Marktupdate Ungleichgewicht im Futures-Handel drückt den Bitcoin-Kurs (BTC)

Moritz Draht

von Moritz Draht

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Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

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Nur kurz währte der Ritt oberhalb der 10.000 US-Dollar, bevor der Bitcoin-Kurs schnurstracks in die Tiefe brauste. Was steckt dahinter?

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 4. Juni 2020 08:06 Uhr von Moritz Draht

Nur einen Tag nachdem der Bitcoin-Kurs nach langer Zeit wieder die Angstmarke von 10.000 US-Dollar durchbrach, steht die Krypto-Welt auf dem Kopf. Mit einem 24-stündigen Minus von 5,7 Prozent notiert der Bitcoin-Kurs bei 9.499 US-Dollar und steht somit wieder dort, von wo aus er seine Mini-Rallye startete.

Bitcoin-Kurs im Wochenchart

Insgesamt drei mal testete der Bitcoin-Kurs innerhalb der letzten acht Monate den Widerstand bei 10.5000 US-Dollar und prallte immer wieder an der Marke ab. Trotz der jüngsten Kurskorrektur kann der Bitcoin-Kurs ein Wochenplus von 7,4 Prozent retten. Die 10.000-US-Dollar-Marke rückt jedoch nach dem letzten gescheiterten Versuch wieder vorläufig in die Ferne.

Altcoins segeln mit

Auch die Altcoins wurden von den Markt-Turbulenzen am gestrigen Nachmittag zu Boden gedrückt. Während der Bitcoin-Kurs innerhalb weniger Minuten um rund 1.500 US-Dollar fiel, stürzte der Ether-Kurs (ETH) von 250 auf 230 US-Dollar. Mit einem Minus von 5,3 Prozent auf Tagessicht fällt die zweitgrößte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung auf aktuell 234,64 US-Dollar. Trotz des jüngsten Kursabschlags kann Ether ein Wochenplus von 17 Prozent behaupten.


Nach einer deutlichen Kurssteigerung der letzten Tage ist der XRP-Kurs ebenfalls mit in die Tiefe gerauscht. Im Tagesverleich verliert der Ripple-Coin 3,9 Prozent an Wert und fällt somit auf aktuell 0,202 US-Dollar. Demgegenüber steht immerhin ein Plus von 3,8 Prozent der letzten sieben Tage.

Die gestrigen Marktverwerfungen haben sich zwar auch im IOTA-Kurs eingepreist. Mit einem Minus von 0,2 Prozent notiert die Internet-der-Dinge-Währung aber nahezu unverändert bei 0,233 US-Dollar. Ungeachtet dessen verbucht der IOTA-Kurs zudem ein staatliches Polster von 20,3 Prozent im Wochenvergleich.

Bitcoin-Kurs fällt durch Ungleichgewicht am Futures-Markt

Nur kurze Zeit konnte der Bitcoin-Kurs während des gestrigen Handelsverlaufs die Marke von 10.000 US-Dollar verteidigen. Nach einem rasanten Anstieg in den frühen Morgenstunden ist die Krypto-Leitwährung gegen 16 Uhr in weniger als 15 Minuten um 14 Prozent von 10.180 auf 9.600 US-Dollar gefallen. Was sind die Ursachen für die Berg- und Talfahrt?

Ein Auslöser für die Kursschwankung waren Ungleichgewichte im Futures-Markt. Als der Bitcoin-Kurs stieg, sind die Kaufliquidationen an der Krypto-Exchange BitMEX sprunghaft angestiegen. Nur kurze Zeit später stiegen die Verkaufsliquidationen stark an, da Händler von Long-Positionen zum Verkauf gezwungen waren.

Bitcoin-USD-Liquidation
Grafik von Skew

Eine Kaufliquidation bei einem Bitcoin-Kontrakt tritt ein, wenn eine verlierende Short-Position aufgelöst wird, was den Kauf von Bitcoin nach sich zieht. Gleiches gilt umgekehrt bei einer Verkaufsliquidation. Schließen verlierende Long-Positionen, kommt es zum Abverkauf von Bitcoin. Durch eine ungleiche Verteilung der Kontrakte am Markt erklärt sich, warum der Bitcoin-Kurs ebenso rasch stieg, wie er wieder fiel.

Fund Rate deutete Kurssturz an

Dieses Ungleichgewicht zwischen Short– und Long-Positionen deutete sich bereits zuvor im Anstieg der Fund Rate, also des Zinssatzes, an. Der Zinssatz passt sich der Verteilung von Short– und Long-Positionen an und soll so ein Gleichgewicht zwischen den Postionen am Markt regulieren. Entsprechend müssen Inhaber von Long-Kontrakten oder Short-Kontrakten ihren Wett-Kontrahenten eine Gebühr zahlen. Kommt es zu einem Anstieg des Bitcoin-Kurs und der Fund Rate, müssen Händler von Long-Positionen alle acht Stunden Gebühren entsprechend des Zinssatzes an den Inhaber des Short-Kontraktes zahlen. Dieser Mechanismus soll verhindern, dass der Markt ungleich zugunsten von Long– oder Short-Positionen ausschwankt.

Diese Fund Rate ist um 14 Uhr auf BitMEX von zuvor 0,0100 Prozent auf 0,1644 Prozent gestiegen. Die Mehrheit der Händler hielten demnach in Erwartung eines Anstiegs Long Positionen. Demgegenüber wurden deutlich weniger Short-Positionen gehalten. In der Folge kam es zu einem Long Squeeze, also einer massenhaften Liquidierung von Long-Kontrakten. Die Gesamtabwicklungen von Käufen beliefen sich in den letzten 24 Stunden auf 141 Millionen US-Dollar, während die Abwicklungen von Verkäufen bei 121 Millionen US-Dollar lagen. Insgesamt wurden somit in den letzten 24 Stunden 263 Millionen US-Dollar allein an der Bitcoin-Derivatebörse BitMEX liquidiert.


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