Die Blockchain als ein Instrument der Entwicklungshilfe

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Die Blockchain als ein Instrument der Entwicklungshilfe

In den Entwicklungsländern fehlt es oftmals an ausreichend funktionierenden und öffentlichen Steuerungseinheiten bzw. Institutionen. Gleichzeitig arbeitet ein Großteil der Bevölkerung, oftmals bis zu 80 %, im informellen Sektor. Der informelle Sektor oder wie man umgangssprachlich im Deutschen sagen würde der Schwarzmarkt bildet die wirtschaftliche Grundlage ganzer Volkswirtschaften. Entsprechend findet keine zentrale staatliche Steuerung und Besteuerung statt. Die vermeintlich chaotischen Wirtschaftssysteme steuern sich endogen, sprich aus sich heraus, und werden nicht, wie Industrienationen, durch Institutionen und Behörden gelenkt. Es fehlt also praktisch überall an zentralen institutionellen Akteuren. An genau dieser Stelle machen sich dezentrale Strukturen bezahlt, da sie ein Interagieren innerhalb des Wirtschaftsnetzwerkes ermöglichen.

Die Frage lautet also welche Lösungen die Blockchain-Technologie diesen Ländern bieten kann?

Hier sind mehrere Anwendungsbereiche denkbar.

Das politische System in den Entwicklungsländern ist oftmals sehr instabil und hat mit Demokratie nur wenig zutun. Die Korruption ist oftmals enorm und die Rekrutierung politischer Eliten hochgradig intransparent. So ist es z.B. zu bezweifeln, dass bei Wahlen, sofern es denn welche gibt, alles mit rechten Dingen zugeht. Würde man nun aber die Wahlen über eine Blockchain organisieren, sprich Blockchain-Voting betreiben, dann könnte das politische System von einem höheren Grad an transparenter Demokratie profitieren.

Ein weiteres Blockchain-Anwendungsbeispiel kann in der öffentlichen Verwaltung gefunden werden. Diese ist in Entwicklungsländern oft nur sehr schlecht ausgeprägt was Effizienz anbelangt. Zudem herrscht oftmals viel Korruption, welche neben den geringen Löhnen, auch von mangelnder Transparenz und Qualität der Institutionen verursacht wird. Eine Blockchain-Optimierung kann hier vor allem im Bereich der Registrierung getroffen werden. So könnten mithilfe der Blockchain Grundbucheinträge oder andere Arten der Registrierung vorgenommen werden. Bestechung und Vetternwirtschaft könnte durch eine Erhöhung der Transparenz und der kryptographischen Programmierung der Blockchain zurückgedrängt werden.

Prinzipiell ergeben sich überall dort Anwendungsbeispiele, wo es um die Verteilung und Erfassung von Ressourcen geht. Egal ob man Wählerstimmen erfasst, einen Hauskauf einträgt oder Rechenleistung für Anwendungen und Daten erwirbt, überall geht es um Schnittstellen und dessen korrekte Erfassung. Diese Logik, insbesondere die der Registrierfunktion und die der Dezentralität der Blockchain kann auf viele andere Bereiche übertragen werden.

Es können z.B. intelligente und dezentrale Stromsysteme (sog. Smart Grids) mit Hilfe der Blockchain genutzt werden. Schließlich fehlt es in vielen Ländern an einer konstanten öffentlichen Stromversorgung, sodass die Menschen einen großen Teil des Stroms über benzinbetriebene Generatoren produzieren müssen. In Kombination mit z.B. Solarzellen könnte ein Blockchain Netzwerk dafür sorgen, dass sich ein dezentraler Strommarkt etabliert, vollkommen losgelöst von der ansonsten nur schlecht funktionieren öffentlichen Stromversorgung.

Genauso wäre es auch denkbar bei den Ressourcen Wasser und Gas eine Steuerung und Verteilung über die Blockchain vorzunehmen. Auch hier würden Entwicklungsländer im Vergleich zu Industrienationen überproportional profitieren, da die Leistung von Versorgungsbetrieben oftmals unzureichend ist.

Entwicklungshilfe muss auch im Finanzsektor ansetzen

Des Weiteren fehlt vielen Entwicklungsländern eine stabilen Währung. Digitale Währungen können hier die nötige Stabilität für Unternehmen und Konsumenten gewährleisten, die durch die mangelnde Geldwertstabilität (primär Inflation) geraubt wird. Länder, die mit einer starken Abwertung der eigenen Landeswährung gegenüber anderen Währungen zu kämpfen haben, könnten durch die Nutzung digitaler Währungen ihren Import, zumindest in Teilen, auch in schweren Zeiten sicherstellen.

Zudem haben die Menschen in Entwicklungsländern oftmals keinen Zugang zu Bankdienstleistungen und verfügen über kein Bankkonto. Mithilfe von digitalen Währungen hätten die Menschen die Möglichkeit im Internet einzukaufen, was zuvor ohne Bankkonto und Kreditkarte kaum möglich war. Digitale Währungen, wie Bitcoin könnten dafür sorgen, dass diese Zugangsbeschränkungen für viele Menschen in den Entwicklungsländern abgeschafft werden. Somit würde der Zugang zum globalen Handels- und Finanzmarkt einem größeren Teil der Weltbevölkerung zur Verfügung stehen.

Entsprechend schwierig ist für viele Menschen in Entwicklungsländern der Zugang zu Krediten. Über ein dezentrales Kreditsystem, das ggf. auch auf digitalen Währungen basiert, könnte den Menschen ein besserer Zugang zu (Mikro-) Krediten und Investitionen geboten werden.

Nicht nur für das Individuum würden Vorteile durch eine Implementierung von Blockchain-Technologien entstehen, sondern auch auf makroökonomischer Ebene könnten Entwicklungsländer profitieren.

Die Kontrolle an den Finanzmärkten haben die Länder, die in erster Linie über viel Kapital und Ressourcen verfügen. Dies sind primär die westlichen Industrienationen und neuerdings zum Teil auch die Asiatischen. Alle anderen Regionen, insbesondere die Länder mit wenig Kapital, haben kaum Möglichkeiten das Finanzsystem zu gestalten und an den Finanzmärkten ihre Interessen durchzusetzen. Sie werden oftmals zum Spielball bzw. Spekulationsobjekt von angelsächsischen Finanzinstituten und haben gleichzeitig kaum Mitbestimmungsrecht in der institutionellen Ausgestaltung von Rahmenbedingungen, die vor allem durch den IWF, Weltbank und den nationalen Regierungen, geprägt wird. Durch einen Strukturwandel des Finanzsystems vom klassischen Bankensystem hin zu einem dezentral, auf der Blockchain-Technologie basierenden Finanzsystem, das digitale Währungen unterstützt, könnte ein Teil der Asymmetrie reduziert werden.

Zwar würden sich dadurch die Kapitalverhältnisse nicht ändern, aber sehr wohl der Zugang zu Finanzdienstleistungen und die bisherige Abhängigkeit von westlich dominierenden Institutionen. Ein solches Szenario würde zu einem gewissen Teil zu einer globalen Demokratisierung des Finanzsystems beitragen. Die Monopolstellungen etablierter Finanzinstitutionen könnte durch eine strukturelle Umverteilung der Mitbestimmungsrechte auf viele dezentrale Einheiten aufgeteilt werden, bei denen die aktuell bestehende Exklusivität des Finanzsystems reduziert werden würde.

Natürlich handelt es sich hierbei um Vorschläge, die im hohem Maße von der technologischen Machbarkeit und dem politischen Willen der Regierungen und Institutionen abhängen. Eine entsprechende Umsetzung würde, wenn überhaupt, noch einige Zeit dauern.

BTC-Echo

Sven Wagenknecht

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