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BTC-ECHO Filmkritik  Vertraue niemandem: Ist der Krypto-König Gerry Cotten wirklich tot?

Netflix’ neue Doku “Vertraue niemanden: Die Jagd nach dem Kryptokönig” befasst sich mit Gerry Cottens Verschwinden und den 250 Millionen US-Dollar, die er mitnahm. Hält der Film über den Quadriga-CX-Scam, was er verspricht?

Jonas Oppermann
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Beitragsbild: Netflix

| Szene aus "Die Jagd nach dem Kryptokönig".

250 Millionen US-Dollar in Form von Kryptowährungen spurlos verschwunden. Ein unscheinbarer Unternehmer stirbt unter mysteriösen Umständen, sein Geschäftspartner taucht ab. Netflix‘ neue True-Crime-Doku erzählt die Geschichte von QuadrigaCX Gründer Gerry Cotten, der im Januar 2019 spurlos verschwand. Lüftet Netflix nun endlich das Geheimnis um den angeblichen Tod des dubiosen Krypto-Königs?

True-Crime Dokus im Hype

Die Streaming-Plattform Netflix erweitert ihre Mediathek ständig um neue investigative Dokus und True-Crime-Stories. Kein Wunder, dass Netflix-Regisseur Luke Sewell auch in die autonomen Ermittlungen um Gerry Cottens Verschwinden einsteigt. Denn der damals gerade einmal 30-jährige Gründer verschwand mitsamt den Keys zu unzähligen Krypto-Wallets – und nahm über 250 Millionen US-Dollar mit in sein angebliches Grab.

Die Doku versucht, den verzwickten Fall zu durchdringen. Denn die Umstände werfen immer mehr Fragen auf. Damals taten sich die geschädigten Gläubiger der Kryptobörse QuadrigaCX in Telegramgruppen zusammen, um gemeinsam zu ermitteln, da der Staat keinen Finger krumm machte. Netflix gelangte an den Großteil der Informationen für den Dokumentarfilm über umfassende Online-Recherchen, Interviews mit den unverhofften Detektiven und vor allem über Chatverläufe und Foreneinträge. Neue Erkenntnisse? Fehlanzeige.

Was war geschehen?

Schnelle Schnitte, melodramatische Musik und düstere Farben: Ganz im Stil von Netflix beginnt die Doku wie ein Blockbuster. Der Zuschauer steigt direkt in die wenig originell dargestellte Kryptowelt ein. Originalaufnahmen von Gerry Cotten werden eingeblendet, die Website der Börse QuadrigaCX wird gezeigt, Zahlen laufen herauf und herunter. Alles wirkt ein bisschen zu dramatisch – vor allem dafür, dass der Zuschauer kaum mit Inhalt versorgt wird.

Wie so oft darf auch ein Interviewpartner, der anonym bleiben möchte, nicht fehlen. Mit überdimensionaler Maske, die sich Netflix einfach vom SquidGame-Set stibitzt hat, erzählt jemand mit verzerrter Stimme vom Quadriga-Geschäftsmodell:

Sie setzen ihr Vertrauen in diese kleine, unscheinbare Website, bestehend aus zusammengehängten HTML-Seiten. Nimmt man diesen Schleier weg, befinden sich dahinter Menschen, denen man vertrauen muss.

Genau dieses Vertrauen in den Bitcoin Hype nutzten Cotten und Michael Patryn damals mithilfe der zwischenzeitlich größten kanadischen Krypto-Börse schamlos aus. Die circa 110.000 Kunden der Börse vertrauten Cotten Unmengen an Geld an und gingen davon aus, dass der es gewinnbringend in Krypto-Assets anlegen würde.

Gerrys Krypto-Schneeball-System

Doch Cotten war ein schlechter Anleger und verzockte sich. Tatsächlich war seine Börse ein großes Schneeballsystem: Gewinne an frühere Investoren wurden mit Geldern von jüngeren Investoren gezahlt. Das System ließ die Opfer glauben, dass die Gewinne aus legitimen Anlagen stammten. Das Prinzip lief durch den Bitcoin Hype lange gut. Bis der Kurs im Jahre 2018 drastisch einstürzte und die Anleger aus Panik verkaufen wollten. QuadrigaCX konnte die Abbuchungen der Kunden nicht mehr zurückzahlen und der Scam drohte, aufzufliegen.

Kurz darauf starb Gerry Cotten angeblich unter mysteriösen Umständen in Indien. Todesursache: Morbus Crohn. Seine Frau berichtete erst einen Monat später über Twitter von seinem Tod. Die Gläubiger zweifelten und wollten ihn sogar exhumieren. Eine Todesurkunde aus Indien wirft noch mehr Fragen auf:

  • Warum steht auf der Urkunde Cottan und nicht Cotten?
  • Warum gab es keine Autopsie?
  • Wo ist die Leiche?
  • Wer stirbt im Alter von 30 Jahren an dieser Erkrankung?
  • Warum schrieb Cotten elf Tage vor seinem Tod sein Testament, in dem er all sein Vermögen an seine Frau übertrug?

All diese Fragen werden zwar von der Doku angesprochen, Antworten gibt es aber nur zum Teil.

Auch die große Frage, um die sich die ganze Doku dreht, kann immer noch nicht richtig beantwortet werden.

Was geschah mit Gerry Cotten?

Fazit: Interessante Doku mit Schwächen

Ein solch offenes Ende mag für echte True-Crime-Fans unbefriedigend sein. Trotzdem dürfte das Thema für Krypto-Enthusiasten interessant sein, auch aufgrund seiner Aktualität. Optisch hätte der Regisseur eventuell mehr herausholen können:

Die Doku besteht hauptsächlich aus Interviews und Animationen. Viel Material, um lebhafte Szenen zu kreieren, gab es aufgrund des Themas wohl einfach nicht. Die Börse im Fall QuadrigaCX ist nun einmal kein realer, begehbarer Ort, wie die Wallstreet und eine wirklich greifbare Beute gibt es auch nicht. Daher ist es schwer, die Geschichte, die sich hauptsächlich im Internet abspielte, filmtechnisch darzustellen.

Trotzdem macht es Spaß, die Doku zu schauen, da sich Sewell große Mühe gab, seinen Film optisch abwechslungsreich zu gestalten. Gut inszenierte Interviews, nachgestellte Szenen, animierte Chat-Verläufe und spannende Musik bieten auf jeden Fall anderthalb Stunden Unterhaltung. Mehr als Unterhaltung bietet die Doku allerdings nicht, denn groß etwas Neues enthüllt das Produktionsteam dieser Doku nicht. Netflix beschreibt es trotzdem als investigative Doku, obwohl man die Informationen auch im Internet finden kann.

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