Es ist die Neuauflage eines Konflikts, den man eigentlich schon für beendet hielt. Krypto-Treasury-Firmen wie Strategy oder Metaplanet drohen erneut, aus dem MSCI ausgeschlossen zu werden. Grund dafür sind neue Regelungen, die der Index-Anbieter im August vorstellte. Für die betroffenen Unternehmen könnte es jetzt eng werden.
Wie aus einem jüngsten Konsultationspapier hervorgeht, will MSCI künftig jene Firmen aus seinen Indizes ausschließen, die “keine operativen Tätigkeiten” vorweisen. Neu ist dieses erklärte Ziel nicht, doch bislang schaute das Unternehmen vor allem auf die Rechtsform. Neu hinzukommen soll nun ein quantitativer Filter, der auch Aktiengesellschaften erfassen soll, die sich wirtschaftlich wie ein Fonds verhalten.
MSCI schafft neues Prüfsystem
Dafür schafft MSCI ein zweistufiges Prüfsystem: Die erste Ebene prüft dabei das Verhältnis zwischen operativen und nicht operativen Assets. Hält eine Firma mehr als 50 Prozent in operativen Assets, kann sie in den Index-Produkten verbleiben. Gelingt das nicht, muss sich die Firma in die zweite Runde.
Hier schaut MSCI auf fünf Kategorien. Geprüft wird, wie viel des Vermögens überhaupt betrieblich genutzt wird, wie viel ein Unternehmen für seinen Geschäftsbetrieb ausgibt, ob der operative Cashflow positiv ist, wie stark Marktbewertungen das Ergebnis dominieren und wie abhängig das Wachstum von frischem Kapital ist. Wer bei vier von fünf Kennzahlen anschlägt, gilt als “Non-Operating Company” und ist damit nicht mehr indexfähig.
Direkt ausgeschlossen wird man jedoch nicht. Der Vorschlag sieht gewisse Schutzmechanismen für Bestandsmitglieder vor. Diese müssten in zwei aufeinanderfolgenden Jahresabschlüssen durchfallen, bevor sie tatsächlich gestrichen werden. Wer nur im jüngsten Abschluss auffällt, landet zunächst auf einer neu geschaffenen, öffentlich einsehbaren Watchlist. Für Unternehmen, die noch nicht im Index sind, reicht dagegen ein einziger Abschluss – sie bleiben dann bis zur nächsten Jahresprüfung außen vor.
MSCI hält Strategy und Metaplanet für Streichkandidaten
Die neuen Richtlinien hätten konkrete Auswirkungen auf diverse Krypto-Treasury-Firmen. MSCI. Zwei Firmen würde der Anbieter schon heute streichen: Michael Saylors Strategy und das japanische Bitcoin-Pendant Metaplanet. Der Index-Anbieter führte zu beiden Unternehmen Beispielrechnungen durch. Das Ergebnis: durchgefallen. Stand jetzt stünde mit Sharplink auch eine weitere Krypto-Treasury unter Beobachtung.
Für Strategy und Metaplanet wäre ein Ausschluss katastrophal. Immerhin müssten Fonds, die betroffenen Aktien wahrscheinlich abstoßen – und die ohnehin angespannte finanzielle Situation verschlimmern. Erst Anfang des Jahres konnten die Unternehmen einen Ausschluss mit viel Mühe verhindern.
Insofern überrascht auch die Erstreaktion nicht. Strategy kritisiert auf X den Vorstoß von MSCI: “Index-Anbieter sollten Märkte bewerten und nicht Unternehmen diktieren, welche Assets sie halten dürfen.”
Bis zum 30. September haben Marktteilnehmer die Möglichkeit, sich zu den neuen Vorschlägen zu äußern. MSCI peilt eine Einführung der neuen Regeln Mitte Oktober an.
