Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“
Libra, Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“

Quelle: Shutterstock

Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hat Richtlinien zu Stable Coins veröffentlicht. Der Veröffentlichung soll eine Lizenzanfrage der Libra Association vorausgegangen sein.

Bitcoin und die meisten Kryptowährungen sind für ihre Volatilität bekannt – Kursschwankungen von mehreren Prozent am selben Tag sind hier keine Seltenheit. Stable Coins versprechen eine sichere Alternative. Sie stellen ein Gegengewicht zu den mitunter stark volatilen Kursen von Bitcoin & Co. dar, indem sie (theoretisch) durch einen festen Gegenwert gedeckt sind.

Um diesen Coins einen regulatorischen Rahmen zu geben, hat die Schweizer Finma nun Richtlinien veröffentlicht. Die Regulierungsbehörde reagiert damit direkt auf eine Anfrage von Facebook betreffs des geplanten Kryptowährungsprojekts Libra. Grundsätzlich gelten nach Aussagen der Finma die Richtlinien, die bereits für ICOs gelten, vor allem in Bezug auf die Verhinderung von Geldwäsche.

Finma zu einer möglichen Zulassung des Facebook Coins Libra

Zunächst, so heißt es in der Mitteilung, benötige Facebooks Libra eine Zulassung und eine Einordnung als Zahlungssystem:

Das Projekt, wie heute geplant, würde eine Bewilligung der FINMA als Zahlungssystem auf der Basis des Finanzmarktinfrastrukturgesetzes (FinfraG) benötigen.


Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“
[Anzeige]
Bitcoin, Ethereum, Ripple, IOTA und die bekanntesten Kryptowährungen auf Plus500 handeln. Warum Plus500? Kostenloses Demo-Konto; Mobile Trading-App; Einzahlungen per PayPal; große Auswahl an verschiedenen Finanzprodukten (Kryptowährungen, Aktien, Rohstoffe, ETFs, Devisen, Indizies).

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Ferner, so die Finanzmarktaufsicht der Schweiz, müsse man die internationalen Standards, insbesondere die „Principals for Financial Market Infrastructures“ befolgen. Ein etwaiges Ökosystem des Libra-Projektes müsse außerdem gewährleisten können, gegen Geldwäschereirisiken immun zu sein. Außerdem gelten für Facebooks Libra zusätzliche Anforderungen, da sie nicht nur ein Zahlungssystem bieten, sondern auch eigene Token herausgeben:

Wegen der Ausgabe eigener Zahlungstoken würden die geplanten Dienstleistungen des Libra-Projektes über ein reines Zahlungssystem klar hinausgehen und deswegen solchen zusätzlichen Anforderungen unterliegen.

Auch hier ist es jedoch laut Mitteilung nicht nötig, das Rad neu zu erfinden. Vielmehr empfiehlt die Schweizer Börsenaufsicht, geltendes Recht anzuwenden:

Die zusätzlichen Anforderungen würden auf anerkannten Standards für vergleichbare Tätigkeiten im Finanzmarkt beruhen und müssten der Dimension des Projektes entsprechen. So müssten beispielsweise bankähnliche Risiken auch bankähnlichen Regulierungsanforderungen unterliegen. Eine Bewilligung als Zahlungssystem würde somit die Kombination der relevanten Anforderungen des Finanzmarktinfrastruktur- und Bankenrechts erlauben.

Schließlich, das sei die Grundbedingung für eine etwaige Zulassung, muss die Libra Association alleinverantwortlich für das Projekt sein:

Grundvoraussetzung für eine Bewilligung als Zahlungssystem wäre, dass die mit der Verwaltung der Reserve verbundenen Erträge und Risiken vollständig von der Libra Association und nicht – wie z. B. bei einem Fondsanbieter der Fall – von den allfälligen Besitzern des „Stable Coin getragen“ würden.

Internationale Zusammenarbeit unverzichtbar

Letzten Endes müssen internationale Reg(ul)ierungsbehörden zusammenarbeiten, um den Bitcoin-Abkömmling aus dem Hause Facebook sinnvoll in Schach zu halten:

Die geplante internationale Reichweite des Projektes macht ein international koordiniertes Vorgehen unverzichtbar. Insbesondere die Definition der Anforderungen an die Verwaltung der Reserve, an die Corporate Governance bei deren Verwaltung sowie an die Bekämpfung der Geldwäscherei wäre international auszuarbeiten.

Bis zu einer etwaigen Bewilligung sind jedoch noch einige bürokratische Hürden zu erklimmen. Ein Bewilligungsverfahren, so die Finma weiter, würde erst dann starten, wenn ein konkretes Bewilligungsgesuch eintreffen sollte. Die Finma „würde praxisgemäss weder über den Stand eines laufenden Verfahrens informieren, noch sich zum Zeitpunkt eines möglichen Verfahrensabschlusses äußern“.

Financial Action Task Force beobachtet Libra

Auch die Financial Action Task Force (FATF) mit Sitz in Paris hat das Projekt indes im Auge. Xiangmin Liu, der neue Vorsitzende der FATF, äußerte Reuters zufolge bei einem Event in London zum Thema Libra: „Wir möchten sichergehen, dass signifikante Risiken, die vorhanden sind, auch angesprochen werden.“ Er stört sich vor allem an der Anonymität von Bitcoin & Co., die „von ernstzunehmenden Kriminellen“ ausgenutzt werde.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Libra, Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“
Liquid.com sagt Initial Exchange Offering für Gram ab
Altcoins

Der Rechtsstreit zwischen dem Messaging-Anbieter Telegram und der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) dauert an – ein Start des Telegram Open Network ist noch immer nicht in Sicht. Die japanische Bitcoin-Börse Liquid.com hat nun den Token Sale für die geplante Telegram-Kryptowährung Gram abgesagt.

Libra, Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“
Venezuela: Maduro hält an staatlicher Kryptowährung Petro fest
Altcoins

In Mitten von politischen Unruhen, drastischen Sanktionen und einer maroden Wirtschaft setzt Venezuelas Präsident weiter auf seine staatliche Kryptowährung. Dass ausgerechnet der kaum akzeptierte Petro den erhofften Befreiungsschlag bringt, bleibt weiterhin fraglich. Vielmehr sieht es danach aus, dass die Bürger des krisengebeuteten Staates lieber Bitcoin & Co. ihr Vertrauen schenken.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Libra, Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“
Bitcoin-Kursprognosen unter der Lupe
Wissen

Bitcoin-Kursprognosen existieren wie Sand am Meer. Neben absurd positiven oder negativen Abschätzungen basieren viele auf Modellen, die man in unterschiedliche Klassen unterteilen kann. Dieser Artikel möchte in diese Modelle einführen.

Libra, Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“
Performance von Bitcoin so hoch wie seit Monaten nicht mehr
Märkte

Die Korrelation Bitcoins mit den übrigen Assets ist leicht negativ. Die Volatilität bewegt sich weiterhin um die bekannten drei Prozent und die Performance ist so hoch wie seit einem halben Jahr nicht mehr.

Libra, Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“
Die Top Bitcoin und Blockchain News der Woche
Kolumne

Der BTC-ECHO Newsflash. Die wichtigsten Bitcoin und Blockchain News der vergangenen Woche.

Libra, Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“
5 Bitcoin Lightning Games, die du kennen solltest
Bitcoin

Bitcoins Second-Layer-Lösung Lightning wächst weiter. Ein Teil des Wachstums ist Anwendungen wie Blockchain Minigames geschuldet. Hier sind fünf Lightning Games, die du kennen solltest.

Angesagt

Bitcoin beliebt im braunen Milieu
Szene

Bitcoin & Co. werden im rechtsradikalen Spektrum in einem immer größer werdenden Maßstab zur Finanzierung von Plattformen und Organisationen genutzt. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Anhörung im US-Kongress.

NBA-Team vertickt Trikot-Token
Blockchain

Die Blockchain-Technologie erreicht zunehmend Bereiche des Profisports. So auch beim NBA-Team Sacramento Kings. Über eine blockchainbasierte App können Sportbegeisterte künftig die getragenen Artikel ihrer Stars ergattern.

Kanada gibt neue Krypto-Richtlinien heraus
Regulierung

Die kanadische Wertpapieraufsicht hat neue Richtlinien für die Regulierung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen herausgegeben. Sie soll den Umgang mit digitalen Assets in rechtlich gesicherte Sphären bringen.

US-Börsenaufsicht warnt vor IEOs
Regulierung

Die US-amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) warnt US-amerikanische Investoren bei Inital Exchange Offerings (IEO) zur Vorsicht.

Schweizer Finma zu Facebooks Libra: „Internationales Vorgehen unverzichtbar“