Prä-Bitcoin: Die erste Blockchain der Welt

Christopher Klee

von Christopher Klee

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Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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Bitcoin: Der Ursprung aller Blockchains? Auch wenn es gerne angenommen wird: So ganz stimmt das nicht. Bitcoin brachte die Blockchain-Technologie zwar zu einiger Bekanntheit. Doch die ersten Blockchains gab es bereits früher.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Christopher Klee

Die Blockchain-Technologie gelangte erst mit der wachsenden Popularität von Bitcoin zur (freilich noch ausbaufähigen) Prominenz. Doch die Idee einer „Kette“ von Transaktionsblöcken, die kryptografisch abgesichert und dezentral ist, ist älter als die Mutter der Kryptowährungen.

Blockchain-Pioniere Stuart Haber und Scott Stornetta

Bereits 1991 betrieben die beiden Forscher Stuart Haber und W. Scott Stornetta Grundlagenforschung zur kryptographischen Verkettung einzelner Transaktionsblöcke. Das war 17 Jahre vor Veröffentlichung des Bitcoin White Papers durch Satoshi Nakomoto. In ihrer Arbeit „How to time-stamp a digital document“ befassten sie sich mit dem Problem der Urheberschaft im Zeitalter der Digitalisierung:

„Die Aussicht auf eine Welt, in der alle Text-, Audio-, Bild- und Videodokumente in digitaler Form auf leicht veränderbaren Medien vorliegen, wirft die Frage auf, wie man bestätigen kann, wann ein Dokument erstellt oder zuletzt geändert wurde. Das Problem ist, dass die Daten und nicht das Medium mit einem Zeitstempel versehen werden müssen“,


heißt es in dem Abstract der Arbeit.

Der digitale Fingerabdruck

In ihrer Einleitung machen Haber und Stornetta ihren Lösungsansatz anhand eines Beispiels deutlich:

„Ein anerkanntes Verfahren zur Zeitstempelung einer wissenschaftlichen Idee ist das tägliche Erstellen von Notizen über die eigene Arbeit in einem Labornotizbuch. Die datierten Einträge werden nacheinander in das Notizbuch eingetragen, wobei keine Seite leer bleibt. Die fortlaufend nummerierten, eingenähten Seiten des Notebooks machen es schwierig, den Datensatz zu manipulieren, ohne verräterische Zeichen zu hinterlassen. Wird das Notizbuch dann regelmäßig von einem Notar gestempelt oder von einem Geschäftsführer geprüft und unterschrieben, wird die Gültigkeit der Forderung weiter erhöht.“

Bereits hier erkennt man einige Eigenschaften dessen, was später als „Blockchain“ bekannt wurde: Die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Eintragungen, die Manipulationsresistenz und die steigende Gültigkeit durch eine fortlaufende Überprüfung des Buches von einer unabhängigen Partei.

Die einzelnen Seiten des Laborjournals entsprechen dabei den Blöcken; der Umstand, dass sie eingenäht sind, lässt sich als Analogie zur kryptographischen Aneinanderkettung der Blöcke begreifen. Das regelmäßige Absegnen des Buches durch eine dritte Instanz ist insofern vergleichbar mit den Kontroll- bzw. Konsensmechanismen einer Blockchain, da jede Bestätigung einer neuen Seite gleichzeitig das gesamte Buch absegnet.

AbsoluteProof – Die älteste Blockchain der Welt?

Die beiden Forscher brachten ihre Überlegungen zur Geschäftsreife und gründeten im Jahr 1993 mit „Surety“ eines der ersten Unternehmen, das gewissermaßen den Namen „Blockchain-Firma“ verdient hätte – und das im Jahr 15 vor Bitcoin. Surety bietet mit „AbsoluteProof “ einen digitalen Zeitstempelservice, der die Verfolgung der Erstellungs- und Änderungszeit digitaler Dokumente möglich macht. Die User können Daten auf ihrem Rechner kryptographisch „versiegeln“. Dadurch entsteht eine Art digitaler Fingerabdruck, der in Form eines Hashs an die AbsoluteProof-Datenbank geschickt und dort archiviert wird. Die auf der Datenbank gespeicherten „Fingerabdrücke“ bilden eine Kette von Hash-Werten, bei der die Manipulation eines Eintrages unweigerlich zur Ungültigkeit der gesamten Kette führen würde und deshalb praktisch nicht möglich ist.

Die New York Times und die Blockchain

Ein besonderer Kniff ist die Art, wie Surety die Integrität ihrer Datenbank öffentlich überprüfbar macht. Per wöchentlicher Veröffentlichung des aktuellen Hash-Wertes in der größten Tageszeitung der Welt – der New York Times.

In dem Datenblatt zu AbsoluteProof heißt es:

„Der einzigartige ,Versiegelungsprozess‘ von Surety wird umfassend überwacht, sodass es für niemanden möglich ist, zuvor ,versiegelte‘ Inhalte ohne Erkennung zu ändern. Einmal pro Woche veröffentlicht Surety einen Integritätswert in der […] New York Times. Der Wert stellt die kombinierten digitalen Fingerabdrücke aller elektronischen Aufzeichnungen oder Objekte dar, die von Surety seit ihrer Entstehung ,versiegelt‘ wurden.”

Base64

Dieser Integritätswert hat die Form eines Base64-Hashs und ist damit einer öffentlichen Bitcoin-Adresse (die auf Base58 basiert) nicht unähnlich. Auch den Aspekt der öffentlichen Überprüfbarkeit hat das Surety-Protokoll mit „richtigen“ Blockchains à la Bitcoin gemein. Dennoch kommt das Unternehmen nicht ohne einen zentralen Server aus. Dies hielt einige dennoch nicht davon ab, Surety als die am längsten bestehende Blockchain der Welt zu bezeichnen.

Haber und Stornetta haben sich mittlerweile wieder in die Blockchain-Forschung zurückgezogen. Der Stein, den sie mit ihrer Grundlagenforschung ins Rollen gebracht haben, blieb jedoch in Bewegung. Danach sollte Nick Szabo mit seinem Entwurf zu Bit Gold kommen. Doch das ist eine andere Geschichte.

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