Benoît Cœuré (EZB): „Libra war ein Weckruf für Zentralbanken“

Quelle: Shutterstock

Benoît Cœuré (EZB): „Libra war ein Weckruf für Zentralbanken“

Benoît Cœuré, Mitglied der Geschäftsleitung der Europäischen Zentralbank (EZB), gab in einer Rede jüngst Einsichten, inwiefern Facebooks geplante Kryptowährung Libra die Banken- und Finanzwelt beeinflussen könnte. Darin kam auch zur Sprache, warum Bitcoin als Währung keine Chance habe.

Benoît Cœuré, französischer Wirtschaftswissenschaftler und EZB-Direktoriumsmitglied, äußerte bei einer Rede am 17. September seine Einschätzung zu Facebooks Libra. Cœuré ging es unter anderem darum, inwiefern die geplante Kryptowährung und Stable Coins im Allgemeinen das bestehende Währungssystem verändern könnten.

Benoît Cœuré sieht Libra als ernstzunehmende Privatgeld-Initiative

Libra kann nach Cœuré die erste ernstzunehmende Währungsinitiative werden. Das liege vor allem daran, dass sich die Kryptowährung, sofern sie zugelassen wird, über ein privates Netzwerk mit globalem Ausmaß stülpe: Facebook. Denn das soziale Netzwerk mit den Tochter-Unternehmen WhatsApp und Instagram fasst gute 2,4 Milliarden Nutzer weltweit. Würden alle davon mit einer eigenen Kryptowährung versorgt werden, wären das gute 31 Prozent der Weltbevölkerung, die Libra nutzen könnten.

Das wiederum berge Vor- als auch Nachteile. Einen Vorteil sieht Benoît Cœuré klar in der finanziellen Inklusion – Menschen, denen die kapitalistischen Freuden bisher verwehrt wurden, könnten durch Stable Coins im Sinne des „Zuck-Buck“ bald Anschluss finden. Einer der größten Nachteile liegt auf der Hand: die Gefährdung der Privatsphäre.

Eine Weltwährung in den Händen eines Konzerns, der für seine Flapsigkeit im Umgang mit Daten bekannt ist; ob das gutgeht, darf indes bezweifelt werden.


[Anzeige]
Bitcoin kaufen mit dem Bitwala Konto. Warum ein Bankkonto bei Bitwala? Ein Bankkonto “Made in Germany” mit Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro; 24/7 Bitcoin Handel mit schneller Liquidität; Gehandelt werden ausschließlich ‘echte’ Bitcoin – keine Finanzderivate wie CFDs; Sichere Nutzerkontrolle über das Bitcoin Wallet und den private Schlüssel; Mit der kontaktlosen Debit-Mastercard weltweit abheben und bezahlen.

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Laut Benoît Cœuré stellen Stable Coins wie Libra dahingehend Herausforderungen in den Fragen „operative Robustheit, Sicherheit und Solidität der Zahlungssysteme, Kundenschutz, Risiken für die Finanzstabilität und die Währungssouveränität und nicht zuletzt Datenschutz und Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ dar.

Call to Action: Stable-Coin-Arbeitsgruppe gegründet

Umgehend gründete man bei der Europäischen Zentralbank eine eigene Arbeitsgruppe, um den Einfluss digitaler Währungen und vor allem von Stable Coins auf die Finanzstabilität zu untersuchen. Die Arbeitsgruppe soll indes für das anstehende G7-Treffen im Oktober bereit sein, die Minister mit Rat beiseitezustehen.

Letztlich besteht hier direkter Handlungsbedarf. Laut Benoît Cœuré schaff(t)en digitale Währungen das, was etablierte Währungen bisher kaum schaffen konnten:

Ich werde argumentieren, dass unter bestimmten Umständen und wenn es erlaubt ist, private digitale Geldformen die Vorherrschaft des US-Dollar leichter und schneller in Frage stellen könnten als Währungen, die von anderen Staaten ausgegeben werden.

Bitcoin & Co. stellen keine Gefahr dar

Bitcoin und andere Kryptowährungen (private Stable Coins wie Facebooks Libra ausgenommen) stellen jedoch nach Benoît Cœuré keine größere Gefahr für etablierte Währungen dar. Sie seien letztlich zu instabil:

[…] unstabile Krypto-Assets wie Bitcoin, dessen Kurs in Fiatwährungen extrem volatil ist, [werden] niemals als verlässliche Zahlungsmethoden dienen können.

Libra fordert Zentralbanken heraus

Letztlich verändere Digitalisierung die Art und Weise, inwiefern Währungen miteinander konkurrieren. Bei aller Vorsicht, zu der Libra gemahnt, zwinge sie Banken auch dazu, ihr Konzept zu überdenken und zu verbessern:

Libra war unzweifelhaft ein Weckruf für Zentralbanken, ihre Bemühungen zu verstärken, ihre bestehenden Zahlungskanäle zu verbessern. Dies allein ist zweifellos eine Win-Win-Situation für die globale Gemeinschaft. Es ist zu erwarten, dass die Fortschritte der Zentralbanken, die bereits an der technologischen Grenze tätig sind, die Geschwindigkeit der technologischen Verbreitung über die Grenzen hinweg erhöhen werden,

schließt Benoît Cœuré sein Plädoyer.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Ripple-Konkurrenz: Commerzbank fördert Marco Polo
Ripple-Konkurrenz: Commerzbank fördert Marco Polo
Altcoins

Das kalifornische Blockchain-Start-up Ripple will mit seinem XRP Token grenzüberschreitende Zahlungen ermöglichen. Doch damit hat sich das Unternehmen einen hart umkämpften Sektor ausgesucht. Das Marco-Polo-Zahlungsnetzwerk zählt unter anderem die Commerzbank sowie den russischen Stahlgiganten Novolipetsk Steel Company und die Alfa Bank zu seinen Partnern. 

Alles IOTA? Das sind die 5 Anwendungen, die unser Leben verändern könnten
Alles IOTA? Das sind die 5 Anwendungen, die unser Leben verändern könnten
Altcoins

Wenn über IOTA gesprochen wird, denken viele zuerst an intelligente Küchengeräte, die miteinander kommunizieren. Doch welche Potentiale tatsächlich in der vielversprechenden Technologie stecken, ist oftmals unklar. Handelt es sich bei IOTA um eine revolutionäre Technologie oder geht es dabei wirklich nur um sprechende Toaster? Wir geben einen Überblick über fünf mögliche Anwendungen von IOTA, die unseren Alltag maßgeblich verändern könnten.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Ripple-Konkurrenz: Commerzbank fördert Marco Polo
Ripple-Konkurrenz: Commerzbank fördert Marco Polo
Altcoins

Das kalifornische Blockchain-Start-up Ripple will mit seinem XRP Token grenzüberschreitende Zahlungen ermöglichen. Doch damit hat sich das Unternehmen einen hart umkämpften Sektor ausgesucht. Das Marco-Polo-Zahlungsnetzwerk zählt unter anderem die Commerzbank sowie den russischen Stahlgiganten Novolipetsk Steel Company und die Alfa Bank zu seinen Partnern. 

Bitcoin Miner aus Singapur von US-Gericht angeklagt
Bitcoin Miner aus Singapur von US-Gericht angeklagt
Mining

Ein Mann aus Singapur muss sich für die Beteiligung an einem Bitcoin-Mining-Betrug vor Gericht verantworten. Dies entschied das U.S. Department of Justice (DoJ), das Justizministerium der Vereinigten Staaten. Der Mann nutzte gestohlene Identitäten für das Mining von Bitcoin mithilfe Cloud Computing. Bei einer Verurteilung drohen dem Miner 30 Jahre Haft.

SEC: US-Börsenaufsicht stoppt Telegram Token Sale
SEC: US-Börsenaufsicht stoppt Telegram Token Sale
ICO

Die US-Börsenaufsicht stoppt vorzeitig den geplanten Token Sale des Messaging-Dienstes Telegram. Die Securities and Exchange Commission (SEC) stoppt den Telegram-Open-Network-Verkauf (TON-Verkauf), mit dem das Unternehmen bereits mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar eingesammelt hat.

Bitwala im Test: Bitcoin und Bankkonto unter einem Dach
Bitwala im Test: Bitcoin und Bankkonto unter einem Dach
Sponsored

Das Berliner FinTech-Bitwala bietet Tradern eine innovative Kombination aus Bitcoin Wallet, Brokerservice und Bankkonto an. Wir haben die erste Blockchain Banking App „Made in Germany“ unter die Lupe genommen. Fazit: Bitwala lässt die Konkurrenz beim Kauf und Verkauf von Bitcoin in Sachen Geschwindigkeit, Friction Costs und Transparenz deutlich hinter sich.

Angesagt

Bitcoin: „Blind, taub und dumm“ – Das Meinungs-ECHO
Kolumne

Bitcoin sei mit bewussten Einschränkungen konzipiert worden, meint IOHK-Chef Charles Hoskinson. Indessen erhält Libra, dessen regulatorischer Spießrutenlauf nach Brad Garlinghouse noch bis 2023 andauern könnte, moralische Unterstützung von VanEck-Direktor Gabor Gurbacs. Das Meinungs-ECHO.

Russland: Aus für den Krypto-Rubel?
Politik

Die Chefin der russischen Zentralbank, Elvira Nabiullina, äußerte sich erneut zur angedachten nationalen Kryptowährung. Die Nachforschungen der Autoritäten erlauben kein eindeutiges Urteil darüber. Der Krypto-Rubel scheint jedoch unwahrscheinlicher geworden zu sein. Russland als Beispiel von wankelmütigen Krypto-Coinern.

Regulierungs-ECHO: Irland, Blockchain und der Brexit
Politik

Japan, Irland, Nordirland und (natürlich) die USA sind heute Hauptakteure in unserem Regulierungs-ECHO. Alles, was in der letzten Woche in Regulierungs-Fragen und Bitcoin passiert ist.

Bitcoin-Report September 2019 – Bestandsaufnahme nach dem Kurssturz
Insights

Der Crash vom 24. September riss den Bitcoin-Kurs zwischenzeitlich unter die 8.000-US-Dollar-Marke. Auch wenn er zwischenzeitlich auf rund 8.500 US-Dollar steigen konnte, stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Mit einem Blick auf die Kursentwicklung, auf On-Chain-Aktivität und auf weitere Metriken möchten wir die Situation einschätzen.