Der Markt für tokenisierte Aktien hat in der vergangenen Woche erstmals eine Marktkapitalisierung von 2,2 Milliarden US-Dollar erreicht. Laut Daten von Token Terminal entspricht das einem Anstieg von 2.013 Prozent gegenüber Oktober 2025. Die größten Positionen entfallen auf tokenisierte ETFs mit 507,6 Millionen US-Dollar, gefolgt von Circle (CRCL) mit 178,5 Millionen US-Dollar, Strategy (MSTR) mit 63,2 Millionen US-Dollar sowie Tesla und Nvidia mit jeweils rund 77 und 85 Millionen US-Dollar.
Robinhood baut eigene Blockchain
Den bislang größten Einzelschritt startete Robinhood am 1. Juli mit dem Launch des Robinhood Chain Mainnets, einer Ethereum-Layer-2-Blockchain auf Basis des Arbitrum-Stacks. Gleichzeitig aktivierte das Unternehmen Stock Tokens für Nutzer in mehr als 120 Ländern. Die Token ermöglichen 24/7-Handel mit US-Aktien wie Nvidia, Apple und Google, können als DeFi-Kollateral eingesetzt und in Lending Pools verwendet werden. Chainlink liefert die Oracle-Infrastruktur, Uniswap und Lighter sind als Launch-Partner aktiv.
Ein wichtiger Vorbehalt: Robinhoods Stock Tokens sind Schuldtitel, keine echten Aktien. Inhaber erhalten weder Stimmrechte noch einen direkten Eigentumsanspruch an den zugrunde liegenden Wertpapieren. Doch dieses Modell hat die SEC im Januar 2026 unter verschärfte Beobachtung gestellt.
Parallel dazu vollzog DTCC, der zentrale US-Abwicklungsdienstleister, erste Live-Trades mit tokenisierten Wertpapieransprüchen. Zum ersten Mal verarbeitet die Infrastruktur, die täglich Billionen US-Dollar an klassischen Wertpapieren abwickelt, echte Transaktionen auf der Blockchain.
Ein offenes Regulierungsproblem
Der Markt entwickelt sich entlang zweier Grundmodelle. Von Unternehmen selbst herausgegebene Token, etwa von Galaxy, Bullish und Securitize, bilden echte Aktionärsrechte ab, sind aber in der Handelbarkeit stark eingeschränkt. Drittanbieter wie xStocks und Ondo Stocks sind flexibler handelbar und bieten DeFi-Integration, gewähren aber keine direkten Aktionärsrechte.
Backpack Securities verbindet diese beiden Welten. Nutzer können dort klassische US-Aktien über traditionelle Broker-Infrastruktur kaufen und in tokenisierte Versionen auf Solana umwandeln. Seit vergangener Woche bietet Backpack zudem 24/7-Handel in regulären, nicht tokenisierten US-Aktien über ein eigenes Orderbuch an.
SEC entscheidet über Zukunft
Welches Modell sich langfristig durchsetzt, dürfte die SEC entscheiden, denn seit Sommer 2025 arbeitet die Behörde an einer sogenannten Innovation Exemption, einem regulatorischen Rahmen für tokenisierte Wertpapiere. Ursprünglich für die Woche des 18. Mai 2026 erwartet, zog die SEC das Vorhaben nach Druck von Nasdaq, NYSE und Cboe zurück, wie Bloomberg berichtete.
Die Begründung: Drittanbieter-Token ohne Einbindung der Ursprungsunternehmen könnten Dividendenzahlungen und Abstimmungsrechte verkomplizieren. Ein neuer Zeitplan ist nicht kommuniziert worden. Damit läuft der Markt dem regulatorischen Umfeld mal wieder deutlich voraus.
