Bitcoin als Zahlungsmittel Wie BTCPay Server die Bitcoin-Akzeptanz im Einzelhandel revolutionieren kann
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Bitcoin (Symbolbild)

Quelle: Shutterstock

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Spekulationsobjekt, digitales Gold, Sparmethode. Bitcoin kennt viele Use Cases. Doch als Zahlungsmittel im Einzel- oder Online-Handel findet die Kryptowährung bisher nur wenig Akzeptanz. Woran das liegt und was BTCPay Server daran ändern kann.

Auch wenn es so mancher Bitcoiner nicht mehr hören kann: Bitcoin ist volatil. Der jüngste Crash, bei dem die Kryptowährung Nr. 1 ins scheinbar Bodenlose gefallen ist, beweist diesen Umstand allzu schmerzlich. Damit Bitcoin als Zahlungsmittel attraktiv wird, muss diese Volatilität sinken. Weder Käufer noch Verkäufer können vernünftige betriebswirtschaftliche Pläne auf Basis solcher Kursumschwünge schmieden.


Abhilfe gegen das Wechselkursrisiko verschaffen indes Zahlungsdienstleister wie BitPay. Dabei handelt es sich um sogenannte Payment Service Provider (PSP), die ähnlich wie die Kreditkarten-Anbieter Visa und MasterCard Infrastruktur für die Verarbeitung von digitalen Zahlungen zur Verfügung stellen. Netterweise übernimmt BitPay das Wechselkursrisiko, da das Unternehmen zwar BTC erhält, an den Verkäufer allerdings Fiatgeld wie Euro oder US-Dollar weiterleitet. Dieses System klingt zunächst charmant. Sind doch die Gebühren, die BitPay erhebt, mit denen von Visa und MasterCard durchaus konkurrenzfähig.

Aus Käufersicht schlicht uninteressant

Trotzdem ist von Bitcoin-Zahlungsdienstleistern keine BTC-Massenadaption im Einzelhandel zu erwarten. Wieso?

Zunächst ist es aus Käufersicht schlicht unattraktiv, Zahlungen mit Bitcoin zu tätigen. Bei exorbitanten Kursgewinnen von bis zu 1.000 Prozent im Jahr (2017 lässt grüßen) sind die Opportunitätskosten der Geldausgabe schlicht zu hoch. In anderen Worten: Hodln verspricht einen viel größeren Nutzen, als mit Bitcoin zu zahlen. Zumindest wenn bequeme Alternativen wie Kredit-, Debit- oder PayPal-Zahlungen zur Verfügung stehen. Ferner müssen Bitcoiner dem digitalen Gold zunächst habhaft werden. Meist passiert das mithilfe von Fiat-zu-Krypto-Geschäften auf einer der vielen Bitcoin-Börsen. Dies wiederum kostet in der Regel Gebühren, die sich auch implizit in den Transaktionskosten bei der Geldausgabe niederschlagen.

Außerdem ist Be your own bank Verheißung wie Verpflichtung zugleich. Denn BTC sicher aufzubewahren sorgt zwar für monetäre Souveränität. Kosten- und nervenschonend verläuft das Halten des eigenen Krypto-Vermögens in der Regel indes nicht. All dies macht das Ausgeben von Bitcoin schlicht unattraktiv. Solange die Alternativen bequemer sind, wird sich Bitcoin nicht als Zahlungsmittel durchsetzen können.

Experiment gescheitert?

Doch es gibt Hoffnung. Denn aus Verkäufersicht ist die Akzeptanz von BTC zumindest als zusätzliche Alternative bereits heute recht attraktiv. Selbst Bitcoin-PSP wie BitPay sind in der Summe derzeit günstiger als traditionelle Zahlungswege wie etwa Visa. Während bei Visa Gebühren von durchschnittlich 2,5 Prozent des Verkaufspreises auf eine Vielzahl zwischengeschalteter Intermediäre anfallen, berechnet BitPay etwa ein Prozent für die Transaktionsverarbeitung. Und hier besteht massives Potenzial. Schließlich erwirtschaften Händler in der Regel zwischen fünf und zehn Prozent Gewinnmarge 2,5 Prozent davon bei jeder Transaktion an den Zahlungsdienstleister abzugeben schmälert den Gewinn gewaltig.

Zudem sind Bitcoin-Zahlungen irreversibel. Was aus Käufersicht weniger wünschenswert ist, dürfte für so manchen Verkäufer ein regelrechter Segen sein. Schließlich können Kreditkartenzahlungen noch Monate nach dem Kauf zurückgebucht werden BTC hingegen nicht.

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Man kann also sagen, dass eine breite Adaption von Bitcoin als Zahlungsmittel in erster Linie an der Käuferseite scheitert.

Hoffnungsträger BTCPay Server

Unter Bitcoinern gilt BitPay indes nicht als tragfähige Lösung für das Adaptionsproblem. Neben der Kritik, das sich das US-Unternehmen für seine Rolle während des SegWit2X-Desasters 2017 eingeheimst hatte, steht BitPay als zentralisierte Instanz im Widerspruch zu dem, was Bitcoin sein will. Nämlich ein Zahlungsmittel ohne den berühmten Single Point of Failure.

Aus ebendieser Motivation gründete Nicolas Dorier 2017 das Konkurrenzunternehmen BTCPay Server mit diesem nach wie vor legendären Tweet:

Wobei BTCPay mit dem Begriff „Unternehmen“ vermutlich Schwierigkeiten hätte. Denn alle Produkte, Daten sowie der Quellcode sind open source von einem Unternehmen im engeren Sinne kann also keine Rede sein.

Im Gegensatz zu BitPay bietet BTCPay Payment-Infrastrukturen für den Einzel- und Online-Handel, die dem P2P-Ethos Bitcoins deutlich näher kommen. Denn mithilfe von BTCPay können Händler ein Point-of-Sale-System aufbauen, dass ohne Intermediäre auskommt. Genauer gesagt binden Händler ihre persönliche Bitcoin Wallet an die BTCPay Software an und sind so in der Lage, P2P-Zahlungen mit BTC zu akzeptieren. Das Unternehmen wirbt dabei vor allem mit größerer Sicherheit, geringeren Transaktionskosten sowie besserem Datenschutz. Schließlich gibt es kein Drittunternehmen, das die Zahlungen verwaltet und dadurch Zugang zu sensiblen Kundendaten hat.

Zwar löst BTCPay bisher nicht das bestehende Anreizproblem für Kunden mit Bitcoin zu bezahlen. Der Zahlungsdienstleister trägt aber maßgeblich dazu bei, dass Bitcoin-Zahlungen so durchgeführt werden können, wie es der Ethos der Kryptowährung vorsieht: privat, P2P, instantan und kostengünstig. Und das ist doch schon mal etwas.

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