Post-Covid-Inflation Wie die EZB den Euro gefährdet – und was das für Bitcoin bedeutet
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 4 Minuten

EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Quelle: Shutterstock

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Als deflationäres Geld dient Bitcoin als Absicherung gegen galoppierende Inflation. In zahlreichen Entwicklungsländern bekommt man die bereits zu spüren. Wieso die EZB den Euro aufs Spiel setzt und wieso wir Bitcoin gerade jetzt mehr denn je brauchen.

Mit der Inflation ist es so eine Sache. Auch wenn die Bitcoin-Gemeinde expansive Geldpolitik der Zentralbanken gerne als Anlass nimmt, hohe Inflationsraten herbeizubeten: Von Inflation kann aktuell keine Rede sein. Tatsächlich ist das Preisniveau in Deutschland sogar rückläufig. Genauer gesagt betrug die vom statistischen Bundesamt offiziell ermittelte Inflationsrate für Dezember 2020 minus 0,3 Prozent.


Und das ist angesichts der beachtlichen Geldschwemme, mit der die Europäische Zentralbank (EZB) innerhalb der letzten zwölf Monate den Markt regelrecht geflutet hat, schon erstaunlich.

Die Bilanz der EZB ist von knapp unter fünf Billionen Euro auf nunmehr über 7 Billionen Euro innerhalb eines Jahres gestiegen. Mittlerweile beträgt die Bilanzsumme 69 Prozent des ca. 18 Billionen Euro großen Bruttoinlandsproduktes der Eurozone.

Die Ankaufprogramme, die dieses einzigartige monetäre Experiment möglich gemacht haben, haben tragen vielsagende Titel wie „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP, Volumen: 1,85 Billionen Euro) oder „Corporate Sector Purchase Programme“ (CSPP). Dahinter stehen letztlich Beschlüsse des EZB-Rates, weitere Liquidität durch den Ankauf von Vermögenswerten wie Anleihen in den Markt zu bringen.

Die verkürzte Schlussfolgerung aus der Ausweitung der Geldmenge in der Eurozone wäre nun eine analog verlaufende Inflation. Denn mehr Geld bei stagnierender Wirtschaftsleistung suggeriert schließlich eine Preissteigerung. Allein, die Inflation kommt nicht. Woran liegt das?

Das Geld liegt in den Horten

Wirtschaftswissenschaftler wie der ehemalige Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, trauen dem Braten nicht. Geringe Inflationsraten gemessen an am Warenkorb geben demnach ein falsches Bild der tatsächlichen Situation wider. In Wirklichkeit, so Sinn während seiner Weihnachtsvorlesung mit dem passenden Titel „Corona und die wundersame Geldvermehrung in Europa“, sei die EZB in die Liquiditätsfalle getappt.

Zusammengefasst verbirgt sich dahinter eine marktwirtschaftliche Situation, in der niedrige Zinsen auf hohe Sparguthaben treffen. Das viele Geld fließt demnach nicht etwa in Staatsanleihen, sondern liegt auf Sparkonten der Verbraucherinnen, da man davon ausgeht, dass sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert und Zinsen bald wieder steigen. Geldpolitik ist in so einer Situation letztlich unwirksam.


Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Geldhorten“, in denen das viele Geld verwahrt wird.

Der EZB sind in dieser Situation die Hände gebunden. Schließlich hat sie ein Mandat über die Garantie der Preisniveaustabilität – und laut Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEU-Vertrag) versteht sich damit eine Inflation von nahe zwei Prozent. Mit aktuell fast deflationären Verhältnissen verfehlt die EZB also ihr angestrebtes Ziel um Längen und hat quasi einen Blankoscheck zum Gelddrucken.

Die Frage ist nur: Wie lange geht das gut? Denn COVID-19 wird nicht ewig währen. In Deutschland sind – Stand heute – bereits 1,4 Millionen Menschen gegen COVID-19 geimpft – wenn so mancher davon noch auf seine zweites Dosis wartet. Erholt sich die Wirtschaft von ihrer Zwangspause, dürfte auch die Bereitschaft der Menschen zum Geldausgeben steigen und die historisch niedrige Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nimmt wieder Fahrt auf.

Das Tückische an einer hohen Inflation ist die Unfähigkeit der Zentralbanken, diese wieder einzufangen. Gerät die Teuerungsrate einmal außer Kontrolle, wird es schwer sein, diese kurzfristig wieder zu drücken.

Zum Glück gibt es Bitcoin

Genau für dieses Szenario decken sich Investorinnen mit werthaltenden Sachwerten wie Gold und zunehmend auch mit Bitcoin ein. Gold gilt als sogenanntes Safe Haven Asset, also ein Vermögenswert, der in Zeiten der Krise einen Hauch Stabilität gibt.

Doch mit Bitcoin hat das Edelmetall einen würdigen Konkurrenten gefunden. Schließlich ist Bitcoin in der Eigenschaft, die Gold seinen Wert gibt, nämlich seine Knappheit, noch besser. Während sich das Goldangebot jedes Jahr um etwa 3.500 Tonnen mehrt, wächst BTC mit der Zeit immer langsamer. 2024 halbiert sich Bitcoin zum vierten Mal. Dann wird die Inflationsrate nur noch etwa 0,8 Prozent pro Jahr betragen. Bitcoin ist dann das härteste monetäre Gut der Menschheitsgeschichte.


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