Ein weites Feld Stablecoins wachsen massiv: Ein Marktüberblick
Jonas Groß

von Jonas Groß

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Stablecoins gewinnen zunehmend an Bedeutung. 2020 hat sowohl ihr Handelsvolumen als auch ihre Marktkapitalisierung erheblich zugelegt – der Start von Diem (vormals: Libra) als einer der bedeutendsten Stablecoins steht wohl 2021 bevor. Doch wie viele Stablecoins gibt es derzeit? Und womit sind die existierenden Stablecoins besichert? Welche Bezugseinheiten werden verwendet? Diese Fragen werden in diesem Gastbeitrag von Jonas Groß und Hannes Zarnkow diskutiert.

Dieser Artikel ist zuerst in der Februar-Ausgabe des Kryptokompass erschienen.


Der Markt für Stablecoins hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Obwohl viele Stablecoin-Projekte nur zeitweise auf dem Markt sind oder bereits vor der Einführung scheitern, steigt die Anzahl und die Vielfalt von Stablecoin-Projekten erheblich an. In folgender Abbildung sind alle aktiven und geplanten Stablecoins nach ihrer Art, also nach Off-Chain-, On-Chain-, algorithmischen und alternativen Stablecoins, dargestellt.

Es existieren nach unserer Einschätzung derzeit (Stand: August 2020) insgesamt 194 Stablecoins, die ungleich auf die einzelnen Kategorien verteilt sind. Von den 194 Stablecoins sind bereits rund 78 Prozent emittiert, während etwa 22 Prozent bislang nicht emittiert wurden. 125 Stablecoins, also rund 64 Prozent, lassen sich den Off-Chain Stablecoins zuordnen. Hierbei befinden sich einige Initiativen in Planung, wobei die Ausgabe der Stablecoins noch nicht erfolgt ist. Die zweithäufigste Kategorie sind mit 26 Prozent On-Chain-Stablecoins (51 Stablecoins). Algorithmische und andere alternative Konzepte sind mit elf beziehungsweise sieben Stablecoins etwa gleich häufig vertreten.

Gold und US-Dollar führen das Feld an

Neben der Klassifizierung bestehender Stablecoins ist außerdem die Betrachtung der Bezugseinheiten der Stablecoins sehr aufschlussreich. In folgender Abbildung werden diese für die 194 identifizierten Stablecoins dargestellt.

Rund 50 Prozent aller Stablecoins nutzen den US-Dollar oder Gold als Bezugseinheiten. Auch andere etablierte Fiat-Währungen wie der Euro oder der Schweizer Franken stellen häufig die Referenzwährung von Stablecoins dar. Insgesamt nutzen rund 68 Prozent aller Stablecoins eine Fiat-Währung als Bezugseinheit, mehr als die Hälfte davon sind durch Fiat-Währungen besichert. Vereinzelt haben Stablecoins alternative Bezugsgrößen, wie etwa verschiedene Güter- und Währungskörbe oder auch das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Vergleicht man diese Zahlen mit denen aus dem Jahr 2019, wird deutlich, dass die Anzahl der aktiven Stablecoins von 54 auf insgesamt 152 gestiegen ist. Somit hat sich die Anzahl innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Sollte es zu einer Umsetzung aller derzeit geplanten Stablecoins kommen, könnte es schon bald mehr als 200 Stablecoins auf dem Markt geben. Neben der Anzahl an Stablecoins ist zudem auch die Vielfalt gestiegen. Mittlerweile sind im Vergleich zu 2019 Stablecoins in weiteren 17 Währungen auf dem Markt, wodurch sich das Spektrum an Stablecoins erheblich erweitert hat.

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Fazit und Interpretation

Der Markt für Stablecoins hat sich im vergangenen Jahr rasant weiterentwickelt. Inzwischen gibt es 194 Stablecoin-Projekte, von denen 152 aktiv sind – Tendenz steigend. Im Vergleich zum Vorjahr sind deutlich mehr Stablecoins auf dem Markt. Außerdem wurde die Art der Sicherheiten erheblich ausgeweitet. Im Vergleich zu 2019 gibt es 17 Währungen mehr, die als Bezugseinheiten für Stablecoins dienen. Hauptsächlich werden Stablecoins in mehr als 50 Prozent der Fälle mit Gold oder US-Dollar besichert.

Stablecoins haben vor allem einen Anwendungsfall: Sie imitieren Fiat-Währungen, um als Zahlungsmittel und Wertaufbewahrungsmittel genutzt zu werden. In Ländern mit instabilen nationalen Fiat-Währungen sind Stablecoins inzwischen ein nicht zu vernachlässigender Bestandteil des Finanzsystems. Ein Beispiel ist die immer wichtigere Rolle von Stablecoins in lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien. Für die tatsächliche Nutzung von Stablecoins ist vor allem die Stabilität von höchster Relevanz – nur ein Stablecoin, der die Kaufkraft erhält und durch eine stabile Reserve besichert ist, ist als Zahlungsmittel- und Wertaufbewahrungsmittel attraktiv.

Aus diesem Grund überrascht es nicht, dass primär Gold als Sicherheit für Stablecoin-Projekte genutzt wird. Gold wird seit Jahrtausenden (teilweise) als Zahlungsmittel und Wertspeicher verwendet und wird besonders als “sicherer Hafen” in Zeiten von Finanzkrisen aufgesucht. Somit hat Gold bereits viele Fiat-Währungen und Krisen überdauert. Auch die weitverbreitete Nutzung von US-Dollars als Sicherheiten beziehungsweise Bezugseinheit ist aufgrund der herausragenden Stellung des US-Dollars als Weltreservewährung und der damit einhergehenden Bedeutung des Dollar nicht überraschend. Darüber hinaus werden inzwischen eine große Anzahl an weiteren stabilen und weit verbreiteten Fiat-Währungen als zugrundeliegende Reserve-Assets verwendet, darunter beispielsweise der Euro oder das Britische Pfund.

Vor allem in der Eurozone werden nun Stablecoins mehr und mehr in das Finanzsystem integriert, auch wenn die Verbreitung von Stablecoins in der Eurozone derzeit noch auf geringem Niveau bleibt. Aktuell sind Stablecoin-Projekte zumeist unreguliert – dies soll sich in den nächsten Jahren ändern. Derzeit wird ein entsprechender Gesetzesentwurf der EU-Kommission namens “Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR)” diskutiert, der Rahmenbedingungen für Stablecoins festlegen soll. Ein solcher regulatorischer Rahmen würde die Rechtssicherheit erhöhen und wäre ein wichtiger Meilenstein für Stablecoins.

Über die Autoren

Jonas Groß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth und Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören neben Kryptowerten digitale Zentralbankwährungen (CBDC) und Stablecoins.

Hannes Zarnkow studiert Volkswirtschaftslehre im Master an der Universität Bayreuth. Im Laufe seines Studiums hat er ein großes Interesse für Finanzinnovationen entwickelt und sich so unter anderem im Rahmen seiner Bachelorarbeit am Lehrstuhl für Geld und Internationale Wirtschaft mit der Wertstabilität und der ökonomischen Bedeutung von Stablecoins auseinandergesetzt.

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