EZB-Offensive 

Tokenisierung: EZB plant mit Appia und Pontes die digitale Finanz-Infrastruktur

Ohne einen sicheren Anker in Zentralbankgeld drohen Europas tokenisierte Märkte zu scheitern. Die EZB präsentiert mit Appia ihre Lösungsidee.

David Scheider
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| Piero Cipollone (l) im Gespräch mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), hat in einer Grundsatzrede in Brüssel die strategische Bedeutung der Tokenisierung für den europäischen Finanzplatz unterstrichen. Während Europa mit der MiCA-Regulierung bereits ein Fundament gelegt habe, verhindern laut Cipollone zwei Hindernisse die Skalierung: Die Fragmentierung der DLT-Plattformen und das Fehlen eines vertrauenswürdigen, digitalen Token in Zentralbankgeld, also eine CBDC.

Pontes und Appia: Diese Programme hat die EZB in petto

Um diese Lücken zu schließen, setzt die EZB auf eine Doppelstrategie. Das Projekt “Pontes” soll bereits im dritten Quartal 2026 starten und DLT-Plattformen direkt mit den TARGET-Diensten verknüpfen, um Transaktionen in einer CBDC zu ermöglichen. Langfristig soll die Initiative “Appia” bis 2028 einen umfassenden Bauplan für ein integriertes Ökosystem liefern.

Cipollone betonte in seiner Rede die Dringlichkeit der technologischen Souveränität: “Das Zeitfenster, in dem Europas frühe Vorteile in eine dauerhafte Führungsrolle verwandelt werden können, wird nicht ewig offen bleiben.”

Privaten Lösungen wie Stablecoins oder tokenisierten Bankeinlagen spricht der EZB-Direktor die Fähigkeit ab, den Markt eigenständig zu skalieren. Forschungsergebnisse zeigten, dass selbst Fiat-gestützte Stablecoins selten exakt zum Nennwert gehandelt würden. Die EZB sieht sich hier als notwendigen Garanten: “Dieses Vertrauen kann nicht auf privaten Abwicklungs-Assets allein beruhen. Digitales Zentralbankgeld wird die Brücke sein, die private Assets untereinander konvertierbar macht.”

Forderung nach rechtlicher Harmonisierung

Technologie allein könne die rechtliche Zersplitterung in 27 Mitgliedstaaten nicht lösen. Cipollone regte daher einen dedizierten EU-Rechtsrahmen an, der über das bisherige DLT-Pilotregime hinausgeht. Er warnte davor, die technologische Ambition durch juristische Trägheit zu bremsen: “Wir laufen Gefahr, eine fortschrittliche Abwicklungsinfrastruktur auf einem Flickenteppich von Vorschriften aufzubauen, ohne die Vorteile voll ausschöpfen zu können.”

Abschließend zog er einen historischen Vergleich zur Einführung des Euro: Europa habe bereits einmal bewiesen, dass es eine gemeinsame Währung schaffen könne – nun müsse dasselbe für einen digitalen Finanzmarkt gelingen.

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