Warum so viele Kryptowährungen existieren – eine Erklärung

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Warum so viele Kryptowährungen existieren – eine Erklärung

Währungen gibt es in der Regel in sehr beschränkter Anzahl, nicht jedoch bei Kryptowährungen. Nicht nur im Rahmen von ICOs emittierte Token, sondern für sich stehende Kryptowährungen entstehen mit hoher Schlagzahl. Warum ist das so und ist das wirklich sinnvoll? 

In einem wohlsortierten Schreibwarenladen gibt es hunderte von verschiedenen Bleistiften, bei denen der Laie sich fragt, ob sie am Ende nicht alle leicht grauen Graphit auf ein Papier auftragen. Was die jeweiligen Alleinstellungsmerkmale eines HB-Bleistiftes gegenüber einem anderen sind, ist oft nicht zu erkennen.

Gerade Neulinge im Kryptobereich kommen sich auf Seiten wie unserem Preisindex vor wie in jenem Schreibwarenladen.

Insgesamt listet laut Coinmarketcap 1.634 Kryptowährungen. Zu bedenken ist, dass das nur offiziell gelistete Währungen sind – ungeachtet derer, die abseits der Aufmerksamkeit von Listing-Plattformen irgendwo auf der Welt geschaffen wurden.

Außerdem ist zu betonen, dass nur ungefähr die Hälfte tatsächlich eigenständige Kryptowährungen sind. Leider wird häufig der Unterschied zwischen einem Token und einem Coin ignoriert. Das ist fatal, sind doch nur die letzteren Kryptowährungen im eigentlichen Sinne.


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Coinmarketcap selbst listet 839 solcher Kryptowährungen. Zwar sind das weniger als tausend, jedoch immer noch eine große Menge.

Warum gibt es so viele Kryptowährungen?

Zynisch könnte man sagen: aus Gier. Ein Großteil der Kryptowährungen – und ein noch größerer Teil der Token – ist vor allem geschaffen, damit man sie auf Exchanges zu einem höheren Preis verkaufen kann.

Die Menge an Kryptwährungen ist aber auch ein Phänomen, welches man auch aus der Open-Source-Kultur kennt. Ein Blick auf den Linux-Stammbaum zeigt, dass auch andere Sektoren hundert Varianten einer Sache haben können. Wie im Fall von Linux möchten die verschiedenen Kryptowährungen bestimmte Aspekte stärker betonen als andere das tun. So fokussiert sich Monero auf Anonymität oder Ethereum auf Smart Contracts, während Bitcoin seinem eigentlichen Use-Case treu bleibt.

Mit Hard Forks hat sich diese Situation noch verstärkt. Im Idealfall kann man Hard Forks als Proposal verstehen, welches eine alternative Strategie verfolgt. Bitcoin/Bitcoin Cash und Ethereum/Ethereum Classic sind hierfür zwei Beispiele.

Sind so viele Kryptowährungen überhaupt sinnvoll?

Nur in wenigen Fällen ist die Koexistenz von Kryptowährungen sinnvoll. Der Mehrwert bzw. Zweck einer Währung besteht schließlich darin, dass es möglichst viele Einsatzstellen gibt. Wenn sich die Gesellschaft also aufteilt und unterschiedliche Währungen verwendet, ergeben sich dadurch gewisse „Reibungsverluste“ durch den Währungsumtausch.

Es sieht also so aus, als würde man mit einer zunehmenden Diversifizierung von Währungen an Effizienz verlieren.

Dennoch muss man relativieren: Nicht jede Kryptowährung, die als solche bezeichnet wird, erfüllt einen wirklichen Währungszweck.

Zuallererst wären da die Utility-Token. Obwohl sie, wie oben kurz angerissen, nicht wirklich als Kryptowährungen zu verstehen sind, werden sie vereinfacht häufig so genannt. Sie dienen dazu, für eine dezentrale Applikation (dApp) Gebühren zu bezahlen. So kann es beispielsweise einen Service geben, der eine Vermittlung von Autofahrern und Mitfahrern über eine dezentrale Plattform bietet. Möchten Nutzer diesen Service nutzen, bezahlen sie in einer eigenen, nur für diesen Zweck geschaffenen Währung, in diesem Beispiel den „Mitfahrer-Token“.

Warum gibt es Utility-Tokens, statt dass Plattformen Bitcoin akzeptieren?

Man könnte auch beim oben geschilderten Beispiel anbringen, dass eine einzelne Währung ausreichen würde. Der Zweck von Utility-Tokens ist jedoch, dass Investoren diesen in ICOs als Spekulationsobjekt erwerben können. Sie kaufen einen Token also z. B. für einen Euro – hoffen jedoch darauf, dass Nutzer später bereit sind, fünf Euro für eine Autovermittlung (die einen Token kostet) wert ist und diesem den Token für fünf Euro abkaufen.

Mit einem neuen Token schafft man also die Möglichkeit, dieses initial verkaufen zu können.

Nicht zwingend braucht man einen eigenen Token, um ein Finanzierungsvehikel zu schaffen, auf dessen Basis eine neue Plattform entwickelt werden kann. Eine weitere Alternative wäre, statt des eigens geschaffenen Objektes eine Art Aktie auf der Blockchain herauszugeben. Dann werden die Token bzw. diese Kryptowährung nur von Investoren besessen und bei z. B. Dividendenausschüttungen berücksichtigt – Nutzer der Plattform benötigen die weitere Währung nicht. Man spricht in diesem Zusammenhang von Security-Token.

Man merkt den Beispielen jedoch das Risiko an, dass am Ende der Aspekt der Gier überwiegt. Entsprechend sollten sich junge Projekte immer fragen, was konkret die Rolle ihres emittierten Token oder ihrer neuen Kryptowährung ist, was am Ende für ein Mehrwert dahinter steht. Außerdem sollten Projekte überlegen, ob sie mithilfe einer Entwicklung einer auf eine bestimmte Kryptowährung aufsetzenden Anwendung dem gesamten Ökosystem nicht besser helfen können.

Der Investor sollte im Rahmen von Investmententscheidungen dieselbe Frage stellen: Was ist das Alleinstellungsmerkmal des anvisierten Projekts? Braucht es dazu tatsächlich eine neue Kryptowährung oder einen emittierten Token?

BTC-ECHO

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