Die Reue des Jamie Dimon – Mainstream-Etablierung en route

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Jamie Dimon, Geschäftsführer der amerikanischen Großbank JPMorgan Chase, war eine der ersten und lange Zeit prominentesten Stimmen, die laut am Bitcoin zweifelten. Im September hatte er noch prognostiziert, Bitcoin werde mit einem baldigen Crash enden. Diese Woche lässt er verlauten, er bereue den Bitcoin als „Fraud“ (Deutsch: Betrug) bezichtigt zu haben. An Dimons Umdenken spiegelt sich ein stetiger Trend: Während mehr und mehr politische Kräfte die Stimme gegen die Kryptowährung erheben, etabliert sich der Bitcoin zunehmend im konventionellen Finanz- und Bankenwesen – Dimons Konkurrenz schläft nicht.

Jamie Dimon hat es sich noch einmal überlegt. Nachdem Dimon Bitcoin im vergangenen Jahr als „Betrug“ bezeichnet hatte, legte er mehrmals nach und betonte jeden Mitarbeiter seiner Bank feuern zu wollen, der mit Kryptowährungen handele. Zudem würden alle Bitcoin-Besitzer den Preis dafür zahlen, „dumm genug zu sein“, diese zu kaufen.

Im Interview mit FOX Business am Dienstag lenkte der 61-jährige Bankenchef nun ein und zog sein vernichtendes Urteil aus dem vergangenen Jahr zurück.

Er „bereue“ es, diese Aussagen gemacht zu haben, so Dimons Neueinschätzung, angesprochen auf seine Kommentare zur Quasi-Leit-Kryptowährung. Seine Aussagen hätten lediglich die Einschätzung der Regierungen wiedergeben, falls der Bitcoin einmal „wirklich groß“ würde.

Trotz allen Umdenkens sei er persönlich weiterhin nicht an Kryptowährungen interessiert, so Dimon.

Neben seiner Neueinschätzungen zeigte sich Dimon im Interview zudem als überzeugter Advokat der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie. Diese sei „real“. Mit ihrer Hilfe wäre es möglich, „Krypto-Dollar und -Yen“ zu besitzen. ICOs jedoch sehe er distanzierter. Diese seien im Einzelfall zu bewerten.

Mainstream-Etablierung en route – die Konkurrenz schläft nicht

Derzeit häufen sich kritische Stimmen mit Blick auf den volatilen Bitcoin-Kurs. So überbieten sich Zweifler, deren Anführer Dimon einst war, in Einschätzungen und Horror-Szenarien. Besonders unter konservativen Politikern wie dem CDU-Europaabgeordneten Elmar Brok scheint es mittlerweile en vogue, vor dem Bitcoin zu warnen.

Dennoch ebnet sich die digitale Lokomotive ihren Weg zunehmend mit Kurs auf die konventionellen Finanzmärkte und Bankenwesen. So hat die Kryptowährung nicht nur in Form von Futures ihren Platz an den Chicagoer Terminbörsen CBOE und CME gefunden. Sie hat dieser Tage eine reelle Chance bald auch an der Wall Street, im Herzen des Welt-Finanzwesens, gehandelt zu werden.

Scheinbar ironischerweise zeigte sogar seine eigene Bank, JPMorgan Chase, Interesse an der Kryptowährung, noch während Dimon seine ablehnende Meinung gegenüber dem Bitcoin in den Medien kundtat.

Nicht zuletzt wird Dimons Umdenken jedoch besonders auf ein pikantes Detail zurückzuführen sein. So will Banken-Rivale Goldman Sachs Bloomberg zufolge einen eigenen Handelsbereich für Kryptowährungen wie Bitcoin schaffen. Dieser soll bis Ende Juni dieses Jahres an den Start gehen.

Mit Blick auf die mit großen Schritten voran eilenden Mainstream-Etablierung, letztlich jedoch auch die eigene Konkurrenz, scheint Jamie Dimon für seine Branche die Zeichen der Zeit umzudeuten. Wie JPMorgan Chase für das laufende Jahr 2018 reagieren wird, bleibt abzuwarten. Dass die Großbank reagieren wird, ist zumindest mit der diplomatischen Annäherung ihres Geschäftsführers wahrscheinlicher.

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Über David Barkhausen

David BarkhausenDavid Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.