Ein großes Missverständnis 

XRP ist kein Betrug – aber auch keine Revolution

Kaum ein Krypto-Projekt polarisiert so sehr wie Ripple. Für die einen ist XRP Betrug, für die anderen das neue SWIFT. Warum beides nicht stimmt.

Moritz Draht
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Eine große Ripple-Werbereklame in New York

Beitragsbild: picture alliance

| Ripple spaltet den Krypto-Space wie kaum ein anderes Projekt

Kaum ein Projekt steht so sehr für die ideologischen Grabenkämpfe im Krypto-Space wie Ripple. Das Unternehmen gilt als Vorreiter für die Blockchain-Integration im Bankensektor – und ist damit seit jeher Zielscheibe anhaltender Kritik, bis hin zu Betrugsvorwürfen. Gleichzeitig erlebte der XRP-Kurs gerade 2025 einen Hype, der nur wenigen Kryptowährungen vergönnt ist. Auch wegen der weitverbreiteten Erwartung, Ripple könne zum SWIFT des digitalen Zeitalters werden. Doch das ist bei näherem Hinsehen ebenso übertrieben wie die Scam-Vorwürfe. Ripple ist vor allem eines: ein großes Missverständnis.

Dauerkritik an Ripple

Ripple nahm von Anfang an eine Sonderrolle am Krypto-Markt ein. Das bereits 2012 gegründete Projekt verstand sich nie als Alternative zum bestehenden Finanzsystem. Stattdessen sollte es eine Brücke zwischen Kryptowährungen und der traditionellen Zahlungsinfrastruktur schlagen. XRP war als Brückenwährung gedacht, das XRP Ledger als schnelle, zuverlässige und möglichst ausfallsichere Abwicklungsschicht.

Dafür traf Ripple früh Entscheidungen, die sich bewusst von Bitcoin unterschieden: kein Mining, ein fixes Token-Angebot und ein Unternehmen als zentraler Strippenzieher im Ökosystem. An allen Entscheidungen hängt zuletzt Ripple. Genau das sorgt bis heute für Kritik.

Besonders umstritten: die XRP-Token-Verteilung. Alle 100 Milliarden XRP wurden bereits 2012 bei der Entstehung des Ledgers erzeugt, rund 80 Milliarden davon gingen an Ripple und die Gründer. Zwar sperrte das Unternehmen ab 2017 etwa 55 Milliarden XRP in Escrow-Verträge. Dennoch kontrolliert Ripple Labs bis heute direkt oder indirekt rund 42 Prozent aller XRP – und bleibt damit der mit Abstand größte Akteur auf der Angebotsseite.

Hinzu kommt eine Konsensarchitektur, in der Ripple die Zügel stets in der Hand hält. Anders als bei Bitcoin oder vielen anderen Blockchains entsteht Konsens im XRP Ledger nicht durch ökonomische Anreize wie Mining oder Staking, sondern auf einer Gruppe ausgewählter Validatoren, die weitgehend von Ripple bestimmt werden. Der vergleichsweise hohe Zentralisierungsgrad lieferte schließlich auch der US-Börsenaufsicht SEC Argumente, XRP als Wertpapier einzustufen und führte zu einem jahrelangen Rechtsstreit mit Ripple.

Kein Scam…

All das kann man problematisch finden. Mit Betrug hat es jedoch nichts zu tun. Das XRP Ledger läuft seit 2012 stabil, ohne Protokollbrüche oder nachträgliche Änderungen an den Spielregeln des Netzwerks. Die Gesamtmenge der Token steht seit Beginn fest, neue XRP wurden nie heimlich erzeugt. Dass davon einiges in private Taschen floss, ist auch nichts ungewöhnliches im Krypto-Space.

…aber auch keine Revolution

So überzogen wie die Scam-Vorwürfe ist allerdings auch die Erwartungshaltung: Ripple sei das neue SWIFT, XRP das digitale Rückgrat des globalen Zahlungsverkehrs. Auch das hat mit der Realität nur bedingt zu tun.

Zwar hat Ripple über die Jahre ein beachtliches Netzwerk aus Banken und Zahlungsdienstleistern aufgebaut, von denen auch einige nachweislich Ripples On-Demand Liquidity und damit auch XRP nutzen. Viele andere setzen Ripple-Technologie jedoch lediglich als Messaging-, Compliance- oder Fiat-Settlement-Layer ein. In nicht wenigen Fällen bleibt es bei Tests und Proof of Concepts.

Hinzu kommt: XRP ist im Ripple-Ökosystem kein zwingender Bestandteil. Viele Finanzinstitute können die Infrastruktur des Unternehmens nutzen, ohne den Token selbst zu halten oder einzusetzen. Entsprechend taucht XRP in der Praxis vor allem dort auf, wo Ripples On-Demand Liquidity auch wirtschaftliche Vorteile bringt – etwa bei Remittance-Anbietern oder spezialisierten Zahlungsdienstleistern. Für große Banken mit etablierten und stark standardisierten Zahlungsströmen spielt der Token bislang kaum eine Rolle.

Was bedeutet das für XRP?

Nach Jahren im Schatten des Rechtsstreits mit der US-Börsenaufsicht SEC hat sich XRP wieder in die oberen Rängen des Krypto-Markts gearbeitet. Zwischenzeitlich hart abgestraft, gehört der Token inzwischen wieder zu den größten Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung. Mit rund 85 Milliarden US-Dollar Marktwert steht der “Banken-Coin” stabiler denn je da.

Doch das Umfeld hat sich verändert. Nicht nur am Krypto-Markt, der über die letzten in Schieflage geraten ist. Für viele der Anwendungsfälle, die einst als XRP-Domäne galten, existieren heute Alternativen. Vor allem die wachsende Stablecoin-Ökonomie schafft neue Wege für schnelle und günstige internationale Zahlungen und könnte das Geschäft für Ripple bedrohen. Ein Trend, auf den inzwischen auch das Unternehmen selbst reagiert hat.

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Redaktioneller Hinweis: Der Artikel erschien zuerst am 25. Januar. Vor Wiederveröffentlichung wurde er inhaltlich geprüft und gegebenenfalls angepasst.

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