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Krypto in Entwicklungsländern UN-Handelsorganisation spricht sich gegen Bitcoin und Co. aus

In insgesamt drei Dokumenten tut die UN-Handelsorganisation ihren Zweifeln an Bitcoin und Co. in Entwicklungsländern kund. Das Argument: Die Nachteile von Kryptowährungen überschatten deren Vorteile.

Marlen Kremer
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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Bitcoin-Münze vor UN-Flagge

Beitragsbild: Shutterstock

| In drei Policy Briefs schrieb die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung Empfehlungen in Bezug auf Kryptowährungen in Entwicklungsländern nieder.

In den Policy Briefs der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) fordert die Organisation, die steigende Nutzung von Bitcoin und Co. in Entwicklungsländern einzudämmen.

Dem ersten Policy Brief zufolge sei der Krypto-Sektor zwischen September 2019 und Juni 2021 um 2.300 Prozent gewachsen – insbesondere in Entwicklungsländern.

Vor allem während der Pandemie sei die Nutzung von digitalen Währungen gewachsen. Das Dokument führt dies auf zwei Hauptgründe zurück: kostengünstige und schnelle Überweisungen von Geldern sowie Schutz vor der Inflation.

“Nachteile überschatten Vorteile”

Die UNCTAD formuliert dennoch ihre Handlungsempfehlungen vorsichtig und verweist auf Alternativen zum vermeintlichen Ausweg Krypto.

“Die Vorteile, die Kryptowährungen für einige Einzelpersonen und Finanzinstitute mit sich bringen können, werden überschattet durch die damit verbundenen Risiken und Kosten, insbesondere in Entwicklungsländern”, heißt es in einem der Dokumente.

Dabei schlägt die UNCTAD unter anderem vor, die “Werbung für Krypto-Börsen und digitale Wallets im öffentlichen Raum und in sozialen Medien” stark einzuschränken oder gar zu verbieten.

Außerdem fordert man die “Schaffung eines öffentlichen Zahlungssystems, das als öffentliches Gut dient”, wie etwa eine digitale Zentralbankwährung (CBDC). Mit einem klar definierten, rechtlichen Status von Kryptowährungen in den jeweiligen Ländern soll die gefürchtete Steuerhinterziehung mithilfe von Bitcoin und Co. vermieden werden.

Dabei bezieht sich das UN-Handelsorgan unter anderem auf CBDC-Projekte wie jenes in China.

Letztendlich schlägt die UN-Handelsorganisation vor, dass Entwicklungsländer Kryptowährungen “im Vergleich zu anderen Finanzanlagen höher besteuern” sollten, “um vom Besitz und Handel mit Kryptowährungen abzuhalten”.

Zugang zum Finanzsystem

Das Ziel der finanziellen Inklusion spielt bei insgesamt acht von 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der UN eine wichtige Rolle. Damit sollte die ursprüngliche Philosophie von Bitcoin – “Bank the Unbanked” – eigentlich im Interesse der Organisation liegen.

Dr. Penelope Hawkins, Senior Economic Affairs Officer in der Abteilung für Debt und
Development Finance, Globalisation and Development Strategies der UNCTAD, war in der Ausarbeitung der Krypto-Policy-Briefs beteiligt.

In Bezug auf Krypto in Entwicklungsländern vertritt sie eine klare Position. “Im Bereich der finanziellen Inklusion sind wir nicht davon überzeugt, dass Kryptowährungen die Dinge besser machen als beispielsweise ein schnelles Massenzahlungssystem”, erklärt sie gegenüber BTC-ECHO.

Auch die Definition der finanziellen Eingliederung könnte eine Rolle spielen. “Bei der finanziellen Inklusion geht es um mehr als den Zugang zu Zahlungen”, so Hawkins. “Es geht auch darum, Werte zu erhalten und das Finanzsystem auf andere Weise zu nutzen.”

Zudem seien Menschen, die bisher keinen Zugang zum Finanzsystem hatten, “in der Regel wirtschaftlich in irgendeiner Weise marginalisiert”, arm und würden “nicht unbedingt etwas von Technologie verstehen”, sagt die Ökonomin im Gespräch. “Sie durch einen Vermögenswert einzubeziehen, dessen Wert sehr ungewiss ist, ist also tatsächlich problematisch.”

Krypto und die Tulpenmanie

Dass Entwicklungsländer eine praktikable Alternative für Bezahlungen brauchen, steht jedoch auch unter dem Dach der Vereinten Nationen nicht zur Diskussion.

Hawkins: “Wir sind der Meinung, dass der Staat einspringen und bessere Zahlungssysteme für diese ausgegrenzten Menschen bereitstellen muss, die unserer Meinung nach in den meisten Fällen weniger risikoreich sind als das, was ein Krypto-Asset bieten kann.”

Die Sorgen, die für die UNCTAD mit Kryptowährungen einhergehen, könnten gut mit dem Szene-Begriff “FOMO“erklärt werden. Menschen haben Angst, etwas zu verpassen und verlieren sich dabei in der Spekulation.

Die UN-Ökonomin zieht einen Vergleich zwischen Kryptowährungen und dem Tulpenwahn, der in den 1630er Jahren in den Niederlanden Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt machte.

“Mit unseren Policy Briefs wollten wir den Menschen sagen: Schaut euch die ganze Geschichte an. Für uns sehen Kryptowährungen ein wenig wie die Tulpenmanie aus – als die Preise für Tulpen stiegen und stiegen und jeder eine Tulpenzwiebel kaufen musste, haben einige Leute Geld verdient und andere Leute alles verloren”, meint Hawkins. Sie gibt zu bedenken: “Und wir sind besorgt, dass es Elemente davon gibt, die Krypto zu imitieren scheint.”

Bitcoin unter demselben Dach

Es gibt bereits Veröffentlichungen aus dem Hause der Vereinten Nationen, die eine etwas andere Sprache sprechen.

Erst letztes Jahr im Juni gab das UN-Umweltprogramm einen Artikel über Kryptowährungen heraus. Die Bilanz: “Die Vereinten Nationen sollten im Bereich der Blockchain weiter experimentieren”, lässt sich Minang Acharya über die Anwendungen der Blockchain zitieren. “Je mehr wir experimentieren, desto mehr lernen wir über diese Technologie.”

Unterschiedliche Ansichten innerhalb der UN bezüglich Kryptowährungen könnten also durchaus möglich sein. “Wir können nicht für die gesamte UN sprechen, aber die Arbeit, die wir machen, kommt aus unserer speziellen Perspektive”, so Hawkins gegenüber BTC-ECHO.

“In der Tat haben wir gestern erfahren, dass ein Teil der Vereinten Nationen Bitcoin schon früh eingesetzt hat und es für verschiedene Arbeiten verwendet, die man im Rahmen von Projekten durchführt”, verrät uns Hawkins im Gespräch. “Die UNCTAD spielt nicht die gleiche Rolle.”

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