Die 10 größten Mythen über Kryptowährungen – Teil 8

Die 10 größten Mythen über Kryptowährungen – Teil 8

In der Reihe „Die 10 größten Mythen über Kryptowährungen“ möchten wir uns die 10 meistverbreiteten Behauptungen bezüglich Kryptowährungen und deren Chancen und Risiken einmal genauer anschauen. Dabei werden wir uns täglich einen neuen Mythos vorknöpfen und diesen auf Richtigkeit prüfen.

Mythos 8: Kryptowährungen haben keinen intrinsischen Wert

Was bestimmt den Wert einer Währung? Um dies festzustellen, wagen wir mal einen kleinen Exkurs in die Geld- und Währungsgeschichte. Seit der erstmaligen Verwendung erfüllt Geld zwei zentrale Funktionen: die der Wertaufbewahrung und die des Tausches. Damit hatte Geld einen entscheidenden Vorteil gegenüber des zuvor vorherrschenden Gütertauschhandels, den es ablöste, indem es Werte über längere Zeiträume konservierbar und über weitere Entfernungen transportierbar machte, Eigenschaften, die Waren und Dienstleistungen nicht (immer) zu leisten imstande sind.

Zu Beginn des Geldhandels standen Naturalien, denen ein bestimmter Wert zugeschrieben wurde. Dies konnten – je nach regionaler Besonderheit – Muscheln, seltene Steine oder Gewichte sein. Gemeinsam hatten diese Naturalien jedoch, dass der ihnen zugeschriebene Tauschwert den materiellen Wert überstieg. Mit der Zeit konnte sich Gold, Silber und auf einem geringeren Level andere Edelmetalle als dominierende Tauschutensilien herauskristallisieren. Um dem Ganzen eine staatliche Verifikation zu geben, begannen Regierungen damit, offizielle Münzen zu prägen und nur diese in ihrem Herrschaftsgebiet als Zahlungsmittel anzuerkennen.

Die Münzprägung stellte einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Geldes dar, schaffte sie doch erstmals Vertrauen der Bürger in einen fest bestimmten und von staatlicher Seite garantierten Wert des Tauschobjektes. Vertrauen ist hierbei das Schlüsselwort, denn Vertrauen ist es, was auch in der heutigen Zeit unserem Geld die Legitimation als Zahlungsmittel verleiht. Mit dem Aufkommen des Papiergeldes sowie des elektronischen Geldes entwickelte sich Geld immer weiter von einem Eigenwert hin zu einem Objekt, dessen Wert einzig vom Vertrauen in seine Akzeptanz abhängt. Wir akzeptieren Geld für eine Leistung, weil wir daran glauben, für dieses Geld zu einem anderen Zeitpunkt eine Leistung von vergleichbarem Wert zurückzuerhalten.

Geld zieht seinen Wert also aus Vertrauen, genauer gesagt aus dem Vertrauen in Institutionen wie den Staat oder die Zentralbank. Doch wie sieht das bei Kryptowährungen aus, die ja gezielt dezentral und damit jenseits jeglicher staatlichen Kontrolle organisiert sind? Hier wird das Vertrauen der Nutzer in die Institutionen als Intermediäre ersetzt durch das Vertrauen in die Blockchain und deren Algorithmus. Der intrinsische Wert des Geldes ist bei Kryptowährungen also im Grunde kein anderer als er das bei Fiatwährungen ist.

Wenn man die Frage des Wertes einer Währung vom Faktor Vertrauen entkoppelt und einzig die materielle Komponente betrachtet, ergibt sich darüber hinaus noch ein gänzlich anderes Bild. So ist Zentralbankgeld, spätestens seit der Aufhebung des internationalen Goldstandards, maximal durch den Wert des Papiers, auf das es gedruckt ist, gedeckt. Ein Großteil der Kryptowährungen hingegen haben immerhin einen hohen Herstellungswert, der sich aus dem Mechanismus ergibt, bei dem diese Coins produziert werden. Im Proof-of-Work-Algorithmus, der unter anderem dem Bitcoin zugrunde liegt, werden die Miner für die Bereitstellung ihrer Computerrechenleistung für das Netzwerk mit der Ausschüttung neuer Einheiten der Kryptowährung belohnt. Der Herstellungswert der Kryptowährung entspricht also der erbrachten Rechen- und Hardwareleistung. Verglichen mit Fiatgeld ein deutlich kostenintensiverer Prozess, zumal Geldmengenausweitungen wie sie bei einer Zentralbank möglich sind im Bitcoin-Ökosystem nicht denkbar sind. Bitcoin ist auf 21 Millionen Coins begrenzt und auch das Schürfen der Blöcke kann nicht einfach beschleunigt werden. Durch diese festgelegten Limitierungen bleibt Bitcoin knapp, was sich wiederum positiv auf die Wertstabilität auswirkt.

Dieser Mythos kann also nicht bloß zurückgewiesen werden, sondern macht in gewisser Weise auch eine Relativierung des Begriffs „intrinsischer Wert“ notwendig. Der Wert einer jeden Währung, deren Tauschwert nicht exakt ihrem materiellen Wert entspricht, lautet Vertrauen. Erst kollektives Vertrauen im Sinne einer breiten Akzeptanz in der Bevölkerung und bei Unternehmen schafft dauerhafte und stabile Wertvorstellungen. Der Prozess der Vertrauensbildung und Adaption dauert viele Jahre und hat mit großen Widerständen und Rückschlägen zu kämpfen. Dennoch scheinen sich die Kryptowährungen auf einem guten Weg zu befinden.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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