Bitnation: Eine neue Weltordnung auf der Blockchain

Global & international business concept

Die Plattform Bitnation – Governance 2.0 hat nichts geringeres vor als unsere Vorstellung von Nationen, Staaten und Institutionen vollkommen neu zu definieren. Mithilfe der Blockchain-Technologie wird ein Governance-Modell angeboten, bei dem es nur “Weltbürger” gibt, die sich, vollkommen losgelöst von staatlichen und geographischen Rahmenbedingungen, selbst regieren.

Entsprechend utopisch und abstrakt mutet das Blockchain-Projekt an, dessen Adressaten auf den ersten Blick “techno-Liberale” und Kosmopoliten mit anarchistischen Neigungen zu seien scheinen. Dass dem nicht zwangsläufig so ist, soll später aufgezeigt werden.

Wie funktioniert Bitnation?

Die Plattform basiert auf der Ethereum-Blockchain und referiert auf das Governance-Modell der Decentralized Autonomous Organization (DAO). Sich selbst bezeichnet Bitnation als eine Decentralised Borderless Voluntary Nation (DBVN), dessen Absicht es ist, praktisch alle staatlichen Dienstleistungen anzubieten.

So sollen von der Community globale und lokale Governance-Projekte entwickelt und durchgeführt werden. Auf Grundlage der DAO und Smart Contracts soll es möglich sein, angefangen bei Debatten über die Ausgestaltung einer Verfassung bis hin zur Umsetzung einer Verfassung, Institutionen zu erstellen und zu verwalten.

So sagt die Gründerin, Susanne Tarkowski Tempelhof, in einem Interview mit dem BitcoinMagazine:

“Bitnation möchte einer dystopischen Zukunft entgegenkommen, indem ein Open-Source-Nation-Model erstellt wird, an dem jeder teilnehmen kann. Wir glauben daran, dass wir Staaten, Regierungen und Organisationen wie die Vereinten Nationen ersetzen können, da wir günstigere, sicherere und bessere Do-It-Yourself Governance-Dienstleistungen anbieten können.”

Warum Bitnation nicht vollkommen utopisch ist

Umso verwunderlicher ist nach dieser Aussage, dass Bitnation, im anscheinenden Widerspruch zu seinem ursprünglichen Zweck, mit realen Staaten und Institutionen zusammenarbeitet.

Estland nutzt beispielsweise den Blockchain-Notarservice von Bitnation, bei dem sich alle “e-Residents” Estlands ihre Dokumente notariell beurkunden lassen können. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Estland bereits eine Blockchain für seine Verwaltung nutzt. Auch Nicht-Esten können in Estland eine E-Residency beantragen und somit in den Genuss staatlicher Dienstleistungen kommen. So ist z.B. Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer e-ID unter der Nummer 11.867 in Estland registriert.

Des Weiteren versucht Bitnation Entwicklungshilfe zu leisten. In diesem Kontext wird unter anderem in Ghana versucht ein Blockchain-Katasteramt aufzubauen, wie es bereits auch andere Staaten – insbesondere Schweden und Honduras  – versuchen umzusetzen. Dadurch sollen Grundstückseintragungen, ohne Gefahr zu laufen durch Missbrauch manipuliert zu werden, in ein Blockchain-Register eingetragen werden können.

Bitnation und deren Blockchain-Projekte sind sogar Gegenstand eines Arbeitspapieres vom United Nations Research Institute for Social Development.

Wer von der “Weltnation” Bitnation überzeugt ist und diese voranbringen will, kann eine Botschaft eröffnen und diese bei Bitnation eintragen lassen, sodass andere “Weltbürger” eine Anlaufstelle haben. Inwiefern das Konzept gegenwärtig, etwas polemisch formuliert, über Couchsurfing und nette WG-Abende hinausgeht, sei mal dahingestellt.

Was Bitnation kann

Auch wenn die übergeordnete Vision von Bitnation eine Utopie bleibt, so sind die einzelnen Projekte durchaus ernst zu nehmen. Bitnation kann es schaffen bisherige Schwächen und unlösbare Hürden von partizipativen und deliberativen Bewegungen zu überwinden. In Anlehnung an Bürgerhaushalte und Formen der direkten Demokratie kann die Blockchain eine Governance-Infrastruktur bieten, die die notwendigen Eigenschaften zur Umsetzung ebensolcher Konzepte mit sich bringt. Hier zu nennen sind vor allem: Transparenz, Offenheit, Direktheit und Hierarchielosigkeit – allesamt Eigenschaften, die die Blockchain gewährleisten kann.

Folglich lässt sich festhalten, dass die Blockchain-Technologie ein enormes Potenzial hat theoretische Governance-Konzepte, die bislang nicht darstellbar waren, technologisch umzusetzen. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass solche Transformationsprozesse sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und viele politische wie kulturelle Hürden genommen werden müssen.

BTC-ECHO


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