Am 9. Februar ist MegaETH live gegangen, die Ethereum-Layer-2, die sich “Real-Time Blockchain” nennt und damit nicht übertreibt: 10 Millisekunden Blockzeit, Transaktionskosten unter einem halben Cent und 100.000 Transaktionen die Sekunde im Stress-Test. Zum Vergleich: Solana schafft 400 Millisekunden pro Block und kostet pro Transaktion rund das Vierfache. Die Performance wird durch eine besondere Form der Node-Spezialisierung möglich.
Im Rücken hat MegaETH 20 Millionen Dollar Seed-Kapital von Dragonfly, einen 27-fach überzeichneten Token-Sale über 50 Millionen Dollar – und Vitalik Buterin sowie andere Ethereum-Größen als Angel-Investoren.
Sechs Tage vor dem Launch schrieb Buterin allerdings, die rollup-zentrierte Roadmap “ergibt keinen Sinn mehr”. Layer-2s hätten sich zu langsam dezentralisiert, Ethereum selbst skaliere besser als erwartet. Sein Satz: “Wenn du eine 10.000-TPS-EVM-Chain baust, deren Verbindung zur L1 über eine Multisig-Bridge läuft, dann skalierst du nicht Ethereum.”
Ein L2, das Vitaliks neuer Definition standhält
Klingt nach einem Todesurteil für MegaETH – ist es aber nicht. Buterin hat die L2-Vision lediglich umdefiniert. L2s, die sich über “ultra-low latency” und “custom sequencing properties” differenzieren, hätten weiterhin eine Berechtigung. Das ist praktisch die Produktbeschreibung von MegaETH.
Die Architektur dahinter: Ein einzelner hochspezialisierter Sequencer mit 100 CPU-Kernen und bis zu vier Terabyte RAM führt Transaktionen aus. Prover-Nodes validieren, Replica-Nodes halten den State aktuell. EigenDA übernimmt die Datenverfügbarkeit. Das ergibt Geschwindigkeit – aber auch Zentralisierung. Staking und Governance sollen erst bis zu 18 Monate nach Launch folgen. Stand heute kontrolliert ein einzelner Server das gesamte Netzwerk.
Token erst bei Lieferung
Das Ungewöhnlichste an MegaETH ist jedoch nicht unbedingt die Technik, sondern die Tokenomics. 53,3 Prozent des gesamten MEGA-Supplies von zehn Milliarden Token sind an KPI-basierte Staking Rewards geknüpft – und werden erst freigeschaltet, wenn das Netzwerk echte Meilensteine erreicht.
Der Token Generation Event findet sieben Tage nach Erfüllung eines von drei Triggern statt: 500 Millionen Dollar zirkulierende USDm-Stablecoins, zehn MegaMafia-Apps live auf dem Mainnet oder drei Anwendungen mit jeweils mindestens 50.000 US-Dollar tägliche Gebühren über 30 Tage.
Ein Blick auf die Launch-Day-Zahlen zeigt, wie weit der Weg noch ist. Die USDm-Supply liegt bei 73 Millionen Dollar. Der tatsächliche Durchsatz bei 29 TPS. Das TVL bei 40 Millionen Dollar.
Im Vergleich zum Hype wirken die Zahlen zunächst ernüchternd. MegaETH-Befürworter verweisen aber auf den Unterschied zwischen “organischen” und “gefälschten” KPIs im Krypto-Space. “Wenn man nur gefälschte Kennzahlen kennt, sehen echte im Vergleich dazu furchtbar aus” schreibt Viktor Bunin auf X.
Ein MEGA-Investment?
Außerdem haben L2-Token eine katastrophale Bilanz: Optimism notiert 96 Prozent unter seinem Allzeithoch, Arbitrum 95 Prozent. Beide markierten am 6. Februar neue Tiefststände. Die 2025er L1- und L2-Launches sehen nicht besser aus: Berachain minus 92 Prozent, Linea minus 81 Prozent und Monad minus 26 Prozent.
MegaETHs KPI-Modell ist jedoch ein direkter Gegenentwurf zu diesem Muster und räuberischen Tokenomics. Statt Token zu verteilen und auf Adoption zu hoffen, dreht das Projekt die Reihenfolge um: Erst Nutzung, dann Token. Ob das funktioniert, hängt davon ab, ob die über 50 Launch-Apps – darunter Aave und OpenSea – tatsächlich Nutzer und Kapital anziehen.
MegaETH plant zudem nicht, seinen Token primär über Gas-Fees werthaltig zu machen. Diese sollen lediglich die Betriebskosten des Sequencers decken. Stattdessen hat MegaETH zwei andere Wertmechanismen.
Mechanismus 1: Das USDm-Flywheel. MegaETH hat mit Ethena einen eigene nativen Stablecoin entwickelt – USDm – die durch BlackRocks tokenisierten Treasury-Fonds BUIDL gedeckt ist. Der Yield, den diese Reserven generieren, wird nicht an USDm-Holder ausgeschüttet. Sie wird genutzt, um MEGA-Token am offenen Markt zurückzukaufen. Je mehr USDm im Ökosystem zirkuliert, desto mehr Rendite entsteht, desto mehr MEGA wird vom Markt genommen.
Mechanismus 2: Proximity Markets. Das vielleicht innovativste Element. Hochfrequenz-Trader und Apps können MEGA-Token bieten, um physisch näher am Sequencer platziert zu werden – ähnlich dem Colocation-Geschäft an traditionellen Börsen, wo Firmen Millionen bezahlen, um ihre Server neben dem Matching-Engine aufzustellen. MegaETH bringt dieses Konzept on-chain, was strukturelle Nachfrage nach MEGA schafft.
Und Ethereum?
Die Ethereum-Community sieht in MegaETH eine Antithese zum bisherigen L2-Modell – und einen kompetitiven Ableger Ethereums, der Solana und andere “Ethereum-Killer” obsolet machen soll. Die L2 liefert die Leistung, die Anwendungsfälle wie Social Media und Gaming technisch erst skalierbar macht. Das bedeutet mehr EVM-Mindshare, aber nicht zwangsläufig mehr Kursplus für ETH.
Die gesamten Gebühren, die MegaETH bisher an Ethereum zurückgezahlt hat, liegen bei wenigen Tausend US-Dollar. Insgesamt, nicht pro Tag. MegaETH nutzt zwar ETH als Gas-Grundlage und settled auf Ethereum, was grundsätzlich positiv für die ETH-Nachfrage ist. Aber die Wertschöpfung fließt primär in den MEGA-Token und das USDm-Flywheel, nicht in ETH. Langfristig hängt es also davon ab, ob Projekte wie MegaETH Ethereum als Settlement-Layer attraktiver machen – oder ob sie, ähnlich wie bestehende L2s, die Wertschöpfung von Ethereum absaugen.
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