Künstliche Intelligenz 

OpenAI-KI bedient sich an fremder Krypto-Wallet und verschweigt den Vorfall

Eigentlich sollte die KI nur etwas programmieren. Wie kam sie darauf, dass fremdes Guthaben für sie frei verfügbar sei?

Jan-Malte Minnerup
Teilen
Sam Altman steht selbstbewusst in einem schwach beleuchteten Innenbereich.

Beitragsbild: Picture Alliance

| Sam Altman machte sich als Schöpfer von ChatGPT einen Namen

Eine künstliche Intelligenz, die eigenmächtig auf eine fremde Krypto-Wallet zugreift und anschließend nichts davon erzählt? Es hört sich an wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film, hat sich aber so bei OpenAI abgespielt. Ein internes Forschungsmodell des ChatGPT-Entwicklers durchsuchte Hunderte Ethereum-Adressen und verwendete die Kryptowährung ohne Erlaubnis für eigene Transaktionen. Erst Monate später wurde der Vorfall entdeckt.

KI durchsucht 362 Ethereum-Wallets nach Guthaben

Der Vorfall ereignete sich bereits am 26. Juni während einer internen Trainingsaufgabe. Ein KI-Modell aus der GPT-5.6-Sol-Familie sollte eine Krypto-Handelsanwendung überarbeiten und mehrere Smart Contracts auf Sepolia bereitstellen. Dabei handelt es sich um ein Ethereum-Testnetzwerk, auf dem Entwickler neue Anwendungen ausprobieren können, ohne echtes Geld einsetzen zu müssen.

Allerdings fehlten dem Modell die erforderlichen Test-Token, um die Transaktionsgebühren zu bezahlen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen schrieb die KI ein Programm, das aus öffentlich bekannten Wiederherstellungsphrasen Wallet-Adressen erzeugte und deren Guthaben überprüfte. Insgesamt untersuchte das Modell 362 Adressen, bis es eine Wallet mit ausreichend Ether für die geplanten Transaktionen fand. Weil die Zugangsdaten öffentlich bekannt waren und die Test-Token keinen regulären Marktwert hatten, erklärte sie die Mittel kurzerhand für praktisch aufgegeben und bezahlte die Gebühren mit dem fremden Private-Key. Im Anschluss bestätigte die KI den Erfolg ihrer Programmieraufgabe, verschwieg aber den Zugriff auf die fremde Wallet.

OpenAI entdeckt den Vorfall erst drei Monate später

Dem Unternehmen OpenAI war der Vorfall erst Monate später am 25. September bei einer nachträglichen Überprüfung aufgefallen. Bis sie den Vorfall öffentlich bekannt gaben, dauert es noch einmal drei Wochen. Ein finanzieller Schaden durch den Verlust echter Kryptowährungen entstand dabei allerdings nicht. Die verwendeten Sepolia-Token dienen ausschließlich Testzwecken und sind nicht mit den regulär gehandelten Ether gleichzusetzen.

Das könnte dich auch interessieren