche Rettungspaket ebenfalls 750 Milliarden Euro schwer ist? Es wäre ziemlich optimistisch zu glauben, dass wir so billig davonkommen. Dass sich die Notenbankbilanz um nicht mal eine Billion Euro in den nächsten 12 Monaten erhöhen soll, um eine Eurokrise 2020 zu verhindern, ist nur schwer vorstellbar. Notenbanken und Staaten dürfte bewusst sein, dass die Gelder nicht reichen werden.

Eurokrise 2020 könnte Notenbankbilanz verdoppeln

Wenn nun Staaten zum Systemerhalt mehrere Billionen Euro benötigen, dann stellt sich die Frage, welchen Effekt die Ausweitung der Geldmenge auf die Geldwertstabilität hat. Aktuell beträgt die Geldmenge in der Eurozone knapp 9 Billionen Euro (M1) bis rund 13 Billionen Euro (M3). Die EZB selbst hat ihre Notenbankbilanz allein in den letzten fünf Jahren von rund 2,2 Billionen Euro in 2015 auf zuletzt 4,7 Billionen Euro aufgebläht.

Wenn man nun alle notwendigen Hilfen in der Eurozone, insbesondere die zur Abfederung der Kreditrisiken (in Deutschland durch die KfW), von den einzelnen Ländern und der EZB im Gesamten berücksichtigt, dann dürfte man in den nächsten zwei Jahren eine zusätzliche Geldmenge im einstelligen mittleren Billionenbereich benötigen. Es wäre also realistisch, dass die Rettung der Eurozone die Notenbankbilanz der EZB auf ungefähr neun Billionen Euro bis Mitte 2023 verdoppelt.

Berücksichtigt man, dass selbst in guten Wirtschaftszeiten ohne Krise zwei Billionen Euro innerhalb von fünf Jahren ins System gepumpt wurden, dann dürfte einem klar sein, dass eine Summe von zusätzlich rund 4,5 Billionen Euro in den nächsten zwei bis drei Jahren alles andere als zu hoch gegriffen ist.

Inflation schreit nach Bitcoin und Gold

Während wir bislang nur aus dem Vermögenssektor Inflationsraten von über 10 Prozent in der Eurozone gewöhnt sind, dürften diese Maßnahmen auch spürbar im Warenkorb des Alltags ankommen. Gerade in der aktuell drohenden Deflationsdynamik kann die Situation kippen und eine Hyperinflation verursachen. Das Spannende dabei ist, dass niemand die genauen Fliehkräfte berechnen kann. Durch die enorme Ausdifferenzierung unserer Ökonomie können wir aktuell je nach Sektorenbetrachtung sowohl eine Deflation als auch Inflation feststellen.

Ob Bitcoin aufgrund des Halvings im Mai steigen wird oder aufgrund der Geldmengenausweitung, wird nicht eindeutig herauszufinden sein. In diesem Kontext sollte man daher auch den Goldpreis im Auge haben. Dessen Reaktionen auf die Geldmenge sind besser erforscht und werden nicht von Halvings verzerrt. Die Menschen, die immer noch Geldmarktpapiere, Riesterrente, Bausparverträge etc. besitzen, sollten sich ernsthaft überlegen, diese auch mit Verlusten zeitnah aufzukündigen. Wer sein Vermögen durch die Krise bringen möchte, sollte auf solide finanzierte Immobilien, fair bewertete Aktien, Edelmetalle und Bitcoin setzen, aber sicherlich nicht auf das Versprechen der Geldwertstabilität und vermeintlichen Garantiezinsen der Versicherer.

Disclaimer: Es handelt sich hierbei um die persönliche Meinung des Autors. Unter keinen Umständen handelt es sich hierbei um Anlage- respektive Kaufs- oder Verkaufsempfehlungen.


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