Nachdem Berichte über angebliche Bitcoin-Zahlungen für Schiffspassagen durch die Straße von Hormus die Runde gemacht haben, äußert sich nun Alex Thorn. Der Head of Research bei Galaxy ordnet den Fall in einem neuen Kommentar als mögliches Signal für einen zentralen Bitcoin-Anwendungsfall ein: zensurresistente Zahlungen unter geopolitischem Druck.
Thorn greift dabei ein bekanntes Bitcoiner-Narrativ auf. “Bitcoin is for enemies” lautet die Formel, mit der Befürworter die Erlaubnisfreiheit und Widerstandsfähigkeit des Netzwerks beschreiben. Sollte Iran tatsächlich BTC für Transitgebühren akzeptieren, wäre das aus seiner Sicht ein besonders anschauliches Beispiel. Denn anders als Stablecoins könne Bitcoin nicht einfach eingefroren oder beschlagnahmt werden.
Thorn widerspricht technischer Begründung
Zugleich stellt der Galaxy-Analyst Teile der bisherigen Darstellung infrage. Besonders skeptisch sieht er die Behauptung, Schiffe müssten “innerhalb weniger Sekunden” in Bitcoin zahlen, um Transaktionen vor Nachverfolgung oder Beschlagnahmung zu schützen. Das sei technisch nicht überzeugend.
Thorn argumentiert, dass die Geschwindigkeit einer Bitcoin-Zahlung für Privatsphäre oder Zensurresistenz keine entscheidende Rolle spiele. Nur über das Lightning Network wäre eine solche Argumentation teilweise nachvollziehbar. Für Zahlungen im Bereich von mehreren Hunderttausend bis Millionen US-Dollar, wie sie bei Öltankern plausibel wären, hält er diesen Weg jedoch für wenig realistisch.
Wahrscheinlicher sei, dass iranische Behörden schlicht eine Wallet-Adresse oder einen QR-Code bereitstellen und die Zahlung dorthin überwiesen werde. Ob das in wenigen Sekunden oder mit mehr Verzögerung geschehe, ändere laut Thorn nichts an der grundlegenden Nachverfolgbarkeit der Transaktion.
“Eine weitere Feder an Bitcoins Hut”
Darüber hinaus kündigt Galaxy Research an, die Berichte selbst zu überprüfen. Dazu will das Unternehmen Schiffsbewegungen in der Straße von Hormus mit möglichen Bitcoin-Transaktionen abgleichen, um verdächtige Zahlungen zu identifizieren.
Interessant ist auch Thorns politische Einordnung. Er unterscheidet Irans möglichen Einsatz von Krypto klar von Nordkoreas Vorgehen. Laut Thorn nutze Iran permissionless Blockchains vor allem, um wirtschaftlich zu überleben und trotz Sanktionen Handel zu ermöglichen. Nordkorea setze dagegen auf Hacks und den Diebstahl fremder Vermögenswerte.
Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Sollte sich die Geschichte bestätigen, wäre das “eine weitere Feder an Bitcoins Hut”. Für Thorn wäre der Fall ein weiterer Hinweis darauf, dass Bitcoin zunehmend die Rolle von digitalem Gold einnimmt.
