Bitcoins Lightning Torch wird immer teurer – Ist Lightning abgebrannt?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Quelle: Shutterstock

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Was Ende Januar als ein Experiment begann, wanderte als „Lightning Torch“ um die ganze Welt. Nach ungefähr 250 Transaktionen wuchs diese Fackel jedoch so stark an, dass sie Schwierigkeiten des Lightning Network von Bitcoin offenlegt. Wie geht es jetzt weiter?

Am 14. März wurde das Lightning Network ein Jahr alt. In diesem Jahr tat sich viel: Die Anzahl der Nodes stieg auf rund 7.400 und die Gesamtkapazität auf über 1.000 BTC. Doch es lag ein leichter Schatten über diesem Geburtstag. Die Lightning Torch, ein Community-Projekt, wächst stetig und wird immer schwerer weiterzugeben.

Die Lightning Torch wurde am 19. Januar von einem Norweger mit dem Pseudonym Hodlonaut ins Leben gerufen. Der Gedanke war, dass er eine Transaktion mit 100.000 Satoshi (ungefähr vier US-Dollar) an jemanden schickt. Dieser sollte diese Transaktion weitergeben und seinerseits 10.000 Satoshi mitschicken. Mit jeder Transaktion wuchs also der Wert der Fackel. Was jeder Einzelne zuzahlen sollte, ist jedoch ein Betrag, den sich viele leisten können sollten: 10.000 Satoshi entsprechen nach aktuellem Bitcoin-Kurs nicht einmal 0,40 US-Dollar.

Die LNTrustchain oder auch Lightning Torch wandert seit knapp zwei Monaten um die ganze Welt. Illustre Personen wie Samson Mow von Blockstream, Riccardo Spagni von Monero oder auch Justin Sun nahmen an dieser Fackel-Weitergabe teil. Auch Personen jenseits des Krypto-Ökosystems machten bei diesem Experiment mit: So haben Twitter-CEO Jack Dorsey und LinkedIn-Gründer Reid Hoffman die Fackel am Leben erhalten. Von Grönland bis in die Antarktis, von Hawaii bis nach Brisbane wanderte die Lightning-Transaktion dabei um die ganze Welt. Sogar politische Grenzen wie zwischen Iran und Israel stellten für dieses Experiment kein Problem dar.


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Auch Venezuela war eine Etappe bei diesem Fackellauf. Mit Criptodiana kam die Lightning Torch nach Caracas. Sie sandte diese weiter an Bitbros, welche ebenfalls in Venezuela sitzen. Sie mussten dank eines landesweiten Stromausfalls die Lightning Node mit Batterien weiter betreiben. Um dieses Zeichen des Engagements noch von anderer Seite zu bekräftigen, möchten sie die Fackel an jemanden von Tesla übergeben. Tesla stellt nicht einfach Elektroautos her, sondern ist auch einer der führenden Hersteller von Stromspeichern.

Lightning – Wenn Du denkst, es geht nicht mehr…

Neben dem Stromausfall stehen die Bitbros jedoch vor einem weiteren Problem: Der Wert der Fackel beträgt nun 3.930.000 Satoshi oder ungefähr 150 US-Dollar – was den aktuellen Fackelträger vor Probleme stellt. Sie konnten die Fackel zwar an Xavier Iturralde aus Equador weitergeben. Das Problem der immer teurer werdenden Fackel stellt jedoch ein Damoklesschwert für das Community-Projekt dar. Das Problem ist in der mangelnden Liquidität des Lightning Network zu finden.

Im Lightning Network kann man nicht einfach Geld empfangen, mann muss selber für genügend Liquidität sorgen, um dieses Geld überhaupt sinnvoll weiterzugeben. Konkret: Ein Fackelträger benötigt nicht nur 10.000 Satoshi, die er dem Wert der Lightning Torch hinzufügen kann, sondern auch knapp vier Millionen Satoshi in einem mit dem Lightning Network zusammenhängenden Payment Channel, um an dem Community-Experiment teilzunehmen. Je größer also die Fackel brennt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu einem Ende kommt: Irgendwann wird sie so hell brennen, dass sich kein anderer Channel mit einer genügend hohen Liquidität findet.

Schwierigkeit bei großen Zahlungen

Es zeigen sich noch weitere Grenzen der Lightning-Technologie. Sagen wir mal, dass eine Person vier Channels offenhält, die jeweils eine Million Satoshi innehaben. Man könnte behaupten, dass diese Person über genügend Satoshi zur Weitergabe der Lightning Torch verfügt. Das Problem ist jedoch, dass das Geld in verschiedenen Channels ist – und diese nicht einfach ineinander überführbar sind.

Betrachten wir dazu ein Beispiel: Sagen wir, Alice möchte an Dave 0,05 BTC zahlen. Prinzipiell kann das über Bob und Carol gehen, sofern in den Payment Channels zwischen Alice und Bob, Bob und Carol sowie Carol und Dave 0,05 BTC verfügbar sind.

Nun möchte Alice an Dave 0,06 BTC zahlen. Da in einer weiteren Verbindung über Erin ein entsprechender Betrag verfügbar ist, funktioniert auch das. In Bildern gesprochen kann man sich das Netzwerk so vorstellen:

Kann Alice nun in einer Transaktion 0,11 BTC an Dave schicken? Da in den Payment Channels zwischen Carol und Dave sowie Erin und Dave insgesamt diese Summe zusammenkommt, müsste das doch gehen, oder?

Im bisher existierenden Lightning Network ist das nicht möglich. Theoretisch gesehen ginge das über zwei Transaktionen, jedoch keinesfalls über eine einzige.

Ein Lightning-Begeisterter mag nun sagen “So what? Dann zahlen wir eben in mehreren Zahlungen.” Alice würde also an Dave eine Zahlung über 0,05 BTC über Carol und Dave zahlen, und im zweiten Schritt über Erin eine über 0,06 BTC. Prinzipiell ist das möglich. Für den Zahlungsempfänger birgt das jedoch das Risiko, dass beispielsweise die Route über Erin ausfallen kann.

AMMS – Kommt von irgendwo ein Lichtlein her

Bei allem Enthusiasmus über das Lightning Network entwickelte sich das Community-Event zu einem Stresstest. Es zeigte Grenzen beim Zahlungsfluss auf, die die Frage aufkommen lassen, wie geeignet das aktuelle Lightning Network für einen realen Zahlungsverkehr ist. Verteidiger betonen, dass der primäre Use Case wirkliche Kleinsttransaktionen wären. Es stellt sich aber die Frage, wo die Grenze zu verorten ist.

Aus diesen Gründen arbeiten verschiedene Projekte an Lösungen des Liquiditätsproblems. Vor einiger Zeit berichteten wir vom Service Bitrefill. Das schwedische Unternehmen bietet Interessierten an, für sie Channel im Lightning Network mit einer zuvor definierten Liquidität zu eröffnen – gegen eine gewisse Summe verständlicherweise.

Auch auf Protokollebene möchten Entwickler die Situation verbessern. Unter der Abkürzung AMP verbergen sich Atomic Multi Path Payments. In obiger Abbildung haben wir versucht, die bisher geltenden Begrenzungen des Lightning Networks zu illustrieren.

Atomic Multi Path Payments sollen nun das Suchen verschiedener Pfade zwischen Alice und Dave automatisieren. Es werden die Pfade herausgesucht, die insgesamt über genügend Liquidität verfügen, um die gewünschte Zahlung schnell zu realisieren. Im obigen Bild wird durch diese Automatisierung das Risiko für Dave, eine unvollständige Zahlung zu erhalten, minimiert. Wer ein wenig die Möglichkeiten von Atomic Multipath Payments selber analysieren möchte, sei auf das Simulationstool von Robtex verwiesen.

SLP, Gitcoin, EOStorch – Ein Fackelzug am Krypto-Markt

Dass bei einem Event mit großer medialer Aufmerksamkeit die Konkurrenz auch aktiv wird, verwundert nicht. So auch im Fall der Lightning Torch: Bitcoin Cash, Ethereum und EOS möchten zeigen, dass eine Torch wie die Lightning Torch bei ihnen möglich ist und sie den Fackellauf besser als Bitcoin durchführen werden.

Die SLP-Torch ist ein Projekt im Bitcoin-Cash-Ökosystem, welches sich von der Lightning Torch inspirieren ließ. Ein Token namens Simple Ledger Protocol soll hier weitergegeben werden. Von einer Person mit dem Pseudonym Cipher Gnome gestartet, hatten schon Bitcoin-Cash-Stars wie Roger Ver die Fackel kurzzeitig getragen. Inzwischen scheint das Feuer jedoch erloschen sein; seit mehreren Tagen wurde die Fackel nicht weitergegeben.

Im Ethereum-Ökosystem startete Eric Conner die Gitcoin Torch. Diese hatte nicht einfach den Zweck, ein Showcase für schnelle Transaktionen oder ein Liquiditätstest zu sein. Das Zeil war vielmehr, Geld für Ethereum-basierte Projekte über die Gitcoin-Plattform zu akquirieren. Innerhalb von nur zwei Wochen kamen so umgerechnet 14.000 US-Dollar zusammen.

Das EOS-Ökosystem behauptet von sich, die schnellste Fackel der Krypto-Welt vorweisen zu können. Bei der EOS-Torch wird, ähnlich wie bei der SLP-Torch, ein Token weitergegeben. Interessant ist, dass theoretisch jeder Sender der Fackel eine Botschaft mitgeben kann. Einige davon lesen sich recht creepy:

Ich habe die unentrinnbaren magischen Formen des Glücks erforscht.

Auf immerhin 96 Transaktionen kann es die Fackel bisher bringen. Anders als die SLP-Torch und die Gitcoin-Torch scheint diese auch noch aktiv zu sein.

Satoshi World Tour – Little Toshi geht um die Welt

Nicht genügend Geld in einem Payment Channel, um an der Fackelweitergabe mitzumachen? Dann ist ein anderes Experiment vielleicht etwas interessanter: Unter den Hashtags #littletoshi und #SatoshiWorldTrip finden sich Enthusiasten, die einen Satoshi weitergeben möchten, zusammen. Anders als die Lightning Torch, die ein Elchtest für die Liquidität des Lightning Networks darstellte, ist dieses Community-Projekt eher als Beispiel für Kleinsttransaktionen zu betrachten.

Dem Lightning Network wünsche ich zum ersten Geburtstag alles Gute, dass es alle Liquiditätsprobleme beseitigen kann und sich als schnell nutzbares Zahlungssystem etabliert. Und mögen auch SLP, Gitcoin und EOStorch für die Entwicklungen auf den jeweiligen Blockchains förderlich sein.

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