Anhörung: SEC und CFTC vor dem US-Senat

Am gestrigen Nachmittag gab es vor dem Banking Committee, dem Banken- und Finanzausschuss des US-amerikanischen Senats, eine Anhörung zum Thema Kryptowährungen, ICOs und Regulierung des Marktes. Vorgeladen waren Jay Clayton, Chairman der SEC, und Christopher Giancarlo, Chairman der CFTC. Das Ergebnis, zu dem die beiden Behördenvertreter kamen, kann insgesamt als beruhigend für die Krypto-Community gewertet werden.

Anhörungen von Vertretern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung sind in demokratischen Systemen keine Seltenheit. Dabei geht es weniger um einen Rapport, bei dem sich die geladene Person für sein Handeln zu verantworten hat, sondern vielmehr um das Einholen von Expertenmeinungen zur Anregung von Gesetzesinitiativen. Es gibt diese Anhörungen sowohl in kleineren parlamentarischen Runden als auch in Ausschüssen im Bundestag oder anderen Parlamenten. So geschehen auch am gestrigen Dienstag, als der Chairman der Securities and Exchanges Commission (SEC) Jay Clayton und sein Amtskollege der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) Christopher Giancarlo vor das Banking Committee des Senats traten.



Ungefähr eineinhalb Stunden äußerten sich die Vertreter der beiden wichtigen Regulierungsbehörden vor den Repräsentanten des Kongresses zu den Themen Kryptowährungen, ICOs und dem Wunsch nach einer geordneten Regulierung. Dabei verfolgten beide Männer einen ähnlichen Ansatz, einen regulatorischen Ansatz zu finden, der dem Krypto-Ökosystem als Ganzem hilft anstatt ihn seiner Stärken zu berauben. Metaphorisch formuliert möchte man das zarte – wenn auch schnell wachsende – Pflänzchen Kryptowährungen nicht durch eine überbordende Regulierung zertrampeln, sondern vielmehr das Unkraut drumherum jäten, welches ein gesundes und nachhaltiges Wachstum behindert.

SEC-Chairman Clayton unterstrich einmal mehr die Auffassung einer Behörde, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen trotz der Bezeichnung Währung, die sie in ihrem Namen tragen, weniger als Äquivalent zu Fiatwährungen betrachtet werden können, sondern in der derzeitigen Nutzung als Wertpapiere gelten müssen. Nach SEC-Auslegung handelt es sich bei Kryptowährungen also um eine neue Anlageklasse, die ähnlich reguliert werden sollte wie der traditionelle Finanzmarkt. Überhaupt sind verbindende Elemente, etwa die im Dezember vergangenen Jahres gestarteten Bitcoin-Futures, ein willkommenes Instrument, um eine regulatorische Handhabung zu gewinnen.

„Wir schulden es der neuen Generation, auf deren Enthusiasmus für virtuelle Währungen nicht mit Abwertung zu reagieren, sondern mit einer durchdachten und abwägenden Antwort“, so Christopher Giancarlo, dessen eigene Kinder laut ihm über Kryptowährungen mit dem Konzept der Finanzmärkte in Kontakt gekommen seien. Wie seinen Kindern gehe es Millionen jungen Menschen weltweit, was Kryptowährungen zu einer Art Einstieg in die globale Finanzwelt mache. Auf diese Bewegung müsse man aufbauen, gleichzeitig aber auch verhindern, dass das sich neu bildende Vertrauen von Betrügern und unseriösen Projekten ausgenutzt werde. Speziell der explosionsartige Anstieg neuer ICOs gibt sowohl der SEC als auch der CFTC zu denken.

Unterm Strich bleibt also keine neue bahnbrechende Erkenntnis. SEC und CFTC wünschen sich eine stärkere gesetzgeberische Kompetenz, um die Entwicklungen des Krypto-Marktes in die richtige Richtung zu lenken. Jedoch gestehen beide auch ein, dass eine totale Kontrolle weder in ihrem Sinne noch im Rahmen ihrer Möglichkeiten liege. Vielmehr gelte es, in der breiten Bevölkerung ein besseres Bewusstsein für Krypto-Investments und die dahinter liegende Blockchain-Technologie zu schaffen – es bleibt zu hoffen, dass dies zumindest bei den anwesenden Senatoren gelungen ist.

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Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Studium hat er im Fach Politik und Wirtschaft an der Universität Münster mit dem Bachelor abgeschlossen und war während seines Studiums zudem am Lehrstuhl als studentische Hilfskraft tätig. Darüber hinaus sammelte er berufliche Erfahrungen in der parlamentarischen Arbeit und in der strategischen Kommunikation, bevor er in das journalistische Fach wechselte. Seit 2017 widmet er sich der Blockchain-Technologie, wobei er sich insbesondere auf die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fokussiert.