Tokenisierung Blockchain-Plattform tokenisiert die neuen Zehn Gebote

Anton Livshits

von Anton Livshits

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Anton Livshits

Anton Livshits absolviert ein Masterstudium der Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig. Seine Beschäftigung mit Krypto-Themen ist das Resultat eines grundlegenden Interesses am Wechselspiel von technischer Innovation und gesellschaftlichem Wandel.

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Hand hält Glühbirne, darum Symbol

Quelle: Shutterstock

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Der geplante Online-Marktplatz Fyooz nutzt die Blockchain, um menschliche Aufmerksamkeit und Begeisterung in wirtschaftliche Werte umzuwandeln. Das Start-up aus der Schweiz versucht damit nicht weniger, als „den globalen Investmentmarkt auf ethische Weise zu humanisieren und zu demokratisieren.“ Um dies zu unterstreichen, unterstützen sie eine medienwirksame Kunstperformance. Doch steckt hinter dem Ganzen mehr als nur ein PR-Gag?

Spaziergängern in St. Gallen hat sich in den vergangenen Tagen ein eigenwilliges Schauspiel präsentiert.  Denn die Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin haben den Platz vor der örtlichen Kathedrale seit dem 22. Juni in Beschlag genommen. Die beiden Brüder meißeln dort eine eigene Neuauflage der zehn Gebote stilgerecht in Steinblöcke. Noch bis zum 1. Juli lässt sich ihre Arbeit über einen Livestream bestaunen, danach wird die wortwörtliche Blockchain nach Zürich transportiert.

Anders als ihre christlich-jüdischen Vorbilder enthalten die Gebote der Riklins indessen Regeln für eine nachhaltigere Art des Wirtschaftens. Denn die beiden Künstler sind für ihren Ansatz bekannt, mit Hilfe von „Komplizen“ aus der Wirtschaft, Einfluss auf ökonomische Entwicklungen nehmen zu wollen. Die Riklins lassen die Zehn Gebote Vol. 2 nach der Fertigstellung deswegen mit Hilfe von Fyooz in Token-Form überführen. Kunden der Blockchain-Plattform werden dadurch Anteile an den Steinblöcken erwerben können:

Die Gebote und Werte der Riklins sollen nicht nach oberflächlichen Likes und Shares beurteilt werden, sondern vielmehr nach dem wirtschaftlichen Interesse, das sich entwickelt (oder auch nicht).

Fyooz bringt Aufmerksamkeit auf die Blockchain

Aus der oben zitierten Passage aus der zugehörigen Pressemeldung scheint bereits der Kerngedanke von Fyooz durch. Schließlich möchte die Blockchain-Plattform ihren Teilnehmern eine Investmentmöglichkeit in das eröffnen, woran sie glauben. Die Plattform scheint sich damit als Gegengewicht zu den Sozialen Medien positionieren zu wollen. Denn während Lieder, Filme und andere Kulturerzeugnisse dort mit einem symbolischen „Gefällt mir“ geehrt werden, verspricht Fyooz die Umwandlung von Aufmerksamkeit in ökonomische Werte.


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Hierzu Remo Prinz, Mitbegründer von Fyooz:

Die Welt erlebt nicht nur eine digitale Revolution, sondern auch einen tiefgreifenden sozialen und menschlichen Wandel. Viele der neuen Generationen würden lieber in Teilen, Belohnen und Teilhabe investieren als in rein kapitalistische Bestrebungen. Wir beabsichtigen, diesen Wandel zu erleichtern, indem wir die Möglichkeiten demokratisieren, in individuelle Leidenschaften und Überzeugungen zu investieren.

Auf Fyooz sollen deshalb nicht nur Anteile an Kunstwerken, sondern auch an Zielen, Ideen und Veranstaltungen als Token dargeboten werden. Für die Ersteller eröffnet sich dadurch eine dezentrale Finanzierungsmöglichkeit. Investoren lockt hingegen das Versprechen einer Belohnung für die monetäre Beteiligung an ihrem Lieblingsprojekt.

Kunstwerke in Token-Form bereits verfügbar

Im Jahr 2020 gibt es indes bereits mehrere Projekte und Plattformen, die Kunstwerke oder Musikstücke in Token-Form auf die Blockchain bringen. Sie wollen Kunstschaffenden einen Zugang zu ökonomischen Mitteln eröffnen, der sie unabhängiger von bestehenden Strukturen wie etwa Verlagshäusern und Musiklabels machen soll. Für die Kundenakquise verweisen dabei auch diese Plattformen auf die Möglichkeit, jenes unmittelbar zu unterstützten, was dem Kunden selbst am Herzen liegt.

Die Idee von Fyooz besteht darin, diesen Ansatz auf weitere Erzeugnisse der menschlichen Kreativität auszuweiten. In diesem Sinne ist die Blockchain-Plattform gewiss innovativ. Wie sich hierdurch aber der Weg zu einer ethisch verträglicheren oder gar humaneren Form des Wirtschaftens eröffnen soll, bleibt zumindest dem Verfasser dieser Zeilen weiterhin unklar.

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