Dass die Stimmung im Krypto-Sektor derzeit im Keller ist, dürfte kaum jemanden überraschen. Interessant wird es aber, wenn man sich anschaut, wie die Branchen-Insider den Blick nach vorne bewerten. Wir haben gemeinsam mit Prof. Dr. David Florysiak von der IU Internationale Hochschule 44 Krypto-Insider im Rahmen der Krypto-Expertenumfrage befragt. Sie bewerten die wirtschaftliche Lage der Branche als so schlecht wie nie zuvor seit Auflegung der Umfrage. Der Blick auf die kommenden sechs Monate hellt sich zeitgleich auf. Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 zieht der Optimismus wieder deutlich stärker an.
Krypto-Markt: Die Lage ist so schlecht wie seit über zwei Jahren nicht mehr
Der Krypto-Geschäftsklima-Index für die aktuelle Lage liegt bei minus 40,5 Punkten. Zur Einordnung: Im vierten Quartal 2025 bewerteten noch 68,6 Prozent der Insider die wirtschaftliche Situation der Krypto-Unternehmen als “gut”. Neun Monate später sind es magere 7,1 Prozent. Fast die Hälfte der Befragten, exakt 47,6 Prozent, spricht offen von einer schlechten Lage.
Ein Absturz in Zeitlupe. Von plus 16,7 im ersten Quartal 2026 auf minus 27,8 im zweiten und jetzt auf minus 40,5. Der schlechteste Wert seit Auflegung der Umfrage.
Trendwende: Bodenbildung größtenteils abgeschlossen
Der Erwartungsindex für die kommenden sechs Monate springt von 31,5 Punkten im zweiten Quartal auf 46,3 Punkte. 56,1 Prozent der Insider rechnen mit einer Verbesserung, nur 9,76 Prozent mit einer weiteren Verschlechterung. Eine der klarsten Trendwenden, die dieser Index bisher gezeigt hat.
Michael Geike, Managing Partner beim Krypto-Fonds 21 Oaks Capital, ordnet den Moment im Zyklus ein: “Wir befinden uns mal wieder in einem sehr typischen Bitcoin-4-Jahreszyklus-Bärenmarkt.” Auch Bitcoin-Experte und VC-Spezialist Alexander von Frankenberg kommt zur gleichen These.
Kapitalrotation in Krypto erwartet
Dass der Kapitalabzug aus Krypto in den vergangenen Monaten so hart ausfiel, liegt auch am starken Wettbewerb anderer Anlageklassen. Florian Döhnert-Breyer, Managing Director beim Krypto-Fonds F5 Crypto Capital, erklärt die Sonderrolle im Anlageuniversum: “Fast alle Anlageklassen liefen in den vergangenen zwölf Monaten außerordentlich gut. Krypto bildet die Ausnahme.”
Döhnert-Breyer vermutet allerdings eine klare Verschiebung: “Ich erwarte eine Kapitalrotation in fundamental starke Kryptowährungen mit echten Cashflows. Das nächste Fokusthema: Agentic Payments über die Blockchain.”
Auch Benjamin Kaemmerer, Executive Director (Trading) vom Broker CMC Markets, blickt positiv nach vorne: “Der Kryptomarkt befindet sich derzeit in einer Phase, in der die Stimmung im Retail-Segment eher zurückhaltend bis negativ ist.” Im Hintergrund laufe aber eine andere Bewegung: “Gleichzeitig beobachten wir, dass insbesondere Unternehmen aus der Finanzindustrie weiterhin in die Branche investieren, ihre Präsenz ausbauen und langfristig an digitalen Assets und der zugrunde liegenden Infrastruktur interessiert bleiben.”
Sowohl die Datenerhebung in der Krypto-Expertenumfrage als auch die Statements der Experten erhärten den Eindruck, dass wir uns am Ende eines Bärenmarktzyklus befinden. Eine Trendwende wäre demnach noch in diesem Jahr durchaus wahrscheinlich, sofern nicht ein externes Ereignis der Erholung einen Strich durch die Rechnung macht. Denn letztlich entscheiden immer noch Makrofaktoren wie Inflation und Zinsniveau oder KI-Hypes und Geopolitik über das Kurspotential von Bitcoin und Co.
Wer wissen möchte, was andere Insider über den Krypto-Markt denken, welchen Bitcoin-Kurs sie bis Januar 2027 erwarten und was sie von der EU-weiten Krypto-Regulierung MiCA halten, der kann dies im kostenlosen BTC-ECHO Insider Report nachlesen.
