Winklevoss-ETF: Ablehnung alles andere als ein Drama für Bitcoin

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: © Tracy King - Fotolia.com

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Wir von BTC-ECHO haben in den letzten Tagen viel über den Winklevoss-ETF berichtet (hier gehts zu unserem Youtube-Video) und Euch auch gestern zeitnah die vermeintlich schlechten Nachrichten mitgeteilt. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Der Winklevoss-ETF wurde gestern gegen 21 Uhr MEZ von der US-Wertpapierbehörde SEC abgelehnt. Es wird keinen börsengehandelten Bitcoin-Fond geben.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

Wie zu erwarten war, sackte der Bitcoin-Kurs daraufhin deutlich ab. Schaut man sich den Chart unten an, so braucht man nicht lange, um zu erkennen, wann die SEC ihr Urteil verkündet hat.

Auch gut zu erkennen ist allerdings, dass sich seit der Entscheidung der Bitcoin-Kurs wieder gut erholt hat. Ein Crash ist ausgeblieben. Alles halb so schlimm. Auch der Kursverlust ist derzeit angesichts des vorangegangenen Hypes noch “moderat”. Ein Beweis für den starken Support, unabhängig von großen Entscheidungen.

Was waren die offiziellen Gründe?

In dem 38-seitigen Ablehnungsbescheid der Behörde wurden zwei Hauptgründe für den negativen Ausgang genannt.


Hier der entscheidende Satz seitens der SEC:

“Die Kommission ist der Ansicht, dass zur Einhaltung der Standards an einer Börse, wo Commodity-Trust Exchange-Traded Products (“ETPs”) gelistet und gehandelt werden, neben anderen Erfordernissen, zwei Anforderungen erfüllt sein müssen, die in diesem Fall negativ sind. Erstens muss gewährleistet sein, dass Kontroll- und Überwachungsmechanismen mit relevanten Marktplätzen gegeben sind, um den Basiswert, egal ob Commodity oder Derivat, ausreichend im Börsenhandel nachvollziehen zu können. Zweitens müssen diese Märkte reguliert sein.”

Wie im Bericht noch weiter ausgeführt wird, hält die Kommission das Bitcoin-Marktumfeld für noch zu jung und zu wenig reguliert. Noch einfacher formuliert: Der Markt ist nach Ansicht der Kommission noch nicht reif für einen börsengehandelten Bitcoin-Fond.

Was waren die inoffiziellen Gründe?

Sicherlich steht die institutionelle Regulierung von Bitcoin noch relativ am Anfang und auch die Kontrollmechanismen im Bitcoin-Börsenumfeld mögen noch nicht mit einem alteingesessenen ETF auf den Dow Jones vom Emittenten Goldman Sachs oder BlackRock mithalten können. Auch in Sachen Marktliquidität ist Bitcoin vergleichsweise marginal. Doch musste deswegen dem ETF eine Absage erteilt werden?

Von der Hand gewiesen werden können die zwei Ausschlusskriterien der SEC nicht, allerdings ist davon auszugehen, dass noch weitere Gründe für die Ablehnung des ETF ausschlaggebend waren.

Schließlich hätte eine Zulassung des ETF eine enorme Signalwirkung gehabt. Andere Fondgesellschaften würden zeitnah folgen und ebenfalls einen börsengehandelten ETF mit dem Basiswert Bitcoin herausgeben wollen. Die Gefahr geradezu hysterischer Emittierungswellen und Kapitalzuflüsse in Milliardenhöhe würde stark anwachsen.

Für einen Vermögenswert, dessen Marktkapitalisierung bei knapp 20 Milliarden US-Dollar liegt, wäre das ein unkalkulierbares Risiko – ein Risiko der Blasenbildung. Es würde nicht verwundern, wenn an der Wall Street bereits Entwürfe in den Schubladen der Investmentgesellschaften für einen Bitcoin-Fond liegen, die nur darauf warten  von der SEC genehmigt zu werden.

Eine solcher Kapitalzufluss wäre in erster Linie für Spekulanten und Fondgesellschaften interessant, nicht aber für Investoren, die ein stabiles, langfristiges und vor allem nachhaltiges Wachstum von Bitcoin erwarten. Entsprechend sinnvoll kann es sein mit einer ETF-Zulassung noch etwas zu warten, bis nicht nur die Marktkapitalisierung, sondern auch die Bitcoin-Infrastruktur weiter ausgebaut ist.

Wird es jemals einen Bitcoin-ETF geben?

Aufgeschoben heißt nicht aufgehoben. Die schlichte Tatsache, dass mit dem Handel von Bitcoins viel Geld verdient werden kann, wird in der Logik des gegenwärtigen Finanzkapitalismus dazu führen, dass es über kurz oder lang einen behördlich genehmigten Bitcoin-Fond geben muss. Es wäre doch sehr verwunderlich, wenn sich die tendenziell finanzliberalen, staatlichen US-Behörden für immer und ewig gegen einen Bitcoin-ETF stellen würden. Erfahrungsgemäß wird der Marktnachfrage nachgegeben und die Nachfrage nach Bitcoin wächst kontinuierlich an.

Etwas gedulden muss sich der Markt aber auf jeden Fall. Würde die SEC nun ein paar Monate später einem Antrag auf Zulassung eines Bitcoin-ETF zustimmen, dann würde sie ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Zudem würden ihre Argumente gegen die Zulassung zur Farce werden. Schließlich kann ein Markt, der gegenwärtig als noch zu jung und unreguliert beurteilt wird, nicht in fünf Monaten reif und reguliert genug für eine Zulassung sein.

Aber wer weiß, wenn die Marktkapitalisierung und die Infrastruktur von Bitcoin weiter so wächst, dann könnte es von der SEC in den nächsten ein bis zwei Jahren durchaus ein positives Votum zum Bitcoin-ETF geben. Nicht wenigen Vertretern des US-amerikanischen Finanzmarktes wäre es doch sehr unangenehm, wenn andere große Nationen, insbesondere im asiatischen Raum, dem US-Finanzplatz zuvorkommen würden. Wenn man etwas schon nicht verhindern kann, dann möchte man doch zumindest so viel Kontrolle erlangen, wie nur eben möglich – eine Logik, die sich die SEC nicht auf ewig hin wird entziehen können.

Bitcoin hat den Champions League Einzug knapp verpasst

Es sei folgende Fußballanalogie erlaubt. Eine Fond-Genehmigung der SEC kann mit dem Einzug in die Champions League verglichen werden. Eine Fußballmannschaft, die eine Spitzensaison spielt möchte natürlich unbedingt bei der Champions League dabei sein. Leider hat Bitcoin den Einzug knapp verpasst – ärgerlich für den Moment, aber langfristig Motivation genug sich noch mehr anzustrengen. Bitcoin muss noch mehr Spielerfahrung sammeln, um mit den ganz Großen mithalten zu können. Und das ist gut so. Bei der gegenwärtigen Entwicklung wird dies aber nicht mehr lange dauern, sodass Bitcoin-ETFs bald gemeinsam mit Gold- und Dow Jones-ETFs auf dem Spielfeld stehen, mit mehr Rückgrat denn je zuvor.

BTC-ECHO


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