Im Interview „Ich gebe seit 10 Jahren dieselbe Kursprognose“ – Bitcoin Suisse Gründer Niklas Nikolajsen
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Bitcoin Suisse Interview Februar

Quelle: Bitcoin Suisse

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Das Unternehmen Bitcoin Suisse nimmt eine Pionierrolle ein, wenn es um die Etablierung von Bitcoin in der Schweiz und darüber hinaus geht. Inzwischen geht es aber längst nicht mehr nur um Bitcoin, sondern um diverse digitale Assets und damit verbundene Dienstleistungen. Von Verwahrung über Staking bis hin zur Tokenisierung entwickelt sich Bitcoin Suisse immer mehr zu einem vielseitigen Krypto-Finanzdienstleister. Der beeindruckende Wachstumskurs des Unternehmens nimmt seinen Ursprung bei Niklas Nikolajsen. Der dänische Early Adopter hatte bereits 2011 das Potenzial hinter Bitcoin erkannt und daraufhin 2013 Bitcoin Suisse gegründet. Im Interview hat er uns verraten, ob Bitcoin bald als alltägliches Zahlungsmittel genutzt werden kann, ob DeFi-Protokolle die Bankenwelt umkrempeln werden und wo er den Bitcoin-Kurs Ende 2021 sieht.

Das Interview ist zuerst in der Februar-Ausgabe des Kryptokompass erschienen.


Überall, auch bei uns, liest man, dass institutionelle Investoren in den Krypto-Markt drängen. Könnt ihr diese Entwicklung auch bei euren Kunden in den letzten Wochen und Monaten beobachten?

Ja, so langsam bewahrheitet sich das Narrativ über den Zustrom institutioneller Investoren. Es gab Ende 2017, auf dem Gipfel des zurückliegenden Bitcoin-Hypes, schon einmal großes Interesse von Institutionen. In den Folgemonaten, also im Bärenmarkt von 2018, verschwand dieses Interesse jedoch.

Im Dezember 2017 gab es Berichte, dass sogar Goldman Sachs einen Krypto-Trading-Desk etablieren wollte. Gemeinsam mit der fallenden Marktkapitalisierung sank indes auch das Interesse der institutionellen Investoren. Man muss einfach sagen, dass der Krypto-Markt 2018/2019 aus Sicht von Institutionen wie JPMorgan und Co. zu klein war. Für Kryptowährungen gab es zudem keinen wirklichen Anwendungsfall, außer dem eines Wertspeichers. Mit DeFi kamen und kommen weiterhin allerdings neue, experimentelle Use Cases auf. Aber auch diese sind heute noch nicht marktreif.

Nach dem Halving im Mai 2020 änderte sich die Situation. Man konnte zwar ziemlich gut antizipieren, dass Bitcoin einen Sprung machen würde. Dass der Kursanstieg jedoch so schnell vonstattenging, hat selbst uns überrascht. Auch, dass Institutionen wie MicroStrategy mit großen Allokationen aufgesprungen sind, war unglaublich. Seit dem Halving ist der Markt in einer anderen Welt – Krypto-Assets sind mittlerweile bei einer Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar angelangt. Es braucht aber mehr als das; es braucht funktionierende Anwendungsfälle, damit die Institutionen dauerhaft am Markt bleiben.

Bitcoin Suisse ist eine Kooperation mit dem größten digitalen Zahlungsabwickler in Europa, Wordline, eingegangen. Glaubst du, dass Bitcoin eines Tages wirklich auch als Währung zum Bezahlen alltäglicher Dinge genutzt wird? Oder bleibt Bitcoin das Narrativ als digitales Gold anhaften – im Sinne eines Vermögenswertes, aber weniger als Währung?

Das kommt ganz darauf an, ob die Transaktionen On-Chain oder Off-Chain passieren. Es ist offensichtlich: Als globales Zahlungsmittel ist der Basis Layer zu langsam. Der sprichwörtliche Kaffeekauf lässt sich auf sekundären Lösungen wie dem Lightning-Netzwerk durchführen, nicht aber auf der Blockchain. Wenn sich Lightning durchsetzt, ist es jedoch definitiv möglich, dass Bitcoin zu einer Währung heranreift. Zwar ist Lightning nicht ganz „trustless“, da die Transaktionen nicht umgehend auf der Blockchain abgebildet werden. Es ist aber ein Riesenfortschritt zum aktuellen System. Welches Blockchain-System sich letztlich durchsetzen wird, wird aber der Markt entscheiden. Und das ist auch gut so.

Auf Anleihen, insbesondere Staatsanleihen, gibt es kaum noch Zinsen. Insbesondere europäische Staatsanleihen notieren praktisch ausnahmslos im Negativbereich. Kann das Staking von Kryptowährungen zukünftig zu einer Alternative werden, um regelmäßige Zinseinkünfte zu generieren?

Ich glaube nicht, dass der Zins bei null Prozent läge, wenn es keine Zentralbankintervention gäbe. In anderen Worten: Wir würden niemals einen Kreditvertrag machen, bei dem du mir 1.000 Euro leihst und ich dir in fünf Jahren 900 Euro zurückgebe. Negative Zinsen sind etwas zutiefst Unnatürliches. Wir müssen uns also überlegen, woher kommen negative Zinsen? Wenn man sich umsieht, stellt man fest, dass die größten Schuldner der Welt Nationalstaaten sind. Obwohl Staking-Modelle bereits heute Alternativen sind, denke ich nicht, dass sie schon so weit sind, Anleihen als alternative Zinsertrags-Quelle zu ersetzen.

Das Schöne am Staking ist ja sein geringes Gegenpartei-Risiko. Aber auch Assets wie besicherte Krypto-Darlehen werden eines Tages reif für die Finanzmärkte sein. An dem Punkt sind sie sodann mit Sicherheit auch eine ertragreiche Alternative zu Staatsanleihen und könnten diese irgendwann sogar ersetzen. Aber das wird noch dauern.

Und darüber hinaus: Wird es zu einer Verschmelzung kommen, dass Banken einzelne Prozesse und Dienstleistungen an DeFi-Protokolle outsourcen werden?


Solche Entwicklungen wird es geben. Bis sich Technologien wie Krypto zur Marktreife auswachsen, dauert es erfahrungsgemäß lange. Ich bin jetzt seit 2011 ohne Unterbrechung im Krypto-Markt und seitdem hat sich schon einiges getan – von einer Marktreife ist DeFi aber noch weit entfernt. Wir sind immer noch dabei, mit den verschiedenen Blockchain-Lösungen zu experimentieren und es ist noch unklar, welche sich letztlich durchsetzt.

Auf der anderen Seite mangelt es noch an regulatorischer Klarheit. Es ist zum Beispiel völlig unklar, wie man mit Smart Contracts regulatorisch umgeht. Banken werden nicht an DeFi in größerem Ausmaß teilnehmen, bevor die Technologie nicht vernünftig reguliert ist. Eines Tages – und da bin ich mir sicher – werden aber auch die Banken DeFi nutzen. Am Ende des Tages setzt sich schließlich immer die effektivste Technologie durch.

Und wo sieht sich eine Bitcoin Suisse in diesem sich verändernden Marktumfeld?

Bitcoin Suisse will für seine Kundinnen und Kunden ein Zugangstor zur dezentralen Finanzwelt schaffen. Als regulierter Schweizer Finanzintermediär in der Lizenzierungsphase für die Schweizer und Liechtensteinische Banklizenz mag dies wie ein Widerspruch klingen, doch die Lizenz erlaubt uns, ein neues Produktuniversum für unsere Kunden zu erschließen. Dies beinhaltet beispielsweise Asset Tokens (Wertschriften), Stablecoins, oder sogar Derivate. So können wir mit dem Angebot gewisser Kryptobörsen in den Wettbewerb treten und unseren Kunden eine noch breitere Palette an Dienstleistungen anbieten.

Es gibt immer mehr Investmentgesellschaften, die Bitcoin-Wertpapiere wie Bitcoin Exchange Traded Products (ETP) für das klassische Wertpapierdepot herausgeben. Siehst du da nicht einen Widerspruch darin, dass man ein überlegendes Trägermedium, ergo den Token auf der Blockchain, gegen eine urkundliche Wertpapierverbriefung austauscht?

Auch Bitcoin Suisse beabsichtigt das Auflegen von Finanzprodukten wie ETPs. Was man da testet, ist letztlich die bestehende Finanzinfrastruktur zu nutzen, um Bitcoin weiter zu vermarkten. Auf lange Sicht ergibt das zwar keinen Sinn. Aber kurzfristig kann der Krypto-Markt von regulierten Finanzprodukten wie ETFs nur profitieren. Schließlich ist der Kauf von BTC und Co. auf Exchanges immer noch recht kompliziert. Grayscale zum Beispiel hat Bitcoin einen großen Dienst erwiesen, indem es den Markt deutlich attraktiver für traditionelle Anleger gemacht hat. Aber ob Grayscale in zehn Jahren noch existiert? Ich weiß es nicht.

Abschließend die Gretchenfrage: Wo siehst du den Bitcoin-Kurs zum Jahresende 2021?

Ich gebe seit zehn Jahren dieselbe Kursprognose: Der höchste Bitcoin-Kurs liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Das aktuelle Allzeithoch liegt bei 42.000 US-Dollar. Werden wir das in 2021 noch übertreffen? Keine Frage! Werden wir es um Längen schlagen? Absolut! Ich denke, bis wir die 42.000 US-Dollar deutlich übertreffen, dauert es nicht mehr lange. Sehen wir Bitcoin im sechsstelligen Bereich? Ja! Wie lange das dauert, kann aber niemand sagen. Märkte können sich über längere Zeit sehr irrational verhalten. Der aktuelle Bitcoin Bull Run ist aber noch lange nicht vorbei.

Spätestens nach dem nächsten Halving, wenn die Inflationsrate nur noch 0,6 Prozent beträgt, werden Institutionen alle neu geminten BTC aufkaufen. Hier spielen sich einfache ökonomische Zusammenhänge ab: Ein limitiertes Angebot trifft auf eine immer größer werdende Nachfrage.

Um es kurz zu machen: Ende 2021 rechne ich mit mindestens 60.000 US-Dollar und 2022 mit sechsstelligen Zahlen.


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