Harsche Kritik an CoinKite 

Ist Bitcoin Self Custody tot? Jack Mallers hält dagegen

Ein fataler Firmware-Fehler bei Coldcard kostet Bitcoin-Kleinanleger fast 2.000 BTC. Der Strike-CEO erklärt die Ursachen der Tragödie und zeigt Alternativen für die Verwahrung auf.

Tobias Zander
Teilen
Strike-CEO Jack Mallers trägt ein Basecap und ist voll fokussiert

Beitragsbild: picture alliance

| Strike-Gründer und CEO Jack Mallers gilt als begeisterter Bitcoin-Maximalist

Die schwerwiegende Sicherheitslücke beim Hardware-Wallet-Hersteller Coldcard sorgt aktuell für große Verunsicherung unter Bitcoin-Anlegern. Nun äußert sich Strike-CEO Jack Mallers ausführlich zu den dramatischen Vorfällen. In einem mehrstündigen Livestream stellt der bekennende Bitcoin-Maximalist klar, dass die Schwachstelle bei den Geräten des Anbieters CoinKite auf eklatante Nachlässigkeit bei der Implementierung zurückzuführen ist: “Das kryptographische Schloss blieb vollkommen intakt – der Hersteller hat schlichtweg bei der Erzeugung eines sicheren Keys versagt”.

Fallback-Code hebelt Zufallsgenerator aus

Möglich wurde der Bitcoin-Wallet-Hack aufgrund einer unzureichenden Generierung von Entropie bei Seedphrases, die ab März 2021 auf bestimmten Coldcard-Modellen erstellt wurden. Zwar existierte im Quellcode das Flag für den Hardware-Zufallsgenerator, dieses war jedoch im System deaktiviert. Anstatt die Schlüsselgenerierung bei diesem fatalen Fehler mit einem harten Abbruch zu stoppen, schaltete das System laut Mallers geräuschlos auf eine interne Entropie von lediglich 40 Bit um.

Dadurch schrumpfte der mathematische Suchraum für Angreifer auf etwa eine Billion Möglichkeiten, was das Erraten der Private Keys von tausenden Bitcoin-Hodlern in Minutenschnelle ermöglichte. Der Strike-CEO betont: “Ein Gerät, das im Stillen einen schwachen Key generiert, ist weit gefährlicher als ein Gerät, das sich einfach weigert, überhaupt einen zu erzeugen”.

Aus Sicherheitsperspektive hätte die von Coldcard genutzte Software gar keinen unzureichenden “Plan B” haben dürfen. Tragisch ist der Vorfall nicht zuletzt deshalb, weil vor allem disziplinierte Kleinanleger bestohlen wurden, die bewusst auf die Verwahrung bei Drittanbietern verzichteten. “Das waren hart arbeitende Bitcoin-Anleger, die alles richtig gemacht haben. Hier ging es schlichtweg um das Ersparte fürs Leben, nicht um Spekulation”, gibt Mallers zu Bedenken.

Bitcoin-Komplexitätsfalle: Ist Multi-Sig wirklich besser als Single-Sig?

Trotz der Verunsicherung warnt der Bitcoin-Veteran davor, Multi-Sig nun vorschnell als pauschale Wunderwaffe zu verstehen. Jede Verwahrungsform bringe spezifische Kompromisse mit sich: “Multisig ist komplizierter. Es verbessert zwar bestimmte Bereiche, macht es aber auch leichter, selbst Fehler zu machen.” Wenn Coins in einer falsch konfigurierten Multi-Signature-Struktur feststecken, seien sie ebenso verloren. Klassisches Single-Sig funktioniere nach wie vor zuverlässig, sofern die Erzeugung des Private Keys sauber verläuft. Bitcoin-Anleger könnten ausreichende Entropie sogar durch physisches Würfeln erzeugen – was allerdings eher kein Mainstream-Standard werden dürfte.

Für die Zukunft fordert der Strike-Gründer eine Rückbesinnung auf die mathematischen Grundprinzipien von Bitcoin. Die Wahrnehmung am Markt sei durch Marketing stark verengt worden: “Ein Hardware-Wallet ist nicht zwingend erforderlich, um eine extrem große, zufällige Zahl zu generieren.” Wer maximale Transparenz suche, könne ebenso einen isoliertes Laptop mit Bitcoin Core nutzen oder auf klassische Paper Wallets setzen.

Selbstverwahrung sei im Kern das Verständnis für die sichere Erzeugung und Aufbewahrung eines unerratbaren Root Secrets. “Kannst du eine ausreichend große und zufällige Geheimzahl generieren und diese schützen?”, nennt Mallers die wahre Kernfrage. Sobald Bitcoin-Anleger diese Grundlage verinnerlichen, verliert der Ausfall einzelner Hardware-Hersteller wie Coldcard seinen existentiellen Schrecken.

Bitcoin kaufen – Leitfaden & Anbieter 2026
In unserem kostenlosen BTC-ECHO Leitfaden zeigen wir dir, wie du sicher und Schritt für Schritt in Bitcoin (BTC) investieren kannst. Außerdem erklären wir, worauf du beim Kauf von Kryptowährungen achten solltest.
Jetzt zum Bitcoin (BTC) kaufen Leitfaden
Das könnte dich auch interessieren