Benoît Cœuré (EZB): „Libra war ein Weckruf für Zentralbanken“
Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Libra-Aufgang

Quelle: Shutterstock

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Benoît Cœuré, Mitglied der Geschäftsleitung der Europäischen Zentralbank (EZB), gab in einer Rede jüngst Einsichten, inwiefern Facebooks geplante Kryptowährung Libra die Banken- und Finanzwelt beeinflussen könnte. Darin kam auch zur Sprache, warum Bitcoin als Währung keine Chance habe.

Benoît Cœuré, französischer Wirtschaftswissenschaftler und EZB-Direktoriumsmitglied, äußerte bei einer Rede am 17. September seine Einschätzung zu Facebooks Libra. Cœuré ging es unter anderem darum, inwiefern die geplante Kryptowährung und Stable Coins im Allgemeinen das bestehende Währungssystem verändern könnten.

Benoît Cœuré sieht Libra als ernstzunehmende Privatgeld-Initiative

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Libra kann nach Cœuré die erste ernstzunehmende Währungsinitiative werden. Das liege vor allem daran, dass sich die Kryptowährung, sofern sie zugelassen wird, über ein privates Netzwerk mit globalem Ausmaß stülpe: Facebook. Denn das soziale Netzwerk mit den Tochter-Unternehmen WhatsApp und Instagram fasst gute 2,4 Milliarden Nutzer weltweit. Würden alle davon mit einer eigenen Kryptowährung versorgt werden, wären das gute 31 Prozent der Weltbevölkerung, die Libra nutzen könnten.

Das wiederum berge Vor- als auch Nachteile. Einen Vorteil sieht Benoît Cœuré klar in der finanziellen Inklusion – Menschen, denen die kapitalistischen Freuden bisher verwehrt wurden, könnten durch Stable Coins im Sinne des „Zuck-Buck“ bald Anschluss finden. Einer der größten Nachteile liegt auf der Hand: die Gefährdung der Privatsphäre.

Eine Weltwährung in den Händen eines Konzerns, der für seine Flapsigkeit im Umgang mit Daten bekannt ist; ob das gutgeht, darf indes bezweifelt werden.

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Laut Benoît Cœuré stellen Stable Coins wie Libra dahingehend Herausforderungen in den Fragen „operative Robustheit, Sicherheit und Solidität der Zahlungssysteme, Kundenschutz, Risiken für die Finanzstabilität und die Währungssouveränität und nicht zuletzt Datenschutz und Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ dar.

Call to Action: Stable-Coin-Arbeitsgruppe gegründet

Umgehend gründete man bei der Europäischen Zentralbank eine eigene Arbeitsgruppe, um den Einfluss digitaler Währungen und vor allem von Stable Coins auf die Finanzstabilität zu untersuchen. Die Arbeitsgruppe soll indes für das anstehende G7-Treffen im Oktober bereit sein, die Minister mit Rat beiseitezustehen.

Letztlich besteht hier direkter Handlungsbedarf. Laut Benoît Cœuré schaff(t)en digitale Währungen das, was etablierte Währungen bisher kaum schaffen konnten:

Ich werde argumentieren, dass unter bestimmten Umständen und wenn es erlaubt ist, private digitale Geldformen die Vorherrschaft des US-Dollar leichter und schneller in Frage stellen könnten als Währungen, die von anderen Staaten ausgegeben werden.

Bitcoin & Co. stellen keine Gefahr dar

Bitcoin und andere Kryptowährungen (private Stable Coins wie Facebooks Libra ausgenommen) stellen jedoch nach Benoît Cœuré keine größere Gefahr für etablierte Währungen dar. Sie seien letztlich zu instabil:

[…] unstabile Krypto-Assets wie Bitcoin, dessen Kurs in Fiatwährungen extrem volatil ist, [werden] niemals als verlässliche Zahlungsmethoden dienen können.

Libra fordert Zentralbanken heraus

Letztlich verändere Digitalisierung die Art und Weise, inwiefern Währungen miteinander konkurrieren. Bei aller Vorsicht, zu der Libra gemahnt, zwinge sie Banken auch dazu, ihr Konzept zu überdenken und zu verbessern:

Libra war unzweifelhaft ein Weckruf für Zentralbanken, ihre Bemühungen zu verstärken, ihre bestehenden Zahlungskanäle zu verbessern. Dies allein ist zweifellos eine Win-Win-Situation für die globale Gemeinschaft. Es ist zu erwarten, dass die Fortschritte der Zentralbanken, die bereits an der technologischen Grenze tätig sind, die Geschwindigkeit der technologischen Verbreitung über die Grenzen hinweg erhöhen werden,

schließt Benoît Cœuré sein Plädoyer.


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