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Einmal um den BlockDaimler: „Daimler Mobility ist bereit für die Tokenisierung“

Von Dana Hajek 6. September 2020
Lesezeit: 7 Minuten

Die Blockchain-Technologie nimmt Fahrt auf – auch in der Mobilität. Immer mehr Unternehmen setzen auf das vollautomatisierte, dezentrale Verschlüsselungsverfahren. Auch bei Daimler Mobility kommt die Technologie zum Einsatz. Perspektivisch jedoch, plant die Dienstleistungs-Plattform eigentlich schon das nächste große Ding. BTC-ECHO hat mit Daimler Mobilitys Leiter der Blockchain Factory, Dr. Harry Behrens, über den Wandel der Mobilität und vielverheißende Tokenisierungspläne gesprochen.

BTC-ECHO: Guten Tag Herr Dr. Behrens, laut dem Institut für Mobilitätsforschung ging der Anteil junger Erwachsener, die sowohl einen Führerschein haben als auch in einem Haushalt mit Auto leben, in Deutschland seit den 90er Jahren deutlich zurück. Werden wir in Zukunft überhaupt noch Autos haben?

Dr. Harry Behrens: Natürlich generieren solche Umfragen nur heuristische Werte. Sicherlich sind die Zahlen aber gesunken. Der Bedarf nach einem Auto als privates Eigentum ist nicht mehr so ausgeprägt, wie es beispielsweise bei der Generation meiner Eltern noch der Fall war. Die Zahlen, die ich dabei spannender finde, sind die – etwas künstlichen Zahlen – der Personenkilometer. Denn rein auf das Segment Auto bezogen, steigen sie. Das heißt die Anzahl der Kilometer wächst. Das wiederum bedeutet, dass der Bedarf an Mobilität existiert. Nur wird sie diversifizierter und viel breit gefächerter konsumiert.

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BTC-ECHO: Das heißt unser unser Zugang und Konsum von Mobilität wandelt sich vielmehr, als dass die tatsächliche Nachfrage dafür zurückgeht. Was meinen Sie genau, wenn sie von „diversifiziertem und breitgefächertem Konsum von Mobilität sprechen?

Dr. Harry Behrens: Beispielsweise gibt es den Trend der Multimodalität. Das bedeutet schlichtweg nichts anderes, als dass Menschen verschiedene Verkehrsmittel nutzen, mit denen sie sich bewegen. Das multimodale Angebot in urbanen Räumen kommt mittlerweile einem Blumenstrauß-Prinzip nahe. Menschen benutzen nach Bedarf Taxi, Scooter, öffentlichen Nahverkehr, E-Bikes oder Autos. Wenn Sie mich fragen, sollte jedem urbanen Menschen, in einer gut gesteuerten Stadt, je nach Bedarf diese verschiedenen Optionen zur Verfügung stehen.

BTC-ECHO: Und wie kam die Daimler Mobility AG dann auf die glorreiche Idee, die Blockchain in diesem System zu implementieren?

Dr. Harry Behrens: Wie ich gerade erwähnte, gibt es in dem Ökosystem der Mobilität viele Marktteilnehmer, die denselben Markt oder Kundenstamm bedienen. Nun möchten sie gemeinsam in diesem Markt interagieren und zum Beispiel auch ihre Dienste miteinander bündeln. Das endet optimaler Weise darin, dass ein Carsharing-Anbieter sein Produkt mit einem Scooter-Provider ergänzt und Kunden dieses nahtlos anbieten kann. Denn normalerweise kann der Anbieter das ganze Angebot gar nicht allein mit seinen eigenen Assets, seinen eigenen Fahrzeugen, bedienen. Dort setzt die Distributed Ledger Technology an. Ledger bedeutet ja einfach nur Buchführung. Das heißt darüber werden alle finanziellen Transaktionen, also die Bilanzen, Gewinne, Verluste und ausstehenden Rechnungen verrechnet.

BTC-ECHO: So wie Sie diese Prozesse gerade beschreiben, funktioniert das System doch aber schon teilweise. Warum würde die Blockchain da abhelfen?

Dr. Harry Behrens: Die Blockchain-Technologie macht es möglich, dass Prozesse vollautomatisch, revisionsfest und nicht anfechtbar zwischen mehreren Geschäftsanbietern und einem Kunden nahtlos miteinander verrechnet werden können. Dem steht gegenüber, wie es heute läuft. Kunden müssen sich bei jedem Anbieter separat onboarden und die Legitimierung ist nicht übertragbar. Dies ist nicht nur umständlich für den Einzelnen, sondern auch für Gruppen, die sich beispielsweise ein Gruppenticket für mehrere Anbieter kaufen wollen. Unter Einsatz der Blockchain–Technologie können Unternehmen jedenfalls solche Kreisläufe sehr schön, elegant und am Ende auch sehr schlank abbilden. Wir bei der Daimler Mobility nennen das Hyperscaling oder Hyperautomatisierung.

BTC-ECHO: Das heißt die Distributed Ledger Technology hilft bei der Buchführung von verteilten Transaktionen beziehungsweise der Zurückverfolgung von Zahlungen. Reicht sie alleine, um die Prozesse effizienter zu gestalten?

Dr. Harry Behrens: Neben der Distributed Ledger Technology sind digitale Identitäten ausschlaggebend. Jedes Mal, wenn Kunden ein Auto mieten, Hotelzimmer buchen oder einen kostenpflichtigen Streaming Service nutzen wollen, müssen sie sich mit ihrer Kreditkarte, Telefonnummer oder Identität legitimieren. Und das an drei, vier, fünf, zehn, zwanzig Stellen. Das ist absolut ineffizient. Und dabei ist ja auch wichtig zu wissen, dass das Kerngeschäft dieser Firmen nicht Daten- und Identitätsverwaltung ist, sondern eben Hotellerie oder Autogewerbe.

Auf der anderen Seite gibt es allerdings Unternehmen, deren Kerngeschäft es ist, Trusted Identity Provider zu sein. Bei denen identifizieren sich Kunden einmal. Und dann, wenn sie in Zukunft irgendwo ein Hotel buchen oder ein Auto leihen möchten, können sie sich über diese Firma einmal identifizieren. Und diese Signatur-Mechanismen bringt die Blockchain mit. Das heißt, im Ergebnis müssen Sie sich im gesamten Ökosystem einmal legitimieren und sind dann in der Lage, bei jedem Anbieter mit einem Klick direkt in die Serviceerbringung einzusteigen

BTC-ECHO: Worin bestehen denn für Ihre Dienstleistungs-Plattform noch die größten Herausforderungen in den nächsten Jahren?

Dr. Harry Behrens: Die Herausforderung besteht darin, die breite Masse zu erreichen. Es ist ein schrittweiser Prozess. Die ersten Schritte sind hierbei noch die längsten und langsamsten. Jedes Geschäft, das auf Plattformen basiert, sieht sich mit der gleichen Entwicklungskurve konfrontiert. Wir sind am Anfang dieser Entwicklungskurve.

BTC-ECHO: Könnte im Bereich der industriellen Blockchain (Ledger) nicht auch die Tokenisierung eine wichtige Rolle spielen?

Dr. Harry Behrens: Perspektivisch auf jeden Fall. Der Bereich Tokenisierung fing im Jahr 2017 über die sogenannten ICOs (Initial Coin Offerings) das erste Mal statt. Dort ist jedoch leider ein sehr valider, revolutionärer und mächtiger Mechanismus missbraucht worden. Es kam zu Leerverkäufen. Eine Blase, die am Ende in sich zusammengebrochen ist. Daraufhin wurden neue und bessere Anstöße gegeben. Die Stuttgarter Börse hat sich beispielsweise diesbezüglich klar positioniert. Sie werden in naher Zukunft eine Plattform für Security Token Offerings (STO) anbieten. Das ist vom Mechanismus her genau dasselbe wie ICOs, aber deutlich regulierter. Dadurch wird generell mehr Sicherheit und auch mehr Investorensicherheit bestehen.

BTC-ECHO: Könnte dieser Mechanismus auch für die Daimler Mobility AG oder generell für den Bereich der Mobilität in den nächsten Jahren wichtig werden?

Dr. Harry Behrens: Ja. In Deutschland, in Europa und weltweit. Lassen Sie uns beispielsweise einen Blick auf die Elektromobilität werfen. Aktuell ist die Situation so, dass es noch nicht genügend Ladestationen gibt. Ich muss vor Fahrtantritt gut planen, um genau zu wissen, wo ich mit meinem Elektroauto überall „tanken“ kann. Das geht übrigens immer besser, aber das Ladesystem ist natürlich noch lange nicht so ausgereift, wie für reguläre Tankstellen. Das ist die Kundenseite. Auch von Betreiberseite bestehen noch Hemmschwellen. Denn wer die Ladestationen betreibt, der befürchtet aktuell noch, nicht genügend Kunden zu beliefern, damit sich die Stationen auch rechnen. Damit bestünde kein Anreiz, überall im Land die Ladestationen aufzubauen.

BTC-ECHO: Wir reden hier wohl von einem klassischen Henne-Ei-Problem. So könnte Ihrer Meinung nach über die Tokenisierung ein System geschaffen werden, das Anreize setzt in diesen jungen Markt zu investieren?

Dr. Harry Behrens: Genau. Denn es besteht Bedarf in diesen Markt zu investieren. Beispielsweise könnte ich die Einkünfte der Infrastruktur-Komponenten von Flotten und Ladestationen als STO (Security Token Offering) über eine Börse, wie zum Beispiel die Stuttgarter Börse, an Investoren anbieten. Und damit finanziere ich die nötige Infrastruktur. Das wäre zumindest ein Szenario, das so in der Branche diskutiert wird und durchaus möglich ist. Der Bereich Tokenisierung ist nichtsdestotrotz sehr vielversprechend. Er wird sich sicherlich etablieren und einen großen Einfluss auf den Bereich der Vermögensfinanzierung haben. Die Frage ist nur wann. Ob es dieses Jahr, nächstes Jahr oder in fünf Jahren ist – wir wissen es nicht. Diese Entwicklung und Etablierung auf dem Markt steht und fällt mit der entsprechenden Regulierung, die es in den gesetzlichen Rahmen bringt. Wenn es kommt, sind wir bei Daimler Mobility auf jeden Fall bereit.

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