Großprojekt CBDC Kommt der digitale Euro? EZB leitet Untersuchungsphase ein
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 4 Minuten

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Der digitale Euro rückt näher. Der EZB-Rat hat am heutigen Mittwoch erste Rahmenbedingungen zu einer europäischen CBDC beschlossen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist einen weiteren Schritt in Richtung digitaler Euro gegangen. Wie die Notenbank am heutigen Mittwoch, den 14. Juli, bekannt gegeben hat, startet sie eine offizielle “Untersuchungsphase”, die 24 Monate dauern soll. Dabei wollen die Währungshüter:innen offene Fragen rund um einen digitalen Euro wie Nutzbarkeit und Abwehr von illegalen Aktivitäten mit der neuen Geldform klären.


Außerdem will man untersuchen, ob und inwiefern ein digitaler Euro dieselben Privatsphäre-Eigenschaften erfüllen kann und sollte wie Bargeld.

„Der digitale Euro sollte einen hohen Grad an Privatsphäre gewährleisten. Technologische Möglichkeiten gibt es bereits heute, um bis zu einer gewissen Schwelle anonyme Zahlungen in der digitalen Welt durchzuführen“, sagt Jonas Groß, Währungsexperte und Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center im Gespräch mit BTC-ECHO.

Offen ist auch, ob und vor allem wie Fairness- und Inklusions-Aspekte einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) umgesetzt werden können – schließlich setzt dessen Nutzung das Vorhandensein einer gewissen Infrastruktur wie Internet- und Stromanschluss voraus.

EZB-Geldpolitik mit neuen Möglichkeiten

Zudem soll Wohl und Wehe der Geldpolitik mit dem digitalen Euro Teil der Untersuchung sein, heißt es in dem EZB-Papier. EZB-Präsidentin Christine Lagarde kommentierte die Entscheidung der Zentralbank folgendermaßen:

Es ist nun neun Monate her, dass wir unseren Bericht über einen digitalen Euro veröffentlicht haben. In dieser Zeit haben wir weitere Analysen durchgeführt, Beiträge von Bürgern und Fachleuten eingeholt und einige Experimente durchgeführt – mit ermutigenden Ergebnissen. All dies hat uns zu dem Entschluss gebracht, einen Gang höher zu schalten und das Projekt des digitalen Euro zu starten.

Präsidentin Christine Lagarde im EZB-Bericht.

Ob der digitale Euro am Ende wirklich kommt, ist allerdings nach wie vor unklar. Laut EZB sei die Untersuchungsphase ergebnisoffen; Bargeld bleibe indes auch im Falle einer positiven Entscheidung weiterhin Bestandteil des Finanzsektors. So heißt es vonseiten der Zentralbank:

Dies greift einer künftigen Entscheidung über die mögliche Ausgabe eines digitalen Euro nicht vor, die erst später erfolgen wird. In jedem Fall würde ein digitaler Euro das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen.

EZB-Position zum Bargeld

Retail- oder Wholesale-Euro?

Im Raum stehen zwei mögliche Ausgestaltungen einer europäischen CBDC:


  1. 1. Eine sogenannte Wholesale-Lösung, auf die nur die Finanzindustrie wie etwa Kreditinstitute und die Zentralbank selber Zugriff hätte, nicht aber die Endnutzer:innen.
  2. 2. Eine sogenannte Retail-Lösung, die auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern zugutekommen würde. Bei dieser Form ließe sich die CBDC genau wie Bargeld nutzen, mit dem Unterschied, dass die Transaktion digital erfolgt.

Beide Varianten hatte die Notenbank bereits im Oktober 2020 in einem umfassenden Grundlagenpapier zum digitalen Euro diskutiert. Daraus ergibt sich auch die große Bedeutung, die Bargeld im europäischen Währungsraum immer noch innehat: Rund 79 Prozent aller Point-of-Sale-Transaktionen werden in bar beglichen.

Welche der beiden Möglichkeiten die Währungshüterinnen und Währungshüter favorisieren, ist bisweilen völlig offen. Klar ist aber, dass die EZB insofern unter Druck ist, als dass die Nutzung von Bargeld immer weiter zurückgeht. Nutzen die Bürger:innen künftig nur noch digitales Geld, kann die Zentralbank ohne eine Retail CBDC kein Zentralbankgeld mehr an den Mann oder die Frau bringen.

Eine Retail-Lösung ergäbe zudem neue Ansätze in puncto Geldpolitik. So könnten Nutzer:innen ihre Konten beispielsweise direkt bei der Zentralbank halten und müssen nicht mehr den Zwischenschritt über den Intermediär Bank gehen. So mancher Marktbeobachter sieht darin einen enormen Effizienzgewinn sowie die Möglichkeit, beispielsweise direkt Helikoptergeld ausgeben zu können.

Andererseits würde die oberste monetäre Institution Europas damit das Geschäftsmodell des Finanzsektors im Kern gefährden.

CBDC könnte Unabhängigkeit vor US-Konzernen stärken

Einen anderen Aspekt hebt Jonas Groß hervor:

Ein digitaler Euro ist für Europa notwendig, um Abhängigkeiten von ausländischen Zahlungsanbietern des Privatsektors, wie zum Beispiel Big-Tech-Unternehmen, zu reduzieren. Ein digitaler Euro würde eine rein europäische Zahlungsinfrastruktur bieten.

Jonas Groß gegenüber BTC-ECHO

Voraussetzung wäre natürlich eine Retail CBDC, die technisch auf demselben Stand wie PayPal, Apple Pay und Co. ist, um einen entsprechenden Andrang überhaupt verarbeiten zu können.

All dies gilt es in den nächsten zwei Jahren zu beantworten.



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