Kommentar 

Krypto made in USA: Warum Europa auch kommunikativ abgehängt ist

Warum Europas Krypto-Regulierung niemanden interessiert und Brüssel von Trumps Storytelling lernen sollte. Ein Kommentar.

Sven Wagenknecht
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US-Präsident Donald Trump hält eine Rede

Beitragsbild: Shutterstock

| Trump liefert Narrative, Brüssel Aktenvermerke. Warum Europas Krypto-Regulierung verpufft

2026 setzt dort an, wo 2025 aufgehört hat: Die entscheidenden Krypto-News kommen aus den USA. Vergangene Woche kündigte etwa der Investmentriese Morgan Stanley an, in das Geschäft mit Krypto-ETFs einzusteigen. Gleichzeitig rückt die US-Geldpolitik erneut ins Zentrum des Börsengeschehens. Das öffentliche Kräftemessen zwischen Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell wirft dabei grundlegende Fragen auf. Wie belastbar ist die Unabhängigkeit der US-Notenbank und könnte Trumps Venezuela-Initiative über sinkende Energiepreise den Inflationsdruck dämpfen und damit eine dovishere Fed begünstigen?

Europa und seine langweilige Krypto-Politik

Diese Fragen prägen die Schlagzeilen, nicht jene zu finanzmarktpolitischen Strukturreformen hierzulande. Schade. Denn mit dem Market Integration and Supervision Package, kurz MISP, berät die EU derzeit über die künftige Marktarchitektur digitaler Finanzinstrumente. Der Handel digitaler Wertpapiere, das DLT-Pilotregime sowie die mögliche Bündelung der Krypto-Aufsicht auf EU-Ebene, vermutlich bei der ESMA, stehen zur Debatte. Es geht um Marktintegration, um innereuropäischen Wettbewerb und um die Frage, ob Europa einen echten, skalierbaren Kapitalmarkt auch für Krypto-Assets aufbauen kann.

Eigentlich ein zentrales Thema, das in der Praxis jedoch kaum jemanden interessiert. Bei der Markets in Crypto Asset Regulation, kurz MiCA, die Anfang 2025 in Kraft getreten ist, sah es nicht anders aus. Niemand, außerhalb der Fachkreise, hat davon etwas mitbekommen. Ein politisches Narrativ zur Krypto-Adoption in der EU ist ebenfalls nicht aus ihr entstanden.

Doch muss das so sein? Das Problem ist nicht der Inhalt, sondern die Art, wie Europa darüber spricht. Oder besser: nicht spricht. Außerhalb eines kleinen Zirkels aus Aufsichtsbehörden, spezialisierten Juristen und Marktinfrastruktur-Anbietern nimmt davon kaum jemand Notiz. Regulierung wird als technischer Verwaltungsakt vermittelt, nicht als wirtschaftspolitisches Projekt mit spürbaren Konsequenzen für Investoren, Unternehmen und Kapitalmärkte.

Coaching durch Trump? Warum wir mehr “Big Beautiful Bills” wagen müssen

In dieser Disziplin sind die USA Europa klar überlegen. US-amerikanische Politik denkt in Geschichten, nicht in Aktenvermerken. Ob “Big Beautiful Bill” oder nationale Bitcoin-Reserve: Komplexe Vorhaben werden sprachlich zugespitzt, personalisiert und in ein größeres Narrativ eingebettet. Das schafft Aufmerksamkeit, mobilisiert Kapital und setzt Themen. Europa hingegen liefert präzise Regulierungstexte, aber keine Story, warum sie für den Markt relevant sind. Was Brüssel dringend bräuchte, wäre ein Storytelling-Seminar aus den USA, am besten direkt aus dem Weißen Haus. 

Dabei sind es gerade diese vermeintlich trockenen Strukturfragen, die langfristig den größten Hebel haben. Marktintegration entscheidet über Liquidität. Aufsichtsarchitektur entscheidet über Skalierbarkeit. Einheitliche Regeln entscheiden darüber, ob Kapitalmärkte zusammenwachsen oder fragmentiert bleiben. 

Europa: Der Bitcoin-Kurs wird woanders entschieden

Für den Bitcoin-Kurs ist das kurzfristig ohnehin zweitrangig. Der Markt blickt auf die US-Zinsen, auf Liquiditätstrends und auf die Entwicklung der Krypto-ETFs. Ob US-amerikanische Asset-Manager ihre Allokationen ausbauen und ob sich institutionelle Nachfrage verstetigt, ist entscheidend – nicht, wie weit Brüssel bei der Marktintegration ist.

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